Datenschutz, E-Commerce

Datenschutz: E-Commerce startet mit strengeren KI-Regeln ins Jahr 2026

03.01.2026 - 04:21:12

Der globale Onlinehandel beginnt das neue Jahr mit einem umfassenden Compliance-Update. Führende Handelsplattformen passen ihre Datenschutzrichtlinien an eine neue Welle strenger Vorschriften an, die am 1. Januar in Kraft traten. Von Amazon bis zu europäischen Marktführern setzt die Branche auf mehr Transparenz bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI).

Auslöser für die zahlreichen Aktualisierungen sind verschärfte Gesetze in den USA, die de facto einen globalen Standard setzen. Seit dem 1. Januar 2026 vollzieht die kalifornische Datenschutzbehörde (CPPA) strengere Regeln unter dem California Consumer Privacy Act (CCPA). Sie verlangen umfassende Risikobewertungen für datenintensive Prozesse – vom Verkauf persönlicher Daten bis zum Umgang mit sensiblen Informationen.

Gleichzeitig traten in Indiana, Kentucky und Rhode Island umfassende Verbraucherdatenschutzgesetze in Kraft. Für international agierende Handelsriesen ist es kaum praktikabel, für jede Rechtslage eigene Compliance-Strukturen zu pflegen. Die Folge: Viele Konzerne übernehmen den strengsten Standard – meist Kaliforniens – als globale Basis. Diese Transparenzanforderungen gelten damit indirekt auch für Nutzer in Europa und weltweit.

KI-Transparenz wird zur Pflicht

Ein zentrales Thema der neuen Regeln ist die Regulierung von Automatisierten Entscheidungssystemen (ADMT). Unternehmen müssen jetzt deutlich offenlegen, wie sie KI für Kundenprofile, Preisgestaltung oder Produktempfehlungen einsetzen.

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Die seit dieser Woche gültigen Rahmenbedingungen verlangen einen „Pre-use Notice“. Bevor ein ADMT für bedeutende Entscheidungen zum Einsatz kommt, muss der Händler die zugrundeliegende Logik klar offenlegen. Das betrifft KI-Chatbots, Algorithmen zur Bonitätsprüfung oder personalisierte Rabatte.

Für den E-Commerce hat das konkrete Auswirkungen:
* Dynamische Preise: Algorithmen, die Preise basierend auf Nutzerverhalten anpassen, unterliegen strengeren Offenlegungspflichten.
* Chatbots: Automatisierte Kundenservice-Agenten müssen klar gekennzeichnet sein. Nutzer müssen die Möglichkeit haben, auf einen menschlichen Ansprechpartner umzuleiten.
* Verhaltensprofilierung: Der Einsatz von KI zur Vorhersage von Kaufgewohnheiten fällt nun unter „hochriskante“ Verarbeitung und erfordert dokumentierte Risikobewertungen.

Globale Auswirkungen auf Amazon und Europa

Die Reaktion der Branche ließ nicht lange auf sich warten. Bereits am 31. Dezember 2025 kündigte Amazon neue Datenschutzinitiativen an, darunter verbesserte Verschlüsselungsprotokolle und vereinfachte Privatsphäre-Einstellungen. Das Signal ist klar: Es geht nicht mehr um reine Compliance, sondern um „operationale Reife“.

Auch europäische Händler navigieren durch diese Veränderungen. Zwar gilt die DSGVO seit Jahren als Goldstandard, doch die neuen US-Vorgaben zu ADMT adressieren Lücken, die auch europäische Aufsichtsbehörden im Blick haben. Ende 2025 schlug die deutsche Datenschutzkonferenz (DSK) Reformen vor, um nationale Gesetze mit dem EU KI-Gesetz in Einklang zu bringen.

Plattformen wie Zalando haben ihre Datenschutzhinweise für 2026 bereits an die höheren Standards angepasst. Die größte Herausforderung für europäische Unternehmen sind nun grenzüberschreitende Datenflüsse. Wer auf dem US-Markt aktiv ist, muss sicherstellen, dass die Datenverarbeitung – insbesondere das „Verkaufen“ und „Teilen“ von Daten für Werbung – den neuen Definitionen entspricht.

Das ändert sich für Verbraucher

Für den durchschnittlichen Nutzer werden diese technischen Updates in den kommenden Wochen sichtbare Folgen haben.

Verpflichtende Opt-Out-Bestätigungen:
Eine der spürbarsten Neuerungen ist die Pflicht zur „Opt-Out-Bestätigung“. Wenn ein Nutzer sein Recht wahrnimmt, dem Verkauf oder Teilen seiner Daten zu widersprechen, muss der Händler jetzt klar bestätigen, dass der Widerspruch bearbeitet wurde. Die oft undurchsichtige Stille nach solchen Anfragen gehört damit der Vergangenheit an.

Anerkennung globaler Opt-Out-Signale:
Die Updates 2026 verankern auch den rechtlichen Status universeller Widerspruchsmöglichkeiten wie der Global Privacy Control (GPC). Händler müssen diese browserbasierten Signale zunehmend automatisch respektieren. Sendet ein Browser ein GPC-Signal, muss die E-Commerce-Seite dies als gültigen Widerspruch gegen gezielte Werbung behandeln – ohne umständliche Cookie-Banner.

Erweitertes „Recht auf Auskunft“:
Verbraucher erhalten zudem ein erweitertes „Recht auf Auskunft“. Waren Auskunftsersuchen oft auf die letzten 12 Monate beschränkt, können Unternehmen nun verpflichtet sein, auch ältere Daten offenzulegen – teilweise zurück bis zum 1. Januar 2022, sofern sie noch gespeichert sind. Das zwingt Händler zu deutlich robusteren Datenarchivierungs- und Abrufsystemen.

Ausblick: Das Jahr der operationalen Reife

Rechtsexperten sehen 2026 als das Jahr der „operationalen Reife“. Die Ära statischer Datenschutzerklärungen ist vorbei. Durch die verpflichtenden Risikobewertungen müssen Handelsriesen ihre Datenverarbeitungsprozesse fortlaufend überprüfen.

Im ersten Quartal 2026 wird der Fokus auf der praktischen Umsetzung der KI-Transparenzregeln liegen. Mit der fortschreitenden Einführung des EU KI-Gesetzes verschwimmt die Grenze zwischen „Compliance“ und „Nutzererfahrung“. Die Händler, die diese Transparenzanforderungen nahtlos in die Customer Journey integrieren können – und Datenschutzkontrollen wie ein Feature statt eine lästige Hürde wirken lassen – dürften einen Wettbewerbsvorteil in puncto Vertrauen und Kundenbindung erlangen.

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