Frankfurt Schluss: Dax sackt weiter ab - Tech-Erholung stockt
09.06.2026 - 18:04:56 | dpa.deZwischenzeitliche Gewinne konnte der deutsche Leitindex nicht halten, letztlich büßte er 0,74 Prozent auf 24.433,06 Punkte ein. Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt, gleichzeitig scheiterte ein weiterer Erholungsversuch der US-Technologiewerte. Der MDax DE0008467416 verlor 1,50 Prozent auf 31.642,54 Zähler.
Im Nahost-Konflikt haben der Iran und Israel ihre jüngsten wechselseitigen Angriffe vorerst eingestellt. Beide Seiten drohten jedoch im Fall von Verstößen gegen ihre jeweiligen Bedingungen mit noch härteren Kämpfen. US-Präsident Donald Trump hatte tags zuvor versichert, dass weiter an einer baldigen Lösung des Konflikts gearbeitet werde. Die Ölpreise gingen zuletzt etwas zurück.
"Zwischen Krisenrauschen, geldpolitischen Fragezeichen und der KI-Euphorie als strukturellem Wachstumstreiber fehlt Anlegern derzeit ein verlässliches Navigationssignal. Ohne klare Leitplanken bleibt das Marktumfeld schwer navigierbar", kommentierte Marktexperte Timo Emden.
Aus Sicht von Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst vom Broker CMC Markets, kommen "einige dicke Bretter auf die Börse zu, die nur schwer zu durchbohren sein werden." Er verwies auf die anstehenden Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Fed. Dazu stünden mit SpaceX, Anthropic und OpenAI drei große Börsengänge bevor, die Liquidität aus den Märkten abziehen dürften.
Auf europäischer Ebene gab der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 0,21 Prozent auf 6.049,74 Punkte nach. Der Londoner FTSE 100 GB0001383545 rutschte noch deutlicher ins Minus, der Züricher SMI CH0009980894 schloss moderat im Plus. In New York verlor der Dow Jones Industrial US2605661048 zum europäischen Börsenschluss rund ein halbes Prozent. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 US6311011026 brach einen Erholungsversuch ab und sackte um fast zwei Prozent ab.
Auch hierzulande drehten die Chip- und KI-Werte nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus. Infineon DE0006231004 fielen letztlich um 3,3 Prozent, Siemens Energy DE000ENER6Y0 büßten am Dax-Ende sogar 5,9 Prozent ein. Bei den Nebenwerten verloren die Zulieferer für die Chipindustrie Aixtron DE000A0WMPJ6, Suss DE000A1K0235 und PVA Tepla DE0007461006 bis zu 2,4 Prozent.
Analysten-Lob trieb die Aktien von Symrise DE000SYM9999 kräftig an. Mit plus 7,2 Prozent waren sie der Top-Wert im Dax und sprangen über die 21-Tagelinie als Indikator für den kurzfristigen Trend. JPMorgan-Analyst Edward Hockin blickt optimistisch auf die Ende Juli anstehenden Zahlen zum zweiten Quartal. Er rechnet mit einer Belebung des organischen Umsatzwachstums auf drei Prozent.
Für Airbus NL0000235190 ging es dagegen um 0,7 Prozent abwärts. Der weltgrößte Flugzeugbauer zweifelt wegen der Probleme des Triebwerksherstellers Pratt & Whitney an seinem Produktionsziel für seine meistgefragte Modellreihe. Die geplante Fertigung von 75 Maschinen der A320neo-Reihe pro Monat in der zweiten Jahreshälfte 2027 droht Airbus wegen des Teilemangels erneut zu verfehlen.
Emissionen von Wandelanleihen belasteten die Aktien von Evonik DE000EVNK013 und K+S DE000KSAG888. Letztere fielen um 3,2 Prozent. Sie unterschritten erstmals seit Mitte Januar wieder die 200-Tage-Linie für den längerfristigen Trend. Die Evonik-Papiere büßten 1,4 Prozent ein. Die RAG-Stiftung, der Großaktionär des Spezialchemiekonzerns, platzierte eine Umtauschanleihe mit einem Gesamtnennbetrag von rund 375 Millionen Euro. Bei K+S lag das Volumen der neuen Wandelanleihe bei 320 Millionen.
Nach einer mehrmonatigen Rally setzten die Aktien von SMA Solar DE000A0DJ6J9 ihre jüngste Korrektur mit einem Kursabschlag von 10,2 Prozent fort. Damit verbuchten die Titel des Wechselrichter-Herstellers den achten Verlusttag in Folge, nachdem sie sich von März bis Mitte Mai im Wert mehr als verdoppelt hatten.
Noch deutlicher gaben im Kleinwerte-Index SDax DE0009653386 die Aktien von Verbio DE000A0JL9W6 nach, sie brachen um 11,6 Prozent ein. Die wieder fallenden Ölpreise infolge ermutigender Signale aus dem Nahen Osten belasteten den Biokraftstoffhersteller schwer. Verbio produziert unter anderem Bioethanol, das herkömmlichem Benzin beigemischt wird, um E10 zu erzeugen./niw/jha/
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---
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