Dataport: Warnstreiks nach gescheiterten Tarifverhandlungen
17.03.2026 - 00:00:23 | boerse-global.deDer norddeutsche IT-Dienstleister Dataport steuert auf einen offenen Tarifkonflikt zu. Nach einer zweiten gescheiterten Verhandlungsrunde drohen massive Störungen der digitalen Verwaltung in vier Bundesländern.
Gescheiterte Verhandlungen spitzen Lage zu
Die Tarifverhandlungen für die rund 5.000 Beschäftigten des öffentlichen IT-Dienstleisters Dataport sind vorerst gescheitert. Die Gewerkschaften ver.di und der dbb beamtenbund und tarifunion haben das Angebot der Arbeitgeberseite nach der zweiten Runde Anfang März 2026 als „völlig unzureichend“ zurückgewiesen. Die Verhandlungen wurden vertagt. Die entscheidende dritte Runde ist für den 18. März angesetzt. Sollte auch diese scheitern, drohen flächendeckende Streiks, die den Betrieb von Behörden, Schulen und Polizei in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern lahmlegen könnten.
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Fünf Nullmonate: Das umstrittene Angebot
Im Zentrum des Streits steht ein Tarifangebot, das die Gewerkschaften als Provokation empfinden. Der Arbeitgeber orientierte sich zunächst am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Das konkrete Angebot sah vor: fünf Monate ohne jegliche Erhöhung, gefolgt von einer gestaffelten Erhöhung von 2,8 Prozent ab März 2026, 2,0 Prozent ab März 2027 und 1,0 Prozent ab Dezember 2027. Nach sofortiger Ablehnung legte Dataport ein leicht modifiziertes Angebot vor, das die firmenspezifische Zulage um 10 Prozent erhöhte. Auch dieses wurde umgehend verworfen. Für Auszubildende und junge Beschäftigte waren vier Nullmonate und lediglich eine Erhöhung um 60 Euro vorgesehen.
7 Prozent mehr: Die Forderungen der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften fordern dagegen eine spürbare und sofortige Entlastung der Belegschaft. Ver.di verlangt pauschal 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 400 Euro monatlich, um die unteren Einkommensgruppen vor der Inflation zu schützen. Zusätzlich sollen zwei weitere Urlaubstage, höhere Zuschläge für Schichtarbeit und eine Erhöhung der jährlichen Sonderzahlung um 5 Prozent durchgesetzt werden. Für den Nachwuchs wird eine monatliche Erhöhung um 200 Euro, die vollständige Übernahme des Semestertickets für dual Studierende und drei zusätzliche freie Tage zur Prüfungsvorbereitung gefordert. Der Frust der Belegschaft ist groß. Die Arbeitsbelastung steigt mit der fortschreitenden Digitalisierung der Verwaltung stetig, während die Bezahlung hinter der privaten IT-Wirtschaft zurückbleibt.
Warnstreiks zeigen Verwundbarkeit der IT-Infrastruktur
Die Beschäftigten haben bereits ihre Macht demonstriert. Am 5. März beteiligten sich über 300 Mitarbeiter an einem ganztägigen Warnstreik mit einer Großkundgebung in Hamburg. Dataport ist der digitale Rückgrat für Norddeutschland. Das Unternehmen betreibt die IT-Infrastruktur für unzählige Behörden. Ein längerer Ausfall könnte fatale Folgen haben. Gewerkschaftsvertreter weisen darauf hin, dass zentrale Druckereien für behördliche Bescheide und Gebührenanzeigen besonders streikanfällig sind. Ein Stillstand würde zu massiven Verzögerungen bei Steuereinnahmen und Verwaltungsverfahren führen.
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Öffentlicher Dienst kann mit IT-Gehaltsniveau nicht mithalten
Der Konflikt bei Dataport offenbart ein grundsätzliches Problem: Öffentliche IT-Dienstleister können im Wettbewerb um Tech-Talente kaum mithalten. Während die Arbeitgeberseite an den Tarifstrukturen des öffentlichen Dienstes festhalten will, argumentieren die Gewerkschaften, dass dies die Realität des IT-Arbeitsmarktes ignoriere. Die Nachfrage nach Fachkräften ist enorm, private Unternehmen zahlen deutlich besser. Experten warnen: Will der öffentliche Sektor im digitalen Zeitalter handlungsfähig bleiben, muss er attraktive Gehälter, flexible Arbeitsbedingungen und starke Anreize zur Bindung von Talenten bieten. Die Forderung nach mehreren Nullmonaten geht an dieser Marktrealität völlig vorbei.
Alles hängt an der dritten Verhandlungsrunde
Die Weichen für Eskalation oder Einigung werden am 18. März gestellt. Die Gewerkschaften bereiten ihre Mitglieder bereits auf flächendeckende Streikmaßnahmen vor, sollte das neue Angebot nicht eine deutliche, sofortige Reallohnerhöhung bringen. Sollte es zu weiteren Arbeitsniederlegungen kommen, wären spürbare Beeinträchtigungen in der norddeutschen Verwaltung die Folge. Der Ausgang dieses Tarifstreits wird ein Signal sein, ob der öffentliche Sektor bereit ist, für digitale Souveränität und funktionierende Infrastruktur auch den entsprechenden Preis zu zahlen.
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