Cloud-Regulierung in Großbritannien steckt in der Krise
04.03.2026 - 14:00:22 | boerse-global.deDer Vorsitzende der britischen Wettbewerbsuntersuchung zur Cloud hat aus Frust über das lahme Tempo der Behörden zurückgetreten. Sein Abgang wirft ein grelles Licht auf den stockenden Kampf gegen die Marktmacht von Amazon und Microsoft.
Kip Meeks verließ Ende Januar vorzeitig seinen Posten bei der Competition and Markets Authority (CMA). Er führte die Untersuchung seit 2018. Öffentlich kritisierte er, die Umsetzung der regulatorischen Empfehlungen gehe „zu langsam“ voran. Dies wirft grundlegende Fragen zur Zukunft des Cloud-Wettbewerbs auf. Die britische Regulierung gerät damit weiter unter Druck – genau zu einem Zeitpunkt, an dem in der EU und den USA ähnliche Schritte gegen die Tech-Giganten vorbereitet werden.
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Eine festgefahrene Untersuchung
Die CMA-Untersuchung startete im Oktober 2023. Auslöser war ein Bericht der Medienaufsicht Ofcom. Diese hatte erhebliche Bedenken angemeldet. Demnach teilen sich Amazon Web Services (AWS), Microsoft und Google rund 81 Prozent des britischen Public-Cloud-Marktes.
Ein Jahr später, 2025, legte die CMA ihre vorläufigen Ergebnisse vor. Sie bestätigte, dass der Markt den Wettbewerb einschränkt. Die Hauptprobleme: Technische Hürden für die Interoperabilität zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern und restriktive Softwarelizenzen, vor allem von Microsoft. Die Folge? Geringere Auswahl für Kunden und geschätzte Mehrkosten von umgerechnet rund 580 Millionen Euro pro Jahr für britische Unternehmen.
Als Lösung empfahl das Gremium, AWS und Microsoft einen „strategischen Marktstatus“ zuzuweisen. Dies würde strengere, maßgeschneiderte Regeln ermöglichen. Doch fast ein Jahr nach dieser Empfehlung fehlt jede entscheidende Maßnahme. Diese Verzögerung gilt als Hauptgrund für Meeks' Rücktritt.
Globaler Druck auf die Cloud-Riesen
Die britischen Herausforderungen sind kein Einzelfall. Regulierer weltweit nehmen die Marktmacht der Hyperscaler ins Visier.
Die Europäische Union geht besonders konsequent vor. Die Kommission prüft, ob AWS und Microsoft als „Gatekeeper“ nach dem Digital Markets Act (DMA) eingestuft werden sollen. Zudem treibt die EU mit dem geplanten Cloud- und KI-Entwicklungsgesetz den Aufbau einer eigenständigen europäischen Cloud-Infrastruktur voran. Der bereits beschlossene Data Act soll Wechsel zwischen Cloud-Anbietern erleichtern, indem er hohe Datenausgangsgebühren attackiert.
Auch in den USA wächst der Druck. Die Handelsaufsicht FTC untersucht laut Berichten Microsofts Geschäftspraktiken in den Bereichen Cloud und Künstliche Intelligenze. Die US-Behörden setzen damit ihre langjährige Antitrust-Offensive gegen Tech-Konzerne fort.
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Die Kernprobleme: Lizenzierung, Gebühren, Kompatibilität
Die Regulierer konzentrieren sich auf drei zentrale Praktiken, die den Wettbewerb ersticken sollen:
- Microsofts Softwarelizenzen: Die CMA fand heraus, dass die Lizenzbedingungen von Microsoft die Nutzung von Software wie Windows Server auf Konkurrenz-Plattformen wie AWS oder Google Cloud verteuer oder verkomplizieren.
- Hohe Datenausgangsgebühren (Egress Fees): Diese Kosten beim Umzug von Daten aus einer Cloud gelten als moderne Vendor-Lock-in-Methode. Sie hindern Kunden am Wechsel zu einem billigeren oder besseren Anbieter.
- Mangelnde Interoperabilität: Technische Barrieren verhindern, dass Dienste verschiedener Anbieter nahtlos zusammenarbeiten. Das benachteiligt kleinere Cloud-Firmen und frustriert Kunden, die flexible IT-Systeme aufbauen wollen.
2026: Ein entscheidendes Jahr für die Cloud
Der Rücktritt von Kip Meeks markiert einen Wendepunkt für die britischen Regulierungsambitionen. Er erhöht den Druck auf die CMA enorm. Die Behörde hatte zuletzt signalisiert, im ersten Quartal 2026 über die Zuweisung des strategischen Marktstatus entscheiden zu wollen. Die Branche beobachtet nun gespannt: Führt dieser spektakuläre Abgang zu schnellerem Handeln – oder offenbart er eine tiefere Entscheidungsschwäche?
AWS und Microsoft betonen stets, der Cloud-Markt sei dynamisch und wettbewerbsintensiv. Jede Überregulierung gefährde Innovation und Investitionen, so ihr Argument. Sie verweisen auf den rasanten Aufstieg der KI als Beleg für einen lebendigen Markt.
Doch der globale Trend ist unübersehbar. Mit dem Inkrafttreten des europäischen Data Act und den US-Untersuchungen wird 2026 zum Schicksalsjahr für die Cloud-Regulierung. Die Entscheidungen der kommenden Monate werden die Landschaft für Anbieter und Kunden auf Jahre prägen. Sie entscheiden, ob der Markt offener und wettbewerbsorientierter wird – oder von den etablierten Giganten dominiert bleibt.
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