Cyble-Report: Ransomware-Angriffe werden 2026 noch erpresserischer
01.01.2026 - 16:12:12Die Ransomware-Bedrohungslage hat sich zu Jahresbeginn 2026 grundlegend gewandelt. Cyberkriminelle setzen zunehmend auf komplexe, mehrstufige Erpressungsmodelle, die weit über reine Datenverschlüsselung hinausgehen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Cyber-Intelligence-Unternehmens Cyble hervor, der am 1. Januar veröffentlicht wurde.
Die Zeit der simplen „Doppelerpressung“ – Verschlüsselung plus Androhung von Datenleaks – ist vorbei. Cybles Analyse zeigt einen Trend zu Multi-Stage Extortion. Dabei schichten Angreifer zusätzliche Drucktaktiken übereinander, um ihre Verhandlungsmacht zu maximieren.
Neben Verschlüsselung und Datendiebstahl setzen die Täter nun auch auf:
* DDoS-Angriffe, um die Online-Präsenz lahmzulegen.
* Direkte Belästigung von Führungskräften per Telefon oder E-Mail.
* Erpresserische Kontaktaufnahme mit Partnern und Lieferanten.
* Die Instrumentalisierung von Aufsichtsbehörden.
Diese letzte Taktik ist besonders perfide: Die Angreifer drohen damit, den Datenvorfall bei Datenschutzbehörden wie der deutschen Bundesdatenschutzbeauftragten oder der BaFin zu melden. Opfer sollen so in eine schnelle Zahlung gedrängt werden, um hohe Strafen und Reputationsverlust zu vermeiden. Für Unternehmen, die sich auf Backups verlassen, wird der Wiederherstellungsprozess so zur Nebenschau – der eigentliche Druck entsteht durch die drohenden regulatorischen und geschäftlichen Konsequenzen.
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Fragmentierter Markt: Neue Gruppen, neue Gefahren
Das Ökosystem der Ransomware-Akteure hat sich 2025 stark zersplittert. Cyble identifizierte im vergangenen Jahr 57 neue Ransomware-Gruppen und 27 neue Erpresserkollektive. Anstelle großer, monolithischer Kartelle operieren heute viele kleinere Gruppen parallel, teilen sich Codebasen und Infrastruktur. Das erschwert die Zuordnung von Angriffen und die Verteidigung.
Gruppen wie Medusa, Qilin oder Interlock setzen bereits auf „Dreifacherpressung“ und zielen gezielt auf Backups und Cloud-Assets ab. Die als Scattered Spider bekannte Gruppe hat ihr Zielspektrum von IT-Dienstleistern auf den Einzelhandel, die Technologie- und Finanzbranche ausgeweitet. Diese Entwicklung unterstreicht einen Trend: Die Kombination aus Verschlüsselung und öffentlicher Bloßstellung bleibt der effektivste Mechanismus, um Zahlungen zu erzwingen.
Identitäten werden zum Hauptangriffsziel
Da sich die automatische Abwehr gegen Malware verbessert, weichen Angreifer auf identitätsbasierte Angriffe aus. Kompromittierte Zugangsdaten – insbesondere für VPNs, Remote-Administrationstools und Cloud-Konten – sind laut aktueller Intelligence der häufigste Einstiegspunkt für Ransomware-Angriffe.
Soziales Engineering erlebte 2025 ein Comeback als primärer Eindringungsweg. Die Täter nutzen „Living-off-the-Land“-Techniken: Sie bewegen sich mit legitimen Systemwerkzeugen durch die Netzwerke, ohne Malware-Alarme auszulösen. Dieser verhaltensbasierte Ansatz ermöglicht es ihnen, länger unentdeckt zu bleiben und umfangreiche Erkundungen durchzuführen, bevor die Erpressungsphase beginnt.
Mit der Verbreitung von Cloud-Diensten wird die Ausnutzung gültiger Anmeldedaten für Angreifer einfacher, als komplexe Exploits für Software-Schwachstellen zu entwickeln. Cyble prognostiziert, dass Identitäten auch 2026 die primäre Angriffsfläche bleiben werden.
Industrielle Erpressung als Geschäftsmodell
Der Shift hin zur mehrstufigen Erpressung zeigt die Reifung der Cyberkriminalität. Da Unternehmen ihre Backup- und Wiederherstellungsfähigkeiten verbessert haben, mussten die Kriminellen neue Wege finden, um ihre Einnahmen abzusichern. Das Ergebnis ist eine industrialisierte Erpressungsbranche.
Diese „Professionalisierung“ führt zu höheren Lösegeldforderungen und ausgefeilteren Verhandlungstaktiken. Die Einbeziehung regulatorischer Drohungen und Lieferketten-Druck zeigt, dass die Täter die geschäftlichen und rechtlichen Schwachstellen ihrer Opfer genau kennen. Für betroffene Unternehmen verschwimmt die Grenze zwischen einem IT-Sicherheitsvorfall und einer existenziellen Geschäftskrise. Die Reaktion muss daher sofort Rechtsabteilung, PR und Geschäftsführung einbeziehen.
Ausblick 2026: Tempo und Taktik bleiben hoch
Für das erste Quartal 2026 wird ein anhaltend hohes Angriffsniveau erwartet, ähnlich dem Rekordniveau vom Frühjahr 2025. Organisationen müssen mit einer Welle von „Copycat“-Gruppen rechnen, die die mehrstufigen Erpressungstechniken der erfahrenen Akteure nachahmen.
Für die Verteidigung bedeutet das eine klare Priorität: Identitätssicherheit und Verhaltensüberwachung müssen in den Fokus rücken. Da Angreifer weg von spezieller Malware und hin zum Missbrauch legitimer Tools und Zugangsdaten tendieren, verliert die signaturbasierte Erkennung an Wirkung. Das Ziel für 2026 muss Resilienz sein: Selbst wenn eine Identität kompromittiert wird, muss der potenzielle Schadensradius begrenzt werden können.
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