DAX, Geopolitik

DAX: Geopolitik bremst Erholung

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DAX fällt wegen Nahost-Konflikt und schwacher Technologiewerte. Entspannung bei der Inflation gibt leichte Hoffnung.

DAX-Rückgang: Geopolitische Spannungen und Chip-Schwäche belasten
Eine schwere Ankerkette liegt auf trockener Erde vor einer stürmischen Stadtkulisse, symbolisiert geopolitische Hemmnisse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Waffenstillstand, der keiner ist: Die Lage am Persischen Golf spitzt sich weiter zu, und die Börsen reagieren prompt. Der DAX rutschte am Freitagvormittag um rund 0,8 Prozent auf etwa 24.700 Punkte ab — die vierte Verlustsitzung in Folge in einer ohnehin schon nervösen Woche.

Auslöser ist eine gefährliche Mischung aus Nahost-Eskalation und Technologie-Schwäche. Der Iran hat nach einer erneuten Angriffswelle der USA gegen iranische Ziele mit Gegenschlägen in mehreren Golfstaaten reagiert. Die Kontrolle über die Straße von Hormus steht im Zentrum des Konflikts, und der Ölpreis reagiert entsprechend nervös: Brent-Rohöl kletterte auf 85,70 Dollar je Barrel, zeitweise deutlich darüber. Für die exportabhängige und energiesensible deutsche Wirtschaft ist das keine gute Nachricht.

Chip-Werte unter Druck, Rekordhoch außer Sichtweite

Verschärft wird die Lage durch einen Ausverkauf bei Halbleiterwerten, der von den USA und Asien nach Europa überschwappt. Infineon verlor knapp 5,5 Prozent und bildete damit erneut das Schlusslicht im Index. Auch Hochtief, Siemens und Siemens Energy gerieten mit Abschlägen zwischen 2,6 und 3,7 Prozent unter Druck — beide gelten wegen des Rechenzentrums-Booms als indirekte KI-Profiteure und leiden entsprechend mit.

Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten Anfang der vergangenen Woche hat der Index bereits 4,6 Prozent eingebüßt, auf Wochensicht steht ein Minus von 1,5 Prozent zu Buche. Nicht alle Werte folgten dem Abwärtstrend: Deutsche Telekom legte um 2,3 Prozent zu, Rheinmetall gewann gut 2 Prozent. SAP und Munich Re hielten sich mit leichten Gewinnen ebenfalls gegen den Trend.

Zwei Einzelwerte sorgten abseits der großen Linie für Bewegung. SMA Solar sprang nach einem starken Quartal und einer erneut angehobenen Jahresprognose um fast 14 Prozent — Jefferies erhöhte das Kursziel von 80 auf 87 Euro. Dermapharm dagegen verlor 2,4 Prozent, nachdem die BaFin eine Prüfung des Jahresabschlusses 2025 eingeleitet hat. Im Fokus steht dabei eine Forderung über 63,2 Millionen Euro sowie mögliche Defizite bei der Offenlegung von Geschäften mit einem nahestehenden Unternehmen.

Inflation entspannt sich, Öl bleibt der Unsicherheitsfaktor

Etwas Entlastung kam von der Preisfront: Die Inflation im Euroraum sank im Juni auf 2,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im Mai. Die Kernrate ging auf 2,4 Prozent zurück. Die Daten nähren Hoffnungen, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 23. Juli auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet — vorausgesetzt, der Ölpreisschub durch die Nahost-Krise bleibt vorübergehend. Genau das ist derzeit die entscheidende Unbekannte für die Notenbank und für den weiteren Kursverlauf des DAX.

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