Commerzbank Aktie: Berlin stellt sich quer
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 16:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Kaum ist die Übernahmefrist ausgelaufen, meldet sich Berlin zu Wort. Das Bundesfinanzministerium bezeichnet den Vorstoß von UniCredit als aggressiv und feindlich – deutliche Worte für einen Vorgang, der die Commerzbank seit Monaten in Atem hält. Der Bund bekräftigt zugleich, seine eigene Beteiligung nicht verkauft zu haben.
Auslöser der scharfen Reaktion: UniCredit hat nach eigenen Angaben einen direkten Anteil von gut 44 Prozent an der Commerzbank gesichert. Inklusive Kaufoptionen kommt die italienische Bank sogar auf 47,59 Prozent – gerechnet auf die Stimmrechte sind es wegen nicht stimmberechtigter eigener Aktien der Commerzbank sogar 49,65 Prozent. Die Mehrheit hat UniCredit damit knapp verfehlt, doch der Abstand ist gering geworden.
Niedrige Zustimmung unter unabhängigen Aktionären
Bemerkenswert ist, wie das Ergebnis zustande kam. Nur 17,6 Prozent der Aktien wurden während der verlängerten Annahmefrist angedient – der Rest des Anteils stammt aus dem bereits vor der Offerte gehaltenen Paket von 26,77 Prozent. Die Commerzbank betont, dass die Summe der von institutionellen und privaten Anlegern tatsächlich angedienten Aktien unter zwei Prozent liege und überwiegend von mit UniCredit verbundenen Banken stamme. Aus Sicht des Frankfurter Instituts belegt das die mangelnde Attraktivität des Angebots.
Vorstandschefin Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann positionieren sich entsprechend: Der Fokus bleibe auf den Interessen von Kunden, Mitarbeitenden und Anteilseignern – zu denen ausdrücklich auch der Bund und die Minderheitsaktionäre zählen. Eine feindliche Übernahme lehnt das Management weiterhin ab, signalisiert aber Gesprächsbereitschaft: Nur eine einvernehmliche Lösung unter Einbindung von Unternehmensführung, Arbeitnehmern und der Bundesregierung mache Synergien in einem angemessenen Rahmen realistisch, so die Commerzbank.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein schaltet sich ebenfalls ein und mahnt einen fairen, respektvollen Dialog auf höchster Management-Ebene an – im Interesse des Finanzplatzes Frankfurt und des deutschen Mittelstands. Berichten zufolge rechnen Insider aus dem Umfeld der Commerzbank inzwischen mit einer baldigen Wiederaufnahme der Gespräche zwischen beiden Häusern. Die Begründung: Ein Unternehmen könne sich einem Aktionär mit einem derart hohen Anteil kaum dauerhaft verweigern.
Operativ lässt sich die Commerzbank von dem Ringen bislang nicht bremsen. Der Vorstand bestätigt den Ausblick für 2026 sowie die Ziele bis 2030 und verweist auf ein Rekordjahr 2025 im Rahmen der "Momentum"-Strategie. Die Quartalszahlen zum zweiten Quartal legt das Institut am 6. August 2026 vor – ein Termin, der zeigen dürfte, ob der Übernahmestreit inzwischen auch das Tagesgeschäft belastet.
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