Compliance, Vorstände

Compliance 2026: Deutsche Vorstände haften persönlich für ihre Personalentscheidungen

06.02.2026 - 22:33:12

Verschärfte Aufsicht und steigende persönliche Haftung zwingen Aufsichtsräte, ihre Eignungsprüfungen für Führungskräfte grundlegend zu überarbeiten.

Die verschärfte Aufsicht durch die BaFin und ein drastisch gestiegenes Haftungsrisiko zwingen Aufsichtsräte, die Eignungsprüfung von Führungskräften neu zu denken. Aus einer Formalie wird eine strategische Kernaufgabe mit existenziellen Konsequenzen.

BaFin verschärft die Regeln: „Fit and Proper“ wird zur Chefsache

Seit Januar 2026 gilt für den Finanzsektor ein verschärftes Regelwerk der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das neue „Fit-and-Proper-Rundschreiben“ konkretisiert die Anforderungen an die Eignung von Vorständen und Aufsichtsräten. Es setzt EU-Vorgaben in deutsche Praxis um.

Für die Gremien bedeutet das: mehr Aufwand, strengere Dokumentation und eine fundamentale Überarbeitung ihrer Auswahlprozesse. Besonderes Augenmerk legt die BaFin auf die kontinuierliche Weiterbildung der Führungsetage. Neue, relevante Tatsachen müssen der Aufsicht nun proaktiv gemeldet werden. Die Prüfung ist kein einmaliger Akt mehr, sondern ein dauerhafter Prozess.

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Das Privatvermögen ist in Gefahr: Haftung ohne Schutz durch Unwissen

Parallel zu den neuen Regeln wächst die persönliche Haftung der Entscheider. Verstöße gegen Gesetze wie das Geldwäschegesetz können nicht nur hohe Bußgelder für das Unternehmen nach sich ziehen. Geschäftsführer und Vorstände haften gemäß GmbH-Gesetz bei Pflichtverletzungen mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Die Gerichte zeigen wenig Nachsicht. Unkenntnis über komplexe Regelwerke schützt nicht vor Strafe. Von einer Führungskraft wird erwartet, dass sie sich das notwendige Wissen aneignet oder externen Rat einholt. Vor dem Hintergrund großer Unternehmensskandale der letzten Jahre hat diese Rechtsprechung an Schärfe gewonnen. Die Botschaft an die Aufsichtsräte ist klar: Jede Personalentscheidung muss wasserdicht sein.

Vom Lebenslauf zur Holistic Due Diligence: „Know Your Executive“

Die Identitätsprüfung im Jahr 2026 geht weit über das Abgleichen von Personaldaten hinaus. Analog zum bankenüblichen „Know Your Customer“-Prinzip etabliert sich ein „Know Your Executive“-Ansatz. Dieser umfasst eine ganzheitliche Bewertung von fachlicher Eignung, persönlicher Zuverlässigkeit, potenziellen Interessenkonflikten und der allgemeinen Reputation.

Die Logik ist eine Präventionsmaßnahme. Sie soll verhindern, dass Personen mit zweifelhafter Integrität in Schlüsselpositionen gelangen und dem Unternehmen Schaden zufügen. Für den Aufsichtsrat wird die Due-Diligence-Prüfung damit zur zentralen Schutzfunktion – und sie reicht deutlich tiefer als die klassische Analyse von Zeugnissen.

Die digitale Zukunft: EU-Wallet soll Prozesse sicherer machen

Die nächste Stufe der Verifizierung wird digital sein. Treiber ist die EU-Verordnung eIDAS 2.0. Sie schafft den Rahmen für eine europaweit anerkannte digitale Identität, die „EU Digital Identity Wallet“. Bis Ende 2026 müssen die Mitgliedstaaten eine solche Wallet bereitstellen.

Für Banken wird die verpflichtende Akzeptanz zwar erst ab 2027 greifen. Dennoch setzt die Technologie schon jetzt den künftigen Goldstandard für sichere Identitätsnachweise. Unternehmen könnten so den Onboarding-Prozess für Führungskräfte nicht nur beschleunigen, sondern auch fälschungssicherer gestalten. Die lückenlose, technologisch gestützte Überprüfung der Unternehmensführung scheint unaufhaltsam.

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