Crans-Montana: Bürgermeister nach Brandkatastrophe unter Anklage
20.03.2026 - 00:00:34 | boerse-global.deDie Staatsanwaltschaft Wallis hat ihre Ermittlungen zum verheerenden Brand in Crans-Montana ausgeweitet. Neben den Betreibern des Lokals stehen nun auch Bürgermeister Nicolas Féraud und vier weitere Gemeindebedienstete unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung. Der Fall erschüttert das Vertrauen in die kommunale Sicherheitskontrolle.
Ermittlungen weiten sich auf Rathaus aus
Neun Monate nach der Katastrophe mit 41 Toten nimmt die Justiz die kommunale Aufsicht ins Visier. Am 9. März 2026 erhoben die Walliser Behörden schwere Vorwürfe gegen fünf Amtsträger. Neben Bürgermeister Féraud sind der ehemalige Sicherheitschef der Gemeinde, der frühere Brandschutzbeauftragte, dessen Stellvertreter und ein aktuelles Mitglied des Sicherheitsteams angeklagt.
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Die Vorwürfe lauten auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. Es sind dieselben Anklagepunkte, die bereits gegen die französischen Barbesitzer Jacques und Jessica Moretti sowie gegen frühere und aktive Sicherheitskräfte der Gemeinde erhoben wurden. Die Erweiterung des Kreises der Beschuldigten zeigt: Die Ermittler sehen ein systematisches Versagen der Behörden.
Systematisches Versagen bei Brandschutzkontrollen
Im Kern der Vorwürfe steht ein gravierendes Kontrollversagen. Bürgermeister Féraud räumte bereits kurz nach dem Unglück ein, dass die gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Brandschutzkontrollen in der Bar „Le Constellation“ unterblieben waren. Das Lokal war seit 2019 nicht mehr überprüft worden.
Die Zahlen sind alarmierend: Von 128 Bars und Restaurants in dem exklusiven Skiort waren im Jahr vor der Katastrophe nur 40 ordnungsgemäß kontrolliert worden. Diese Nachlässigkeit wurde tödlich, als in der Silvesternacht pyrotechnische Funkenregen an Sektflaschen gezündet wurden. Die Funken entzündeten binnen Sekunden hochexplosiven Schaumstoff an der Decke des Kellerclubs.
Brandschutzexperten sind sich einig: Routineinspektionen hätten sowohl die verbotenen Pyrotechnik-Artikel als auch die gefährlichen Deckenmaterialien identifizieren und die Katastrophe verhindern können. Doch wer trägt die Verantwortung für diese ausgebliebenen Kontrollen?
Bürgermeister zieht sich teilweise zurück
Der wachsende juristische Druck hat unmittelbare politische Konsequenzen. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn zog sich Bürgermeister Féraud teilweise aus seinen Pflichten zurück. Er wird keine Entscheidungen, Krisensitzungen oder Verwaltungsprozesse mehr leiten, die den Brand oder die laufenden Ermittlungen betreffen.
Die Gemeinde übertrug die brandbezogenen Verwaltungsaufgaben an Sébastien Rey, den für Wirtschaft und Freizeit zuständigen Gemeinderat. Féraud bleibt zwar im Amt, doch sein teilweiser Rückzug spiegelt den enormen öffentlichen Druck wider. Angehörige der Opfer und Überlebendenverbände fordern weiter lückenlose Aufklärung und Konsequenzen für die behördlichen Versäumnisse.
Rekonstruktion einer vermeidbaren Tragödie
Forensiker haben den Ablauf der Katastrophe minutiös rekonstruiert. Überwachungsvideos zeigen, wie sich der Feuer kurz vor 1:27 Uhr in der überfüllten Kellerbar explosionsartig ausbreitete. Die Verbrennung der Kunststoffmaterialien erzeugte binnen Sekunden eine tödliche, giftige Rauchwolke aus Kohlenmonoxid und Blausäure.
Viele der über 130 Gäste versuchten zunächst, ihre Jacken zu holen, statt sofort zu fliehen – ein folgenschwerer Zeitverlust. Verriegelte Dienstboteneingänge und enge Treppenhäuser verwandelten den Raum in eine tödliche Falle. Unter den Opfern waren Jugendliche ab 14 Jahren. Die vielen Schwerstverletzten überlasteten Intensivstationen in der ganzen Schweiz und in Nachbarländern.
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Schweiz weitet Brandschutz massiv aus
Die Katastrophe von Crans-Montana hat ein landesweites Umdenken ausgelöst. Sie offenbarte eine gefährliche Lücke zwischen strengen Brandschutzvorschriften und ihrer mangelhaften Umsetzung auf Gemeindeebene. Die Tatsache, dass ein international bekannter Touristenort Dutzende Lokale nicht kontrollierte, erschüttert das Sicherheitsvertrauen in hochregulierte Länder.
Die Schweizer Behörden reagieren mit drastischen Maßnahmen. Ein landesweites Verbot von Wunderkerzen und ähnlicher Pyrotechnik in öffentlich zugänglichen Innenräumen soll vergleichbare Flashover-Erechte verhindern. Brandschutzingenieure sehen in dem Fall ein Lehrstück für moderne Sicherheitsvorschriften, insbesondere für das Verbot unbehandelter Akustikschäume in Versammlungsstätten.
Die juristische Verfolgung eines amtierenden Bürgermeisters markiert einen Paradigmenwechsel. Sie zeigt: Behördliches Versagen mit Todesfolge wird künftig mit derselben Härte verfolgt wie betriebliche Fahrlässigkeit.
Lange juristische Aufarbeitung steht bevor
Die nächste kritische Phase beginnt Mitte April 2026, wenn Bürgermeister Féraud und die anderen Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft vernommen werden. Die Aussagen werden die endgültige Anklage bestimmen.
Rechtsexperten erwarten einen komplexen und langwierigen Prozess. Neun Angeklagte, verschränkte Verantwortlichkeiten von Gemeinde, Kanton und Privatbetrieb – die juristische Aufarbeitung wird Jahre dauern. Zudem könnten Ermittlungen der Bundespolizei zu früheren Bränden in Besitzungen der Barbetreiber neue Dimensionen eröffnen.
Während sich Crans-Montana auf die Sommersaison vorbereitet, steht die Gemeinde vor einer Herkulesaufgabe: Sie muss das verlorene Vertrauen zurückgewinnen, neue Sicherheitsstandards implementieren und Hunderte Familien unterstützen, deren Leben die Silvesternacht für immer verändert hat. Die Frage, ob dies unter der bisherigen Führung gelingen kann, bleibt offen.
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