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Commerzbank Aktie: Weidmann fordert Orcel-Gespräche

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 21:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de

UniCredit-Chef Orcel zeigt sich zuversichtlich für eine Einigung, während Commerzbank-Aufsichtsrat Weidmann auf direkten Verhandlungen besteht.

Commerzbank-Übernahme: Weidmann fordert direkte Gespräche mit Orcel
Abstrakte Darstellung eines modernen Bürogebäudes in der Finanzbranche bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Übernahmepoker um die Commerzbank kommt neue Dynamik auf. UniCredit-Chef Andrea Orcel äußerte sich am Wochenende zuversichtlich, dass es zu einer Einigung mit der Frankfurter Bank kommen könne. Zugleich verschärft Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann den Ton: Er verlangt direkte Gespräche mit Orcel statt einer Klärung über den Umweg Berlin.

Weidmann besteht auf direktem Draht

Weidmann formulierte es unmissverständlich: Es gebe "keine Abkürzung über Berlin". Der Commerzbank-Aufsichtsratschef fordert damit, dass UniCredit die künftige Strategie direkt mit der Bank verhandelt statt über die Bundesregierung. Nach dem Ende des Übernahmeangebots hat Weidmann UniCredit den Angaben zufolge formell um Fusionsgespräche gebeten. Orcel wiederum zeigt sich gesprächsbereit, richtet seinen Fokus derzeit aber auch auf die deutsche Regierung – er kann laut den vorliegenden Angaben eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um Druck aufzubauen.

Faktisch kontrolliert UniCredit inzwischen rund 47,59 Prozent der Commerzbank-Anteile, davon waren zum 8. Juli 17,60 Prozent tatsächlich angedient, der Rest entfällt auf Derivate. Orcel visiert die operative Kontrolle im vierten Quartal 2026 an – vorbehaltlich einer Genehmigung durch die Europäische Zentralbank. Bundeskanzler Friedrich Merz signalisierte zuletzt, dass die Bundesregierung eine solche Fusion nicht politisch blockieren werde. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hält demgegenüber an der eigenständigen Strategie "Momentum 2030" fest.

Orcel bietet Zugeständnisse, Berlin lenkt ein

Orcel sprach von "weitem Spielraum für eine Einigung" und zeigte sich überrascht von der Breite der Annäherung, die sich zuletzt abgezeichnet habe. Er begründete frühere Widerstände mit Fehlinformationen, die eine Abwehrhaltung ausgelöst hätten. Die Gespräche mit der deutschen Regierung und weiteren Parteien seien wieder aufgenommen worden. UniCredit signalisiert dabei Kompromissbereitschaft bei den sozialen Auswirkungen einer Fusion, bei der Unterstützung des deutschen Mittelstands und bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaftstransformation. Berlin habe seine Haltung von grundsätzlicher Ablehnung hin zu einer Verhandlung über konkrete Bedingungen verschoben, so Orcel.

Der italienische Bankchef betonte zudem, UniCredit habe 22 Milliarden Euro investiert und wolle die Commerzbank keineswegs schwächen. Als Blaupause dient ihm die eigene Integration der HypoVereinsbank, die aus seiner Sicht komplementäre Fähigkeiten schafft und nur geringe Kundenüberschneidungen mit sich bringt – das deutsche Kartellamt habe der HVB-Fusion seinerzeit rasch zugestimmt. Vor Steuern rechnet UniCredit mit Synergien von 1,2 Milliarden Euro aus einem möglichen Zusammenschluss.

Untermauert wird Orcels Selbstbewusstsein durch die eigene Ergebnisentwicklung: Im zweiten Quartal 2026 erzielte UniCredit einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro, zwei Prozent über dem Konsens und bereits das 22. Quartal in Folge mit steigendem Ergebnis. Bereinigt lag der Gewinn bei 3,1 Milliarden Euro. Der langfristige Trend fällt noch deutlicher aus: 2021 verdiente die Bank 1,5 Milliarden Euro, 2025 waren es bereits 10,6 Milliarden Euro – eine Entwicklung, die Orcel im Rahmen seines Programms "UniCredit Unlocked" vorantrieb.

Markt bleibt abwartend

Die Commerzbank-Aktie reagierte auf die jüngsten Wortmeldungen verhalten. Am Freitag schloss das Papier bei 36,60 Euro, ein Plus von 0,83 Prozent. Damit notiert der Kurs weiterhin 6,58 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das im Juli erreicht wurde. Der schwelende Übernahmestreit sorgt für spürbare Schwankungen, ohne dass sich Anleger bislang auf ein Szenario festlegen.

Die nächste Weichenstellung dürfte kurzfristig anstehen: Orcel und Orlopp wollen sich nach der Vorlage der Commerzbank-Quartalszahlen am 6. August treffen. Bis dahin bleibt die Gemengelage aus Aufsichtsratsforderungen, Regierungsgesprächen und milliardenschweren Synergieversprechen die zentrale Variable für die Aktie.

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