dbb warnt vor 600.000 offenen Stellen im öffentlichen Dienst
13.01.2026 - 11:16:12Der Staat steht vor einem Personalkollaps. Das ist die Kernbotschaft des Deutschen Beamtenbundes (dbb) zum Abschluss seiner Jahreskonferenz in Köln. Die Lücke im öffentlichen Dienst ist auf alarmierende 600.000 unbesetzte Stellen angewachsen. Vor dem Hintergrund geplanter Sparmaßnahmen der neuen Bundesregierung warnt der Verband vor einem Funktionsverlust des Staates.
Monitor 2026 zeigt dramatische Entwicklung
Der heute vorgestellte „Monitor öffentlicher Dienst 2026“ offenbart das ganze Ausmaß der Krise. Die Personallücke ist innerhalb eines Jahres um weitere 30.000 Stellen gewachsen. Die demografische Entwicklung verschärft das Problem massiv: Bis Mitte der 2040er Jahre gehen fast die Hälfte der aktuell 5,4 Millionen Beschäftigten in den Ruhestand. Gleichzeitig fehlt der Nachwuchs – nur 6,8 Prozent der Belegschaft ist unter 25 Jahre alt.
„Die Unterbesorgung ist keine theoretische Zukunftsgefahr mehr, sie ist bittere Realität“, so dbb-Chef Volker Geyer auf der Konferenz. Neue Gesetze und Bürokratie ließen die Arbeitslast explodieren und trieben Behörden an ihre Belastungsgrenze. Von der Polizei über die Jobcenter bis zu den Kitas sei der Staat in seiner Handlungsfähigkeit bedroigt.
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Konfrontation mit der neuen Bundesregierung
Die Konferenz wurde zum Schauplatz des ersten großen Aufeinandertreffens mit der nach der Wahl 2025 amtierenden Koalition. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von „demografischen Sicherungsmaßnahmen“, die vor allem auf Effizienz und Modernisierung setzen müssten. Dies stieß auf scharfe Kritik.
Zentraler Streitpunkt ist der Plan der Regierung, acht Prozent der Stellen im Bundesbereich zu streichen. Geyer nannte diesen Ansatz „den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen“. Pauschale Kürzungen würden das Vertrauen in den Staat weiter untergraben. Auch Digitalisierungsminister Dr. Karsten Wildberger, der auf Künstliche Intelligenz und Digitalisierung als Lösung setzt, erntete Widerspruch. Technologie sei wichtig, könne aber nicht Hunderttausende fehlende Hände in Pflege, Bildung und Sicherheit ersetzen.
Folgen für Bürger spürbar
Die Krise ist im Alltag längst angekommen. Der Monitor dokumentiert überschrittene Belastungsgrenzen in allen Kernbereichen:
* Öffentliche Sicherheit: Bei der Polizei türmen sich Millionen Überstunden.
* Bildung: Schulen und Kitas haben die größten Personallücken, was die miserablen Bildungsstudien erklärt.
* Verwaltung: Bearbeitungszeiten für Bürger werden immer länger.
Hinzu kommt der verschärfte Wettbewerb mit der Wirtschaft. Im Aufschwung 2026 locken private Unternehmen mit attraktiveren Konditionen. Der dbb fordert eine radikale Reform der Besoldung und Karrierewege, um für „Generation Z“ interessant zu werden.
Modernisierung versus Personaloffensive
Der Konflikt spiegelt einen grundsätzlichen Zielkonflikt wider. Die Regierung interpretiert „Staatsmodernisierung“ primär als Sparprogramm. Die Gewerkschaften sehen darin eine Fortsetzung der jahrzehntelangen Austerität, die die öffentliche Infrastruktur hat bröckeln lassen.
Experten halten die Hoffnung auf Digitalisierung als Allheilmittel für überzogen. Angesichts der traditionell langsamen IT-Projekte in deutschen Behörden dürfte die Technologie die akute Personallücke nicht kurzfristig schließen. Die in 2026 besonders stark einsetzende „Pensionswelle“ verschärft den Druck zusätzlich.
Was kommt auf die Belegschaften zu?
Das Jahr verspricht harte Auseinandersetzungen. Der dbb will mit der Zahl der „600.000 Fehlenden“ in den anstehenden Tarifrunden Druck machen. Sollte die Regierung an den pauschalen Stellenkürzungen festhalten, drohen verstärkte Proteste und Arbeitskampfmaßnahmen im öffentlichen Dienst.
Alle Augen ruhen nun auf Innenminister Dobrindt, der in den kommenden Monaten konkrete Pläne für die „demografische Sicherung“ vorlegen muss. Und auf Digitalminister Wildberger: Scheitern seine Digitalisierungsinitiativen, könnte die Regierung noch 2026 gezwungen sein, ihre Personalobergrenzen zu überdenken. Die Zeit drängt.
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