Cum-Ex-Skandal wird zur Dauerlast für die deutsche Wirtschaft
30.01.2026 - 01:14:12Die juristische Aufarbeitung des größten Steuerbetrugs der deutschen Nachkriegsgeschichte könnte noch Jahrzehnte dauern. Diese Aussicht versetzt die Finanzbranche in einen Zustand permanenter Unsicherheit.
Die schiere Dimension des Skandals, bei dem sich Finanzakteure über Jahre nie gezahlte Steuern erstatten ließen, ist überwältigend. Der entstandene Schaden geht in die zweistellige Milliardenhöhe. Seit einem wegweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs von 2021 ist die Strafbarkeit zwar geklärt. Doch die individuelle Verfolgung der Tausenden Beteiligten kommt nur im Schneckentempo voran. Für betroffene Banken und Dienstleister bedeutet das: Die Bedrohung durch Ermittlungen, hohe Rückforderungen und Imageschäden schwebt auf unbestimmte Zeit über ihnen.
Compliance-Abteilungen im Dauerkrisenmodus
Die Kölner Staatsanwaltschaft führt allein Ermittlungen gegen mehr als 1.700 Beschuldigte. Diese Masse an Fällen zwingt die Compliance-Abteilungen der Finanzinstitute in einen permanenten Ausnahmezustand. Sie müssen interne Untersuchungen vorantreiben, umfangreiche Behördenanfragen beantworten und Milliardenrückstellungen für mögliche Strafen bilden.
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Hochqualifiziertes Personal, das eigentlich die Geschäftsmodelle der Zukunft entwickeln oder neue Risiken wie Cyberangriffe abwehren sollte, ist damit gebunden. Die langfristige Finanz- und Personalplanung der Unternehmen leidet. Solange unklar ist, ob und in welcher Höhe Rückforderungen drohen, bleiben strategische Investitionen ein schwer kalkulierbares Wagnis.
Warum die Justiz so lange braucht
Die juristische Komplexität der bewusst verschleierten Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte ist immens. Die Transaktionen waren über zahlreiche Stationen im In- und Ausland verteilt. Ihre Rekonstruktion ist für die Ermittler eine Sisyphusarbeit.
Kritiker bemängeln zudem die Vorgehensweise der Strafverfolger. Oft richten sich die Ermittlungen zunächst gegen kleinere Akteure, während Verfahren gegen mutmaßliche Hauptverantwortliche aus den Chefetagen nur schleppend anlaufen. Das Ergebnis: Führungskräfte und ganze Institute verharren über Jahre als Beschuldigte, ohne dass es zu einer Anklage kommt. Diese zermürbende Hängepartie erhöht sogar das Risiko, dass Ansprüche verjähren und gestohlene Steuergelder für immer verloren sind.
Der kaum zu beziffernde Reputationsschaden
Jede neue Meldung über Ermittlungen stellt die betroffenen Banken erneut an den Pranger. In einer Branche, die maßgeblich von Vertrauen lebt, ist das ein existenzielles Problem. Das untergrabene Vertrauen von Kunden, Partnern und Investoren kann die Refinanzierungskosten in die Höhe treiben und die Suche nach Top-Talenten erschweren.
Der wirtschaftliche Schaden geht weit über potenzielle Steuernachzahlungen hinaus – die, wie im Fall der Warburg Bank, Hunderte Millionen Euro betragen können. Auch die Kosten für die teure Rechtsverteidigung in Millionenhöhe fehlen an anderer Stelle: für Investitionen in Innovation und Digitalisierung. Der Skandal von gestern schwächt so die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Finanzbranche von morgen.
Ein Systemproblem der deutschen Strafverfolgung
Die extrem langen Verfahrensdauern offenbaren strukturelle Defizite. Experten kritisieren seit Jahren die unzureichende personelle und technische Ausstattung von Staatsanwaltschaften und Gerichten. Komplexe Finanzdelikte erfordern hochspezialisiertes Wissen, um den oft von Top-Kanzleien vertretenen Beschuldigten auf Augenhöhe zu begegnen. Dieses Wissen fehlt häufig.
Cum-Ex wird damit zum Testfall für die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaates gegenüber organisierter Wirtschaftskriminalität. Das lahme Tempo sendet ein fatales Signal: Es nährt den Eindruck, dass Täter in Nadelstreifen milder behandelt werden. Das untergräbt das Vertrauen in die Gleichheit vor dem Gesetz.
Eine Generation im Schatten der Vergangenheit
Die Aussicht auf eine jahrzehntelange Aufarbeitung macht Cum-Ex zur Daueraufgabe im Risikomanagement. Für eine ganze Generation von Managern gibt es keine Entwarnung. Die Lehren aus dem Skandal müssen tief in der Unternehmenskultur verankert werden, um künftige Verfehlungen auszuschließen.
Die bittere Erkenntnis bleibt: Die Schatten der Vergangenheit werden die deutsche Finanzwirtschaft noch sehr lange begleiten und in ihrer Entwicklung bremsen.
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