Cybercrime, Attacken

Cybercrime 2026: Attacken auf Rekordniveau, Gesetze werden schärfer

08.01.2026 - 07:53:12

Die Zahl der Ransomware-Opfer stieg 2025 um 44,5 Prozent, während neue Gesetze wie in Australien Zahlungen meldepflichtig machen. Die Angriffe richten sich zunehmend gegen KMU und haben geopolitische Hintergründe.

Die Cyber-Bedrohungslage startet 2026 mit einem alarmierenden Widerspruch: Während weltweit schärfere Meldepflichten für Unternehmen kommen, erreichen Erpressungsangriffe historische Höchststände. Neue Daten und Gesetze zeigen einen klaren Trend weg von stillen Zahlungen hin zu staatlich erzwungener Transparenz.

Security Navigator 2026: Explosiver Anstieg bei Erpressungsopfern

Die eindringlichsten Zahlen liefert der Security Navigator 2026 von Orange Cyberdefense. Der im Dezember 2025 veröffentlichte Report zeigt einen besorgniserregenden Trend: Die Zahl der Opfer von Cyber-Erpressung stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 44,5 Prozent. Damit sind frühere Hoffnungen, die Ransomware-Krise könne sich auf einem Plateau bewegen, widerlegt.

Die „Erpressungsökonomie“ hat sich weiterentwickelt. Im Visier sind zunehmend kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 250 Mitarbeitern. Diese verfügen oft nicht über die ausgefeilten Abwehrsysteme großer Konzerne. Besonders betroffen sind Schlüsselsektoren: Die Angriffe auf das Gesundheitswesen stiegen um 69 Prozent, auf Finanz- und Versicherungsdienstleister um 71 Prozent. Im Einzelhandel und der Logistik gab es sogar einen Anstieg von 80 Prozent.

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Australien führt strenge Meldepflicht ein – Vorbild für Europa?

Seit dem 1. Januar 2026 verschärft sich die regulatorische Lage global. In Australien ist die obligatorische Meldepflicht für Ransomware-Zahlungen in Kraft getreten. Die „Bildungsphase“ des Cyber Security Act 2024 ist beendet. Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als drei Millionen Australischen Dollar (etwa 1,8 Millionen Euro) müssen nun jede Erpressungszahlung innerhalb von 72 Stunden bei den Behörden melden.

Dieser Schritt gilt als wichtiger Testfall für andere Nationen, auch in der Europäischen Union, wo ähnliche Maßnahmen diskutiert werden. Bei Nichtbefolgung drohen Bußgelder von umgerechnet rund 19.800 Euro. Juristen sehen darin einen Paradigmenwechsel: Ransomware wird nicht länger als private Krise des Opfers betrachtet, sondern als Angelegenheit der nationalen Sicherheit und kollektiven Abwehr.

Deutschland: Milliardenschäden und geopolitische Bedrohung

Während Australien seinen Rechtsrahmen verschärft, kämpft Deutschland weiter mit den wirtschaftlichen Folgen. Die Studie Wirtschaftsschutz 2025 von Bitkom beziffert den jährlichen Schaden für die deutsche Wirtschaft durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage auf gigantische 289,2 Milliarden Euro.

Die im Herbst 2025 gemeinsam mit dem Verfassungsschutz (BfV) vorgestellte Analyse offenbart eine klare geopolitische Dimension: Rund 46 Prozent der betroffenen Unternehmen führen Angriffe auf Russland zurück, ein gleich großer Anteil identifiziert China als Ursprung. Cyber-Erpressung ist demnach 2026 nicht nur kriminelle Bereicherung, sondern oft mit staatlich geförderter Wirtschaftsspionage verflochten.

Trotz der immensen Kosten zeigt die Bitkom-Studie auch deutsche Resilienz: Der IT-Sicherheitsmarkt soll 2026 um fast 10 Prozent wachsen und ein Volumen von über 12 Milliarden Euro erreichen.

Ausblick 2026: KI als Waffe und Hoffnung der Strafverfolgung

Im weiteren Verlauf des Jahres wird sich der Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern durch Künstliche Intelligenz (KI) verschärfen. Das Allianz Risk Barometer 2026, das Cyber-Vorfälle als größtes globales Geschäftsrisiko ausweist, beschreibt KI als „zweischneidiges Schwert“. Sie macht Phishing und Malware raffinierter, ermöglicht Verteidigern aber auch eine schnellere Erkennung von Anomalien.

Gleichzeitig gibt es vorsichtigen Optimismus bei der Strafverfolgung. Eine Analyse von über 400 Polizeioperationen zwischen 2021 und 2025 zeigt: 29 Prozent führten zu Festnahmen, 17 Prozent zur Zerschlagung krimineller Infrastruktur. Die Beschlagnahmung von 47 russischsprachigen Krypto-Börsen durch das Bundeskriminalamt (BKA) Ende 2024 beweist, dass internationale Zusammenarbeit die für Erpresserbanden lebenswichtigen „Cash-out“-Mechanismen effektiv stören kann.

Für Unternehmen verschiebt sich der Fokus 2026 von reiner Prävention hin zu Resilienz und Meldung. Die Option, still zu zahlen und zur Tagesordnung überzugehen, verschwindet. Angesichts transparenzfordernder Regierungen und immer aggressiverer Angreifer wird die Anzeige zur neuen Pflicht.

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