DAX: Hormus lässt grüßen
21.04.2026 - 03:35:18 | boerse-global.deDer Wochenstart verlief für den deutschen Leitindex alles andere als freundlich. Was am Freitag noch wie eine handfeste Erholung aussah, löste sich über das Wochenende in Luft auf — der DAX rutschte am Montagmorgen um rund 1,5 Prozent auf etwa 24.341 Punkte ab.
Auslöser ist die erneute Eskalation rund um die Straße von Hormus. Der Iran hatte die strategisch bedeutsame Meerenge kurzzeitig für den Schiffsverkehr freigegeben, ruderte dann aber binnen eines Tages zurück. Als Begründung nannte Teheran die fortdauernde US-Blockade iranischer Häfen sowie das, was die iranische Führung als überzogene Forderungen der amerikanischen Seite beschreibt. Parallel griff das US-Militär einem Bericht zufolge einen iranischen Frachter an, der die Seeblockade durchbrechen wollte — ein weiteres Kapitel in einem immer unübersichtlicheren Konflikt.
Öl verteuert sich, Aktien leiden
Der Ölpreis reagierte prompt: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Montagvormittag rund 95 Dollar — ein Plus von über fünf Prozent gegenüber dem Vortag. Das befeuert die Inflationssorgen, und steigende Inflationserwartungen werden an den Börsen traditionell mit Zinserhöhungsphantasien verknüpft. Kein Wunder also, dass risikofreudigere Sektoren unter Druck gerieten.
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Besonders hart traf es den Reise- und Freizeitsektor sowie die Automobilbranche. TUI und Lufthansa verloren je rund 3,8 Prozent. Volkswagen büßte 2,7 Prozent ein — und bekam zusätzlichen Gegenwind durch die Nachricht, dass Niedersachsens Ministerpräsident den Bau chinesischer Fahrzeuge in deutschen VW-Werken ins Spiel brachte, um Überkapazitäten abzubauen.
Wenige Gewinner im roten Meer
Auf der Gewinnerseite standen Energiewerte. RWE und Eon legten zu, Verbio erholte sich nach einem Rücksetzer am Freitag um rund drei Prozent — der Biokraftstoffhersteller hatte seit Kriegsbeginn in der Region zeitweise über 70 Prozent zugelegt. Lanxess führte die DAX-nahen Gewinner an: Ein Analyst von Barclays hob seine Schätzungen an, weil asiatische Konkurrenten durch den Nahostkonflikt unter Importdruck geraten.
Technisch hält sich der DAX vorerst noch oberhalb seiner 200-Tage-Linie — für charttechnisch orientierte Marktteilnehmer ein wichtiges Signal, das kurzfristig stabilisierend wirkt.
Die Verhandlungslage bleibt ein Wechselbad. Trump signalisierte zwar Gesprächsbereitschaft und meldete US-Vertreter in Islamabad an, doch Teheran schloss weitere Gespräche aus, solange die Seeblockade anhält. Diese widersprüchlichen Signale dürften die Nervosität auf dem Parkett vorerst hochhalten — zumal mit dem auslaufenden Waffenstillstand am Mittwoch ein weiterer Unsicherheitsfaktor ins Bild rückt. Immerhin gibt die anlaufende Berichtssaison dem Markt in den kommenden Tagen ein paar handfeste Daten an die Hand: Beiersdorf, SAP und Sartorius stehen diese Woche auf der Agenda.
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