DAX: Geopolitik belastet
19.01.2026 - 20:54:30Der DAX startet mit deutlichen Verlusten in die neue Woche. Auslöser ist eine überraschende Zuspitzung des Zollstreits mit den USA, die den Leitindex zeitweise klar unter die Marke von 25.000 Punkten gedrückt hat. Besonders exportabhängige Autohersteller geraten stark unter Druck, während Gold und Rüstungswerte als „sichere Häfen“ gefragt sind. Wie stark prägt die politische Unsicherheit das kurzfristige Bild des Index?
Die Fakten im Überblick
- DAX Intraday zeitweise bis ca. 24.911 Punkte, aktuell gegen Nachmittag um 25.043 Punkte (-1,0 %)
- Bruch der psychologisch wichtigen 25.000-Punkte-Marke im Vormittagshandel
- Auslöser: US-Drohung mit Strafzöllen gegen acht europäische Länder (10 % ab Februar, 25 % ab Juni)
- Deutliche Sektorrotation: Auto- und Konsumwerte schwach, Bayer und Rüstungstitel im Plus
- Volatilität (VDAX-NEW) über 18 Punkten, deutlich anziehend
- Gold erreicht mit rund 4.690 USD ein neues Rekordhoch, Silber über 94 USD
Geopolitischer Schock trifft den Markt
Der Handel begann mit einem klaren „Gap Down“: Zur Eröffnung verlor der DAX rund 1,3 % und fiel auf etwa 24.940 Punkte. Im weiteren Vormittagshandel ging es bis auf ein Tagestief um 24.911 Zähler nach unten. Hintergrund sind neue Strafzoll-Drohungen aus Washington im Zusammenhang mit dem Konflikt um den Kauf von Grönland.
Die Ankündigung möglicher US-Zölle von zunächst 10 % und später 25 % auf europäische Importe belastet vor allem die exportorientierte Industrie. Die Marktbreite ist deutlich negativ, die Zahl der Verlierer überwiegt im Verhältnis von etwa 4:1. Der Handel bleibt insgesamt jedoch verhalten, da die US-Börsen wegen des Martin-Luther-King-Feiertags geschlossen sind und Impulse von der Wall Street fehlen. Das begünstigt erratische Bewegungen im späten europäischen Geschäft.
Sektoren im Fokus: Autos schwach, Bayer und Rüstung stark
Die Sektorbewegungen sind klar von der Zollthematik und der allgemeinen Risikoaversion geprägt.
Belastete Werte (Automobil & Konsum):
- BMW gehört zu den größten Verlierern im Leitindex und verliert zeitweise rund 7 %. Neben der Zollangst drückt eine Herabstufung durch Berenberg auf „Hold“.
- Mercedes-Benz gibt etwa 2,7 % nach, Volkswagen und Porsche liegen mit Verlusten um 3 % ebenfalls deutlich im Minus.
- Auch Adidas gerät unter Druck und verliert etwa 4 %, ausgelöst durch eine negative Analysteneinschätzung.
Profiteure (Bayer und Rüstung):
- Bayer setzt sich klar vom Gesamtmarkt ab und legt um 6,5–7,0 % zu. Der US Supreme Court hat den Glyphosat-Fall „Durnell“ zur Verhandlung angenommen, was als wichtiger Zwischenerfolg in den Rechtsstreitigkeiten gewertet wird.
- Rüstungswerte profitieren von der verschärften geopolitischen Lage: Rheinmetall gewinnt rund 2,4 %, im MDAX ziehen Renk mit etwa +5 % sowie Hensoldt mit rund +3–4 % deutlich an.
Parallel dazu verstärkt sich die Flucht in klassische „Sicherheitsbausteine“: Gold markiert bei über 4.690 USD je Unze ein neues Rekordhoch, Silber springt über 94 USD. Das signalisiert eine ausgeprägte Risk-Off-Stimmung.
Charttechnik: Wichtige Marken im Blick
Technisch ist das Bild kurzfristig angeschlagen. Der Bruch der erst vor Kurzem etablierten Unterstützung bei 25.000 Punkten hat Verkaufssignale ausgelöst.
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Unterstützungen:
Das Tagestief bei etwa 24.911 Punkten stellt die erste relevante Haltemarke dar. Fällt diese, rückt die Zone um 24.600 Punkte in den Vordergrund, die auch in Prognosen für das erste Quartal als mögliches Zielniveau genannt wird. -
Widerstände:
Der Schlusskurs des Vortags bei rund 25.297 Punkten fungiert nun als zentrale Widerstandszone. Zuvor muss der Index jedoch per Tagesschluss wieder stabil über etwa 25.050 Punkten notieren, um den heutigen Rutsch als möglichen Fehlausbruch („Bärenfalle“) zu entkräften. -
Indikatoren:
Der RSI im Stundenchart ist infolge des schnellen Abverkaufs im überverkauften Bereich. Das erklärt die Zwischenerholung im Verlauf des Nachmittags.
Ausblick: EU-Sondergipfel als nächster Taktgeber
Kurzfristig bestimmt die US-Handelspolitik das Bild an den europäischen Märkten. Die Kombination aus drohenden Zöllen, anziehender Volatilität und Rekordständen bei Gold unterstreicht die hohe Unsicherheit. Am Abend beraten die EU-Staats- und Regierungschefs in einem Sondergipfel über mögliche Gegenmaßnahmen, darunter Gegenzölle im Volumen von bis zu 93 Mrd. Euro.
Das Ergebnis dieses Treffens dürfte die Eröffnung am morgigen Handelstag maßgeblich prägen. Zusätzlich plant Kanzlerkandidat Friedrich Merz, am 21. Januar in Davos das Gespräch mit der US-Seite zu suchen. Solange die Zollfrage ungelöst bleibt, ist mit einem erhöhten VDAX-NEW und einem nervösen Handelsumfeld zu rechnen.
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