Cyberangriffe erreichen neue Geschwindigkeit: Datenklau in 72 Minuten möglich
17.02.2026 - 20:22:12 | boerse-global.deEine globale Analyse zeigt eine dramatische Beschleunigung von Cyberangriffen. Angreifer benötigen heute nur noch 72 Minuten vom Einbruch bis zum Datendiebstahl – viermal schneller als vor einem Jahr. Der heute veröffentlichte Global Incident Response Report 2026 kommt zu einer Zeit, in der weltweit Unternehmen mit einer Welle raffinierter Ransomware-Angriffe kämpfen, darunter auch jüngste Vorfälle bei einem US-Zahlungsdienstleister und einem großen europäischen Telekom-Anbieter.
KI und Identitäten als neue Schwachstellen
Der Bericht, der über 750 größere Vorfälle analysierte, belegt einen grundlegenden Wandel. Angreifer nutzen zunehmend künstliche Intelligenz (KI), schwache Identitätsnachweise und greifen gleichzeitig mehrere Fronten an: Cloud, Netzwerke und SaaS-Anwendungen. Das verkürzt das Zeitfenster für die Verteidigung drastisch. Wochenliche Lageberichte bestätigen diese gefährliche Konvergenz aus Zero-Day-Schwachstellen, KI-gesteuertem Social Engineering und hartnäckigen Erpressungssoftware-Kampagnen.
Besonders alarmierend: In fast 90 Prozent der untersuchten Angriffe spielten Schwachstellen bei der Identitätsprüfung eine entscheidende Rolle. Zudem verliefen 87 Prozent der Attacken koordiniert über mehrere Systeme hinweg – von Endgeräten über Cloud-Infrastrukturen bis zu Identitätsmanagern. Dieser vielschichtige Ansatz erschwert die Eindämmung enorm.
Browser und Lieferketten im Fokus
Der Webbrowser hat sich zum Hauptschlachtfeld entwickelt. Fast die Hälfte aller Vorfälle involvierte browserbasierte Aktivitäten. Angreifer machen sich so routinemäßige Arbeitsabläufe der Mitarbeiter – vom E-Mail-Check bis zur Nutzung von SaaS-Tools – zunutze.
Ein weiteres wachsendes Risiko sind Drittanbieter-Apps. In 23 Prozent der Fälle nutzten Angreifer solche Anwendungen als Einfallstor. Das zeigt die zunehmende Gefahr durch Supply-Chain-Schwachstellen in der digitalen Lieferkette.
Eine Woche voller Angriffe auf kritische Infrastruktur
Die strategischen Erkenntnisse des Berichts spiegeln sich in einer Reihe konkreter Vorfälle der vergangenen Woche wider:
* In den USA zwang ein Ransomware-Angriff den Zahlungsdienstleister BridgePay Network Solutions dazu, Kernsysteme abzuschalten. Zahlungsportale für Händler und Kommunen im ganzen Land waren gestört.
* Der niederländische Telekom-Anbieter Odido erlitt einen massiven Datendiebstahl. Unbefugte gelangten in das Kundemanagementsystem und erbeuteten Daten von 6,2 Millionen Kunden.
* Die Ransomware-Gruppe Warlock kompromittierte das Softwareunternehmen SmarterTools über eine bekannte Schwachstelle. Sie hielt sich fast eine Woche im Netzwerk auf, bevor sie zwölf Server verschlüsselte.
Diese Vorfälle sind Teil eines Trends: Allein am 16. Februar 2026 meldete ein täglicher Report 39 neue Ransomware-Opfer innerhalb von 24 Stunden. Die Gruppe LockBit war dabei am aktivsten.
KI-Deepfakes und sofortige Exploits
Die Angreifer setzen neue Technologien und Schwachstellen mit beängstigender Geschwindigkeit ein. Sicherheitsforscher dokumentierten kürzlich eine Kampagne nordkoreanischer Akteure (UNC1069), die KI-generierte Deepfake-Videoanrufe nutzt, um Mitarbeiter von Kryptofirmen zu täuschen.
