Cyberangriffe, Taktiken

Cyberangriffe werden unsichtbar: Neue Taktiken fordern IT-Sicherheit heraus

12.02.2026 - 02:21:12

Cyberkriminelle setzen zunehmend auf schwer erkennbare Living-off-the-Land-Taktiken für langfristige Infiltrationen, was einen Paradigmenwechsel in der IT-Sicherheit erfordert.

Eine neue Welle raffinierter Cyberangriffe umgeht traditionelle Sicherheitsmaßnahmen. Angreifer setzen zunehmend auf schwer erkennbare Methoden, um sich langfristig in Netzwerken einzunisten. Aktuelle Analysen zeigen einen deutlichen Trend zu sogenannten „Living-off-the-Land“-Taktiken. Dabei nutzen Hacker die legitimen Systemwerkzeuge des Opfers für ihre Attacken und tarnen sich im normalen Netzwerkverkehr.

Diese Entwicklung markiert einen strategischen Wechsel. Statt lauter Ransomware-Angriffe setzen Angreifer nun auf langfristige Infiltration, Spionage und die Vorbereitung größerer Operationen. Experten warnen vor Techniken wie „Bring Your Own Vulnerable Driver“ (BYOVD), mit denen Endpoint-Sicherheit deaktiviert und höchste Systemrechte erlangt werden – komplett unbemerkt. Diese Taktik erfordert ein grundlegendes Umdenken: von der Perimeter-Absicherung hin zu kontinuierlicher Überwachung und Verhaltensanalyse innerhalb des Netzwerks.

Die Tarnkappen-Strategie: Angriffe mit den eigenen Systemwerkzeugen

Das Herzstück der neuen Bedrohung ist die „Living-off-the-Land“-Methodik. Statt eigener Malware, die Antivirensoftware erkennt, missbrauchen Angreifer legitime Systemprogramme. Werkzeuge wie PowerShell, WMI oder RDP werden zweckentfremdet, um Befehle auszuführen, sich im Netzwerk auszubreiten und dauerhaft präsent zu bleiben.

Da es sich um vertraute Administrations-Tools handelt, ist ihr Missbrauch extrem schwer zu identifizieren. Angreifer können so monate- oder sogar jahrelang unentdeckt operieren. Signaturbasierte Erkennungsmethoden sind weitgehend wirkungslos. Das Ziel ist nicht mehr nur schnelle Gelderspressung, sondern langfristiger Zugang zu sensiblen Systemen und kritischer Infrastruktur.

Staatliche Hacker im Dauer-Einsatz

Nachrichtendienste berichten seit Anfang Februar von der wachsenden Professionalität staatlicher Hacker bei solchen Langzeitkampagnen. Der Cybersecurity-Anbieter Forescout verweist darauf, dass China mit rund 210 identifizierten Gruppen die meisten staatlich unterstützten Hacking-Einheiten stellt. Ihr Fokus verschiebt sich von simpler Datendiebstahl hin zur strategischen Infiltration von Energienetzen, Finanzsystemen und Telekommunikation.

Diese Taktik des „Pre-Positioning“ bedeutet: Zugang zu kritischen Systemen erlangen, ruhen und auf den günstigen Moment für eine disruptive Attacke warten. Ein drastisches Beispiel war der fast dreijährige, unentdeckte Kompromittierung des südkoreanischen Regierungsportals „Onnara“. Angreifer stahlen Zugangsdaten, gaben sich als Beamte aus und bewegten sich frei im Verwaltungsnetzwerk.

Im Visier: Kritische Sektoren und KI als Beschleuniger

Die Angriffstechniken werden stetig verfeinert. Die Nutzung von BYOVD, bei der legitime, aber anfällige Softwaretreiber zur Deaktivierung von Sicherheitsprodukten genutzt werden, bereitet große Sorgen. Zudem wirkt Künstliche Intelligenz als Multiplikator: Angreifer nutzen Large Language Models (LLMs), um ausgeklügeltere, sprachübergreifende Attacken zu starten.

Besonders im Visier stehen Sektoren mit hohen Datenwerten und kritischen Dienstleistungen: Regierung, Finanzwesen, Telekommunikation und Gesundheitswesen. Der Gesundheitssektor ist aufgrund rascher Digitalisierung und vernetzter Systeme besonders verwundbar und ein häufiges Ziel für Ransomware, die klinische Abläufe lahmlegen kann. Die Vernetzung bedeutet: Ein erfolgreicher Angriff auf einen Sektor kann kaskadierende Folgen für Wirtschaft und nationale Sicherheit haben.

Paradigmenwechsel in der Verteidigung nötig

Der strategische Shift der Cyberkriminellen ist eine direkte Antwort auf verbesserte Abwehrmaßnahmen. Da bekannte Malware besser erkannt wird, nutzen Angreifer Methoden, die weniger Alarme auslösen. Die Szene hat sich zu einem Ökosystem entwickelt, in dem Tools, Informationen und Zugänge geteilt werden – die Einstiegshürde für hochsophistische Operationen sinkt.

Diese Entwicklung macht einen Paradigmenwechsel in der Verteidigung dringend notwendig. Organisationen können sich nicht länger allein auf die Verhinderung von Eindringlingen an der Netzwerkgrenze verlassen. Der Fokus muss auf proaktiver Threat Hunting und verhaltensbasierter Erkennung innerhalb des Netzwerks liegen. Die Prämisse lautet: Ein Eindringen ist unvermeidbar oder bereits geschehen. Entsprechend muss kontinuierlich auf anomale Aktivitäten geachtet werden.

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Ausblick 2026: Widerstandsfähigkeit wird entscheidend

Der Trend zu heimlichen, anhaltenden Angriffen wird sich 2026 voraussichtlich beschleunigen. Angreifer konzentrieren sich eher auf Präzision und hochwertige Ziele als auf reine Angriffsvolumina. Die Raffinesse dieser Operationen, möglicherweise durch KI verstärkt, wird weiter zunehmen.

Gegenmaßnahmen erfordern eine dynamischere Sicherheitsstrategie. Dazu gehören Zero-Trust-Architekturen, die allen Netzwerkverkehr als nicht vertrauenswürdig einstufen, sowie KI-gestützte Sicherheitsplattformen zur Verhaltensanalyse. Der Schwerpunkt muss auf Resilienz und schneller Reaktion liegen. Ohne eine strategische Hinwendung zur Erkennung und Vertreibung dieser versteckten Gegner riskieren Organisationen, unwissentlich Langzeit-Infiltrationen mit potenziell verheerenden Folgen zu beherbergen.

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