Aktien, Frankfurt

Aktien Frankfurt: Sinkender Ölpreis und EZB-Zinsentscheid stützen Dax

30.04.2026 - 14:53:02 | dpa.de

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Donnerstag von einer schwächeren Eröffnung erholt und im Zuge fallender Ölpreise merklich zugelegt.

Am letzten Tag der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche stehen neben den Bilanzen wichtiger US-Technologiekonzerne und einer Fülle an Zahlen deutscher Unternehmen auch die jüngsten Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus.

Der im frühen Handel noch schwächelnde Dax DE0008469008 stieg nach dem EZB-Zinsentscheid auf sein Tageshoch und notierte zuletzt 0,9 Prozent im Plus bei 24.176 Punkten. Damit deutet sich für den Leitindex ein Wochengewinn von rund 0,2 Prozent an. Der MDax DE0008467416 mit den mittelgroßen Werten gewann zuletzt 1,7 Prozent auf 30.520 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 legte um 0,5 Prozent zu.

Grund für die Dax-Erholung war, dass die Ölpreise von ihrem Mehrjahreshoch deutlich zurückkamen. Nachdem US-Präsident Donald Trump einen iranischen Vorschlag, zunächst die Seeblockade zu lockern und Gespräche über ein Abkommen zum Atomprogramm später zu führen, abgelehnt hatte, stieg Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni am Morgen bis auf 126,41 US-Dollar. Danach bröckelte der Preis aber stetig ab und lag zuletzt bei rund 114 Dollar.

Die Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sind zuletzt ins Stocken geraten. Trump sagte am Mittwoch, es habe zwar Fortschritte gegeben, ein Durchbruch sei aber noch nicht erreicht. Eine Einigung werde es nur geben, wenn Teheran vollständig auf Atomwaffen verzichte.

Die Europäische Zentralbank ließ die Leitzinsen im Euroraum trotz des Ölpreisschocks wie erwartet unverändert. Volkswirte erwarten jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird, wenn ihr mehr Daten vorliegen, um die Folgen des Nahost-Kriegs zu beurteilen. Auch die Bank of England entschied sich für unveränderte Zinsen. Am Vorabend hatte zudem die US-Notenbank Fed den Leitzins erwartungsgemäß nicht angetastet.

Die Quartalsergebnisse von Alphabet US02079K3059, Amazon US0231351067, Microsoft US5949181045, Meta US30303M1027 und Qualcomm US7475251036 am Mittwochabend hätten die Investoren nicht vollends zufriedengestellt, erklärte Analyst Andreas Lipkow von CMC Markets. Am Donnerstag nach US-Börsenschluss veröffentlicht mit dem iPhone-Produzenten Apple US0378331005 ein weiteres Unternehmen aus der Gruppe der "Glorreichen Sieben" seine Quartalsbilanz.

Aus Branchensicht waren die vom KI-Hype erfassten deutschen Halbleiterwerte gut gefragt. Aixtron DE000A0WMPJ6 stiegen nach Quartalszahlen um 2,6 Prozent und profitierten von der Nachfrage im Optoelektronik-Geschäft. Infineon DE0006231004 legten um 1,8 Prozent zu, nachdem sie zur Wochenmitte von guten Zahlen des niederländischen Chipkonzerns NXP profitiert hatten.

Suss-Microtec-Anteile DE000A1K0235 erklommen ein Rekordhoch und verbuchten zuletzt einen Zuwachs von 9,8 Prozent. Siltronic DE000WAF3001 und PVA Tepla DE0007461006 gewannen 4,3 beziehungsweise 4,7 Prozent.

Bei der DHL Group DE0005552004 stieg der operative Gewinn (Ebit) im ersten Quartal stärker als erwartet. Die freien Barmittelzuflüsse vor Zu- und Verkäufen von Unternehmensteilen fielen ebenfalls deutlich besser als prognostiziert aus. Derweil sank der Umsatz etwas stärker als geschätzt. Die Jahresziele bestätigte der Logistikkonzern. Für die Aktien ging es an der Dax-Spitze zuletzt um 5,4 Prozent aufwärts.

Der Chemiekonzern BASF DE000BASF111 bekam auch im ersten Quartal den Wettbewerbsdruck zu spüren. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent. Das operative Ergebnis (Ebitda) ging um knapp sechs Prozent zurück. Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um knapp 15 Prozent. Dies hängt mit Dividendenzahlungen von der Beteiligung von Wintershall Dea zusammen. Die Ziele für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand. Die Aktien stiegen um 0,2 Prozent.

Der VW-Konzern DE0007664039 geriet im ersten Quartal in einem schwierigen Umfeld und wegen Kosten für die US-Einfuhrzölle bei der Profitabilität weiter unter Druck. Die operative Marge lag bei 3,3 Prozent, rund 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Analysten hatten im Schnitt mit 3,7 Prozent gerechnet. Das operative Ergebnis ging insgesamt um gut 14 Prozent zurück, der Umsatz sank leicht. Die VW-Vorzugsaktie gewann 1,5 Prozent.

Der Triebwerksbauer MTU DE000A0D9PT0 steigerte den Umsatz im ersten Quartal trotz eines negativen Umfelds und des schwachen US-Dollar um sechs Prozent. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (Ebit) wuchs ebenso stark und übertraf die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Der Vorstand um MTU-Chef Johannes Bussmann hält an seinen Jahreszielen fest, rüstet sich aber für mögliche Belastungen durch den Iran-Krieg. Die MTU-Papiere verteuerten sich um 3,3 Prozent.

Brenntag-Aktien DE000A1DAHH0 verzeichneten einen Kursanstieg von 3,4 Prozent auf 61,74 Euro. Zuvor hatte die Schweizer Großbank UBS die Papiere des Chemikalienhändlers von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel von 42 auf 60 Euro angehoben. Der Nahost-Krieg habe die Weichen neu gestellt, Preissprünge bei Energie und Chemieprodukten sorgten für bessere Gewinnaussichten bei Brenntag, schrieb Analystin Nicole Manion.

Die Aktien von Gea DE0006602006, Hochtief DE0006070006, Munich Re DE0008430026, Rational DE0007010803 und RTL LU0061462528 werden am Donnerstag mit Dividendenabschlägen gehandelt./edh/jha/

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

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