Starker Dax legt 0,7 Prozent zu – Öl und Gas werden günstiger
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 17:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Dax hat am Donnerstag zugelegt und schloss den Xetra-Handel bei 25.717 Punkten, was einem Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vortag entspricht. Nach einem freundlichen Start konnte der Leitindex seine Gewinne im Tagesverlauf weiter ausbauen.
Optimismus nach Zinsentscheidung der Fed
Auslöser für die positive Stimmung war nach Einschätzung von Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets, die jüngste Zinsentscheidung der US-Notenbank. Mit ihr sei Optimismus an die Aktienmärkte zurückgekehrt, der Dax habe seine Gewinne kontinuierlich ausbauen und in Richtung der Marke von 26.000 Punkten laufen können. Für Erleichterung sorgte demnach weniger die Zinserhöhung selbst als vielmehr die Aussicht auf eine wieder nachvollziehbare und klare geldpolitische Linie in den USA.
Lipkow betonte, die Fed habe mit ihrer Entscheidung viel Druck von den Finanzmärkten genommen und sich zugleich mehr Handlungsspielraum verschafft. Entscheidend sei nun die Entwicklung der langfristigen Renditen, die nicht von heute auf morgen sinken dürften. Zunächst müssten Investoren wieder stärkeres Vertrauen in US-Staatsanleihen fassen, die Fed könne lediglich den Weg für niedrigere Renditen ebnen, gehen müsse ihn der Anleihemarkt am Ende selbst.
Indirekte Dax-Stütze durch höhere Risikobereitschaft
Der Dax profitiere von diesen geldpolitischen Entwicklungen nur indirekt, dafür aber deutlich von der zurückkehrenden Risikobereitschaft internationaler Investoren. Deutsche Aktien blieben laut Lipkow eine Wette auf eine konjunkturelle Erholung in Europa, die wiederum maßgeblich von der weiteren Entwicklung der US-Wirtschaft abhänge.
Zusätzliche Unterstützung kam nach seinen Angaben von rückläufigen Energiepreisen. Nachrichten über neue Öllieferwege im Nahen Osten hätten den Preis für Brent-Rohöl wieder näher an die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar herangedrückt. Je näher diese Schwelle komme, desto größer dürfte die Erleichterung an den Aktienmärkten werden.
Energiepreise und Inflationsausblick
Ein nachhaltiger Rückgang des Brent-Preises unter 100 US-Dollar würde den Inflationsängsten nach Einschätzung des Analysten deutlich an Schärfe nehmen und der Erholung an den europäischen Börsen zusätzlichen Rückenwind verleihen. Bis kurz vor Handelsschluss führten die Papiere von Siemens Energy, Qiagen und Volkswagen die Gewinnerliste im Dax an, während die Aktien von Heidelberg Materials, Deutscher Telekom und Fresenius Medical Care zu den schwächsten Werten zählten.
Unterdessen sank auch der Gaspreis: Eine Megawattstunde Gas zur Lieferung im Oktober kostete 77 Euro und damit zwei Prozent weniger als am Vortag. Dieses Niveau impliziert einen Verbraucherpreis von mindestens rund zwölf bis 15 Cent je Kilowattstunde inklusive Nebenkosten und Steuern, falls es dauerhaft Bestand hätte.
Ölpreis und Wechselkurs bewegen sich mit
Der Ölpreis gab ebenfalls nach: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Donnerstagnachmittag gegen 17 Uhr deutscher Zeit 103,50 US-Dollar, das waren 235 Cent oder 2,2 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags. Die europäische Gemeinschaftswährung zeigte sich am Nachmittag etwas stärker, ein Euro wurde mit 1,1480 US-Dollar gehandelt, entsprechend war ein Dollar für 0,8711 Euro zu haben.
Der Anstieg des Dax um 0,7 Prozent auf 25.717 Punkte spiegelt eine deutlich bessere Stimmung an den europäischen Aktienmärkten wider. Ausschlaggebend ist die jüngste Zinsentscheidung der US-Notenbank, die zwar die Leitzinsen angehoben, zugleich aber eine klarere geldpolitische Perspektive signalisiert hat. Diese Kombination aus berechenbarer Geldpolitik und sinkenden Risikoaufschlägen erleichtert vielen Investoren die Rückkehr in Aktien- und Anleihemärkte.
Geldpolitik und Anleihemärkte
Die Aussagen von Andreas Lipkow unterstreichen, dass die eigentliche Entlastung weniger aus der einzelnen Zinsanhebung als aus der wieder als konsistent wahrgenommenen Linie der Fed stammt. Langfristige Renditen am US-Anleihemarkt bleiben zentral: Erst wenn Investoren Staatsanleihen wieder als verlässlichen Hafen ansehen, dürfte der Druck auf Renditen und damit auf die Finanzierungskosten allmählich nachlassen. Für europäische Aktien, darunter den Dax, bedeutet das ein Umfeld, in dem Risikoanlagen wieder stärker gefragt sind, ohne dass die Zinslast abrupt steigt.
Energiepreise und Inflationserwartungen
Der parallele Rückgang von Öl- und Gaspreisen wirkt wie ein zweiter Entlastungsfaktor. Ein Brent-Preis, der sich wieder der Marke von 100 US-Dollar annähert, und ein etwas niedrigerer Großhandelspreis für Gas dämpfen Inflationsängste. Bleibt dieses Niveau stabil oder sinkt weiter, könnten Unternehmen und Verbraucher mittelfristig von geringeren Energiebelastungen profitieren. Das stärkt die Perspektive einer konjunkturellen Erholung in Europa, auf die deutsche Aktien nach Einschätzung des Analysten ohnehin setzen. Für Leser bedeutet das: Die aktuelle Marktbewegung beruht vor allem auf der Kombination aus besser kalkulierbarer US-Geldpolitik und entspannterer Energiemarktsituation, bleibt aber abhängig davon, ob Vertrauen in Anleihemärkte und Energiepreisniveau tatsächlich nachhaltig zurückkehrt.
