Circus Aktie: Montega senkt Kursziel um 78 Prozent
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 01:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nur vier Tage nach einer drastischen Gewinnwarnung stuft die Montega AG das Papier am 20. Juli 2026 von „Kaufen" auf „Halten" herab. Analyst Bastian Brach kappt das Kursziel von 10,00 Euro auf 2,20 Euro – eine Korrektur um rund 78 Prozent. Grund sind massive operative Engpässe beim Rollout der autonomen Verpflegungssysteme des Unternehmens.
Die Aktie notiert aktuell bei 2,06 Euro und verliert im heutigen Handel 4,64 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Einbruch von 56,69 Prozent zu Buche. Der Börsenwert des Unternehmens ist auf 55,87 Millionen Euro geschrumpft.
Umsatzprognose um rund 90 Prozent gekappt
Auslöser der Talfahrt ist eine Ad-hoc-Mitteilung vom 16. Juli 2026. Darin korrigiert Circus seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 von zuvor 44 bis 55 Millionen Euro auf nunmehr nur noch 5,2 Millionen Euro. Der Vorstand nennt Verzögerungen bei der Zutatenlogistik sowie unerwartet hohe Onboarding-Kosten je installiertem System als Ursachen. Parallel wird die EBITDA-Erwartung von zuvor minus 6 bis minus 8 Millionen Euro auf rund minus 17 Millionen Euro angepasst.
Für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2025 hatte Circus bereits Ende Mai vorläufige Zahlen vorgelegt: Der Umsatz stieg auf etwa 1,5 Millionen Euro nach 0,25 Millionen Euro im Vorjahr, während das unbereinigte EBITDA von minus 11,9 Millionen auf minus 18,5 Millionen Euro fiel. Ende Juni veröffentlichte das Unternehmen den geprüften Geschäftsbericht für 2025.
Erster Einsatz in einem aktiven Konfliktgebiet
Am selben Tag wie die Gewinnwarnung meldete Circus einen bemerkenswerten Meilenstein für seine Rüstungssparte: den Start des Live-Betriebs autonomer Verpflegungssysteme zur Versorgung der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew. Es handelt sich um den ersten Einsatz der Technologie in einem aktiven Konfliktgebiet. Die Sparte „Circus Defence" war bereits im April 2026 gestartet, als das Unternehmen den operativen Betrieb an militärischen Standorten aufnahm.
Der zeitliche Zusammenfall von militärischem Fortschritt und ziviler Prognosekrise verdeutlicht die Zerrissenheit des Geschäftsmodells: Während die Defence-Sparte offenbar liefert, hakt es beim breiten kommerziellen Rollout.
Expansion läuft weiter, doch das Vertrauen bröckelt
Trotz der Turbulenzen trieb Circus zuletzt mehrere strategische Schritte voran. Anfang Juli schloss das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Spezialisten Alberts ab, um das Produktportfolio zu erweitern. Bereits am 1. Juli hatte der Staatliche Dienst für Lebensmittelsicherheit der Vereinigten Arabischen Emirate die regulatorische Zulassung erteilt – der kommerzielle Rollout in Abu Dhabi konnte beginnen. Zudem berief Circus Anfang Juli einen bislang namentlich nicht genannten ehemaligen Manager aus der Luftfahrt- und Automobilbranche zum neuen Co-CEO und CFO, um die globale Expansionsstrategie zu stärken.
Diese operativen Fortschritte konnten die Talfahrt der Aktie bislang nicht bremsen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 146,65 Prozent unterstreicht die extreme Unsicherheit, mit der der Markt das Papier derzeit handelt; ergänzend signalisiert ein technischer RSI-Wert von 13,7 eine stark überverkaufte Situation. Anleger richten den Blick nun auf die ordentliche Hauptversammlung am 16. August 2026 in München, bei der der Vorstand weitere Erklärungen zur eingebrochenen Umsatzprognose liefern dürfte.
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