Wer sich vor KI-gestützten Deepfakes, CEO‑Fraud und blitzschnellen Exploits schützen möchte, findet praxisnahe Strategien im kostenlosen E‑Book „Cyber Security Awareness Trends“. Der Leitfaden erklärt kompakt, welche Maßnahmen (starke Multi‑Faktor‑Authentifizierung, schnelles Patch‑Management, gezielte Awareness‑Schulungen) sofort wirken und wie kleine IT‑Teams ihre Resilienz deutlich erhöhen können. Jetzt kostenloses Cyber-Security-E-Book herunterladen
Auch die Ausnutzungsgeschwindigkeit neu entdeckter Softwarelücken nimmt zu. Eine kritische Schwachstelle in den Remote-Zugangstools von BeyondTrust (CVE-2026-1731) wurde nur sieben Tage nach Verfügbarkeit des Patches aktiv ausgenutzt. Microsofts Patch-Tuesday-Update vom Februar 2026 belegte diesen Trend: Es schloss 58 Lücken, darunter sechs Zero-Day-Schwachstellen, die bereits aktiv attackiert wurden.
Paradigmenwechsel: Von der Prävention zur Resilienz
Die Kombination aus KI-beschleunigten Angriffen, identitätszentrierten Taktiken und dem Fokus auf kritische Infrastruktur markiert einen Paradigmenwechsel. Ein jüngerer Cybervorfall im polnischen Energiesektor, der eine Warnung der US-Cybersicherheitsbehörde CISA auslöste, ist ein eindrückliches Beispiel. Angreifer drangen über exponierte Geräte ein, setzten Datenlösch-Malware ein und manipulierten Steuerungssysteme.
Experten sprechen von einem Modell der „leisen Persistenz“. Angreifer verschaffen sich initialen Zugang, bewegen sich tagelang unentdeckt im Netzwerk, um die Wirkung zu maximieren, bevor sie die finale, zerstörerische Phase starten. Diese taktische Geduld macht traditionelle, perimeterbasierte Sicherheitsmaßnahmen zunehmend wirkungslos. Der Fokus verschiebt sich von der reinen Zugangsverhinderung hin zur schnellen Erkennung und Neutralisierung von Bedrohungen, die bereits die erste Verteidigungslinie durchbrochen haben.
Ausblick: Die Verteidigung muss sich anpassen
Da das Zeitfenster zwischen Eindringen und Schadenswirkung schrumpft, ist der Druck auf Unternehmen, ihre Verteidigungsstrategien anzupassen, größer denn je. Sicherheitsexperten empfehlen einen verstärkten Fokus auf grundlegende Maßnahmen:
* Robuste Multi-Faktor-Authentifizierung
* Aggressives und zeitnahes Patchen bekannter Schwachstellen (kritische Updates innerhalb von 72 Stunden)
* Umfassende Netzwerküberwachung
Angesichts data-destroyender Ransomware werden zudem sichere, offline geführte Backups zu einem kritischen Bestandteil jedes Notfallplans. Zukünftig müssen Organisationen auf ein Modell des kontinuierlichen Risikomanagements setzen, um Sicherheitslücken in ihrem gesamten digitalen Fußabdruck proaktiv zu identifizieren und zu schließen. Wenn Angreifer KI für ihre Offensive nutzen, wird die Integration KI-gestützter Verteidigungswerkzeuge unerlässlich, um anomale Aktivitäten zu erkennen und der nächsten Welle automatisierter Cyber-Bedrohungen zu begegnen.
Die Kurse spielen verrückt – oder folgen sie nur Mustern, die du noch nicht kennst?
Emotionale Kurzschlussreaktionen auf unruhige Märkte kosten dich bares Geld. Vertraue bei deiner Geldanlage stattdessen auf kühle Analysen und harte Fakten. Seit 2005 navigiert 'trading-notes' Anleger mit präzisen Handlungsempfehlungen sicher durch jede Marktphase. Hol dir dreimal pro Woche unaufgeregte Experten-Strategien in dein Postfach. 100% kostenlos.
Jetzt abonnieren .


