Claude, Cowork

Claude Cowork löst Beben im Software-Sektor aus

18.01.2026 - 18:14:12

Die Markteinführung eines autonomen KI-Desktop-Agenten von Anthropic verursacht massive Kursverluste bei etablierten Softwareunternehmen wie Salesforce, Intuit und Adobe.

Ein neuer KI-Desktop-Agent von Anthropic versetzt die Tech-Branche in Aufruhr und lässt Aktien traditioneller Software-Riesen abstürzen. Die Befürchtung: Autonome KI-Systeme könnten etablierte Abo-Modelle obsolet machen.

Vom Chatbot zum ausführenden Agenten

Am vergangenen Freitag weitete das KI-Unternehmen Anthropic den Zugang zu „Claude Cowork“ aus. Dieses Tool markiert einen fundamentalen Wandel. Es handelt sich nicht um einen weiteren Chatbot, sondern um einen autonomen Desktop-Agenten. Das System kann direkt auf die lokale Arbeitsumgebung zugreifen, Dateien lesen, bearbeiten und mehrstufige Arbeitsabläufe ohne ständige menschliche Überwachung ausführen.

Laut Berichten arbeitet Cowork in einer gesicherten virtuellen Maschine. Anwender können damit Dateisysteme organisieren, Tabellen aus Rohdaten generieren oder Berichte aus verstreuten Notizen erstellen. Branchenbeobachter von Aragon Research sprechen bereits von den beginnenden „Agent Wars“. Der Druck auf Konzerne wie Microsoft und Google, ihre Betriebssysteme tiefer mit KI zu verzahnen, wächst schlagartig.

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Die „Agent Wars“ bringen nicht nur technische Änderungen, sondern auch neue rechtliche Pflichten mit sich. Die EU‑KI‑Verordnung verlangt jetzt Kennzeichnung, Risikoklassifikation und ausführliche Dokumentation für viele KI‑Systeme — Pflichten, die Entwickler und Anbieter kennen müssen, bevor sie Agenten in Unternehmensumgebungen ausrollen. Holen Sie sich den kostenlosen Umsetzungsleitfaden mit klaren Schritten zur Einordnung und Dokumentation Ihres KI‑Systems. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen

Software-Aktien im Sturzflug

Die Marktreaktion auf diese Entwicklung war brutal. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) verlor in der Woche etwa sieben Prozent. Die Sorge der Anleger ist konkret: Wenn eine KI Steuererklärungen, Datenpflege oder Design-Aufgaben autonom übernimmt, braucht es dann noch teure Lizenzen für spezialisierte Software?

Besonders hart traf es etablierte Player:
* Salesforce (CRM): Die Aktie fiel um rund 15 Prozent. Die Angst vor Einbußen bei den hochprofitablen Lizenzgebühren ist groß, obwohl das Unternehmen mit „Agentforce“ selbst auf KI setzt.
* Intuit (INTU): Der Hersteller von TurboTax und QuickBooks büßte 13 Prozent ein. Können generelle KI-Agenten wie Cowork irgendwann komplexe Finanzvorgänge automatisieren?
* Adobe (ADBE): Auch der Kreativ-Software-Riese geriet weiter unter Verkaufsdruck. Die Analysefirma Oppenheimer stufte die Aktie herab. Kreativtools könnten vom KI-Profiteur zum Opfer werden.

Wall Street: Übertriebene Panik oder berechtigte Angst?

Unter Analysten herrscht Uneinigkeit über das Ausmaß der Reaktion.

„Die pauschalen Verkäufe ignorieren die wehrhaften Daten-Ökosysteme der etablierten Unternehmen“, argumentiert Arjun Bhatia von William Blair. Die fundamentale Bedrohung sei noch nicht gegeben.

Siti Panigrahi von Mizuho sieht die Ängste speziell bei Intuit als überzogen an. Hochriskante Aufgaben wie Steuererklärungen erforderten ein Maß an Genauigkeit und Haftungssicherheit, das generelle KI-Agenten derzeit nicht bieten könnten.

Doch eine skeptischere Sicht gewinnt an Boden: Investoren werden gnadenlos wählerisch. Sie wenden sich von Unternehmen ab, die nur KI-Versprechungen machen, und suchen solche, die ihre Gewinnmarge damit schützen können. Der frühere Januar-Rückgang bei Palantir (PLTR) um elf Prozent deutet auf eine breitere „Bewertungs-Korrektur“ bei Tech-Titeln hin.

Das Ende der „Pro-Arbeitsplatz“-Abrechnung?

Claude Cowork verkörpert den Übergang in die „Ausführungsepoche“ der KI. Wissensarbeiter werden von Ausführenden zu Supervisoren, deren Hauptaufgabe die Steuerung von KI-Agenten ist.

Dies untergräbt das Geschäftsmodell des letzten Jahrzehnts: die „Per-Seat“-Preisgestaltung. Die Branche bewegt sich hin zu verbrauchs- oder ergebnisbasierten Modellen. Unternehmen wie Salesforce versuchen bereits, für erfolgreiche Agenten-Aufgaben zu kassieren. Dieser Übergang schafft jedoch massive Unsicherheit für die Umsatzplanung.

Was kommt als Nächstes?

Wenn die Börsen am Dienstag wieder öffnen, richtet sich der Blick auf Anthropics nächste Schritte und die Reaktion der Konkurrenz. Gerüchte deuten an, dass Microsoft die Einführung ähnlicher Desktop-Features für seinen Copilot beschleunigen könnte, um Kunden zu halten.

Für Software-Investoren wird eine Kennzahl in den kommenden Quartalsberichten entscheidend: die „Net Revenue Retention“. Zudem werden alle Hinweise zu neuen KI-Preismodellen genau analysiert. Nach dem Schock dieser Woche ist die Grenze zwischen Softwarefirmen, die Agenten nutzen können, und jenen, die von ihnen ersetzt werden, klarer denn je.

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