Cyber-Versicherungen: KI-Betrug offenbart gefährliche Deckungslücken
07.02.2026 - 22:02:11KI-gestützte Betrugswelle stellt Versicherungsschutz auf den Prüfstand. Social-Engineering-Angriffe und Krypto-Betrugsfälle nehmen zu und entlarven massive Schwachstellen in vielen Cyber-Policen. Versicherer verschärfen im Hintergrund die Bedingungen, während die Prämien stagnieren.
Die neue Angriffsdimension: Der Mensch als Schwachstelle
Cyber-Vorfälle sind laut dem aktuellen Allianz Risk Barometer 2026 zum fünften Mal in Folge das größte Geschäftsrisiko weltweit. In Deutschland fürchten 52 Prozent der Unternehmen diese Gefahr am meisten. Die Angriffsvektoren haben sich dabei fundamental verschoben. Statt Firewalls zu knacken, zielen Kriminelle nun direkt auf die Mitarbeiter.
Methoden wie „Vishing“ (betrügerische Anrufe) und „Quishing“ (manipulierte QR-Codes) boomen. Sie nutzen gezielt menschliche Eigenschaften wie Vertrauen aus. Besonders alarmierend ist der Einsatz von KI für Deepfakes. In einem bekannten Fall überwies ein Finanzchef fast eine halbe Million Dollar, nachdem er in einem Videocall von einer täuschend echten Simulation des CEOs getäuscht wurde. Solche Technologien industrialisieren den Betrug und machen ihn massentauglich.
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BaFin warnt: Krypto-Betrug als Paradebeispiel
Parallel dazu floriert der Anlagebetrug mit Kryptowährungen. Die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt regelmäßig vor unseriösen Online-Brokern. Erst am 6. Februar 2026 listete die Behörde fünf weitere betrügerische Handelsplattformen.
Die Masche ist ein Lehrbeispiel für Social Engineering: Opfer werden nicht durch einen Hackerangriff, sondern durch psychologische Manipulation geschädigt. Persönliche „Berater“ bauen Druck auf, während gefälschte Plattformen Gewinne vortäuschen. Für betroffene Unternehmen stellt sich dann die bange Frage: Zahlt die Cyber-Versicherung?
Das trügerische Preis-Paradoxon am Versicherungsmarkt
Obwohl die Risiken explodieren, erlebt der Markt für Cyber-Policen eine „weiche“ Phase mit stagnierenden Prämien. Experten warnen vor einem fatalen Trugschluss. Denn während der Schutz oberflächlich günstig erscheint, ziehen die Versicherer die Schrauben im Kleingedruckten an.
Ein zentrales Problem sind „freiwillige Leistungs“-Ausschlüsse. Überweist ein getäuschter Mitarbeiter Geld, argumentieren viele Versicherer, die Handlung sei freiwillig erfolgt – und lehnen die Zahlung ab. Spezielle Zusatzklauseln für Social Engineering bieten oft nur eine stark begrenzte Teil-Deckung. So kann die Gesamtabdeckung einer Police bei zehn Millionen Euro liegen, der Schutz für einen KI-Betrug aber auf 250.000 Euro begrenzt sein.
Wann zahlt die Police? Ein schmaler Grat
Ob ein Schaden durch Social Engineering oder Krypto-Betrug gedeckt ist, hängt vom exakten Wortlaut der Police ab. Grundsätzlich kann ein solcher Vorfall als Versicherungsfall gelten. Viele Anbieter unterscheiden jedoch zwischen Cyber-Diebstahl (direkter Diebstahl nach einer Sicherheitslücke) und Cyber-Betrug (Täuschung einer Person über ein IT-System).
Gerichtsurteile zeigen die engen Grenzen. So wurde bereits entschieden, dass kein Schutz besteht, wenn der Angriff nicht die eigenen IT-Systeme, sondern die eines Dienstleisters kompromittiert. Rein auf menschlicher Manipulation basierende Angriffe, ohne nachweisbaren Hackerangriff, fallen oft durchs Raster. Unternehmen müssen prüfen: Enthält die Police einen expliziten Baustein für Vertrauensschäden und wie hoch ist dessen Deckung?
Ausblick: Schulung und Police-Check werden überlebenswichtig
Für Unternehmen verschiebt sich der Fokus. Neben technischen Sicherheitsmaßnahmen wird die Sensibilisierung der Mitarbeiter zur kritischen Verteidigungslinie. Schulungen zur Erkennung von Phishing und KI-gestützten Täuschungen sind essenziell.
Gleichzeitig müssen die Versicherungsverträge auf den Prüfstand. Angesichts der rasanten Entwicklung der Bedrohungslage ist es unerlässlich, die genauen Deckungssummen und Ausschlüsse für Social Engineering zu verstehen. Experten raten, gezielt nach Policen zu suchen, die moderne Betrugsformen explizit und ausreichend absichern. Die Annahme, eine Standard-Cyber-Versicherung schütze vor allen digitalen Gefahren, erweist sich zunehmend als riskanter Irrtum.
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