Erholung bei Sartorius setzt sich fort - Jahresziele bestätigt
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 13:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSZum anhaltenden Schub durch Verbrauchsmaterialien kommt eine Nachfrageerholung bei Bioprozessanlagen und Instrumenten. Im dritten Quartal überraschte zudem die kleinere Laborsparte positiv, weshalb Konzernchef Michael Grosse hier etwas optimistischer ist. An der Börse stieg die Aktie am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Januar 2025. Für 2027 steht zudem eine Neuorganisation an.
Die Papiere kletterten auf bis zu 276,70 Euro und führten den MDax DE0008467416 am frühen Nachmittag mit 267,30 Euro und einem Plus von fast 2,4 Prozent an. In den vergangenen drei Monaten legte die Aktie bereits um rund ein Fünftel zu, nachdem sie im März auf ein Tief seit Oktober 2025 gefallen war. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf rund 8 Prozent.
Analyst James Vane-Tempest von Jefferies Research attestierte Sartorius ein starkes drittes Quartal. Treiber sei vor allem das Laborgeschäft (LPS) gewesen, das die Erwartungen übertroffen habe.
In den ersten neun Monaten bis Ende September erlöste der Konzern insgesamt rund 2,74 Milliarden Euro, knapp 5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Getragen wurde das Wachstum vor allem von einem starken Geschäft in Asien-Pazifik, wozu auch China beigetragen habe. Zudem hätten die Geschäfte in Nordamerika über die Sommermonate "erfreulich" Fahrt aufgenommen, sagte Grosse.
Nach der Corona-Zeit hatte Sartorius eine längere Durststrecke durchgestanden, weil Kunden ihre Bestellungen unter anderem wegen übervoller Lager zurückhielten. Inzwischen seien die Abnehmer wieder in den "Investitionsmodus" zurückgekehrt, sagte der Konzernchef.
Auch bei den Gewinnkennziffern übertraf Sartorius die Markterwartungen: In den ersten drei Quartalen stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fast sieben Prozent auf knapp 828 Millionen Euro. Die entsprechende Marge kletterte von 29,7 auf 30,2 Prozent. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn stieg um gut die Hälfte auf 188,3 Millionen Euro.
Im dritten Quartal erhielt der Konzern laut Grosse weitere Rückzahlungen von 5 Millionen Euro für bereits gezahlte US-Zölle, nachdem der US Supreme Court diese für unzulässig erklärt hatte. Insgesamt hat Sartorius Rückzahlungen von 40 Millionen Euro beantragt. Eine erste größere Summe von 26 Millionen Euro war bereits bis zur Halbjahresbilanz zurückgeflossen. Das Geld will der Konzern im Wesentlichen an seine Kunden weitergeben, da diese zuvor maßgeblich die höheren Zollkosten getragen hatten.
Dies führt zu einem buchhalterisch umsatzmindernden Effekt, den Sartorius seit der Halbjahresbilanz in der Jahresprognose berücksichtigt. Ohne die Zollerstattungen erwartet der Konzern ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum in der unteren Hälfte der Spanne von 5 bis 9 Prozent. Inklusive des Sondereffekts peilt Grosse weiterhin in etwa den Mittelpunkt dieser Spanne an. Auf das operative Ergebnis haben die Rückerstattungen keinen Einfluss. Hier erwartet das Management 2026 weiterhin eine Marge von etwas über 30 Prozent.
Zudem kündigte Sartorius eine Neuorganisation und neue Segmentberichterstattung ab 2027 an. Die bisherigen Sparten Bioprocess Solutions und Lab Products & Services werden zum Jahresstart durch Bioprocessing Solutions und Research Solutions ersetzt. Bioprocessing Solutions umfasse Technologien für die biopharmazeutische Herstellung und entspreche damit voll der französischen Tochter Sartorius Stedim FR0013154002 Biotech. Research Solutions bündele Laborinstrumente und Verbrauchsmaterialien für Forschungs- und Qualitätssicherungslabore.
Zudem fasst der Konzern laut Grosse seine Vertriebsaktivitäten künftig in einer Organisation zusammen. Den Vorstandsposten des Chief Commercial Officer übernimmt ab 2027 Alexandra Gatzmeyer. René Fáber verantwortet dann als Chief Product Officer Forschung und Entwicklung, Produktmanagement, technischen Vertrieb und Produktion.
