Covestro Aktie: 20 Jahre DAX endet mit ADNOC-Übernahme
17.06.2026 - 08:35:01 | boerse-global.de
Nach 20 Jahren im DAX ist Schluss. Der Chemiekonzern Covestro wird in den kommenden Monaten endgültig von der Börse verschwinden. Die vollständige Übernahme durch den Staatskonzern ADNOC steht kurz bevor.
Formal läuft das Squeeze-out-Verfahren bereits. Der Hauptaktionär XRG, eine ADNOC-Tochter, hält mehr als 95 Prozent der Anteile. Die Hauptversammlung stimmte bereits für die Übertragung der restlichen Aktien gegen Barabfindung. Der Schritt ins geregelte Marktsegment General Standard senkt jetzt noch die Verwaltungskosten.
Biosprit statt Erdöl
Während das Börsenende naht, treibt Covestro die operative Zukunft voran. Im EU-Projekt „Bio4PURConti“ arbeitet der Konzern am weltweit ersten kontinuierlichen Verfahren für Anilin aus nachwachsenden Rohstoffen.
Anilin ist zentral für MDI, den Grundstoff von Polyurethan-Hartschaum. Das Zeug isoliert Gebäude und Kühlschränke. Bisher lief die biobasierte Herstellung nur im Labormaßstab und in Batches. Jetzt soll ein kontinuierlicher Durchfluss entstehen – die Voraussetzung für industrielle Maßstäbe und echte Wirtschaftlichkeit. Die EU-Förderung zeigt: Das ist kein Nischenprojekt.
Aktie im Würgegriff der Offerte
Operative News haben kaum noch Kurswirkung. Die Anteile kleben am Angebotspreis. Am Dienstag schloss die Covestro-Aktie bei 59,90 Euro.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 61,50 Euro beträgt nur 2,6 Prozent. Der RSI von 53,5 signalisiert neutrale Stimmung. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei mageren 2,75 Prozent. Kein Wunder: Planungssicherheit durch den feststehenden Übernahmepreis. Für Trader ist das Papier tot.
Was Anlegern bleibt
Die verbliebenen Minderheitsaktionäre warten auf die Eintragung des Squeeze-out-Beschlusses ins Handelsregister. Dann fließt die Barabfindung automatisch.
Covestro selbst bleibt unter ADNOC ein wichtiger Chemieakteur. Die Investition in biobasiertes Anilin sichert die Zukunftsfähigkeit des Standorts Leverkusen. In einem Markt, der zunehmend durch CO?-Grenzen und ESG-Regularien bestimmt wird, ist das strategisch klug. Für die letzten Aktionäre zählt nur noch eines: das Datum der Registereintragung.
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