Chinas, Handelspolitik

Chinas neue Handelspolitik trifft europäische Exporteure

03.01.2026 - 18:01:12

Peking startet mit gezielten Zollsenkungen und Strafzöllen auf EU-Milch eine Phase der industriellen Abschottung. Europäische Unternehmen sehen sich doppelten Herausforderungen ausgesetzt.

Europas Unternehmen geraten durch Pekings neue Zollpolitik und Handelsstreitigkeiten unter Druck. Der strategische Fokus der chinesischen Führung hat sich deutlich verschoben.

Seit dem 1. Januar 2026 gelten in China neue Spielregeln. Mit dem sofortigen Start des 15. Fünfjahresplans (2026-2030) und einem umfassenden Zollanpassungsplan 2026 vollzieht Peking eine strategische Wende. Die Ära der einfachen Marktöffnung ist vorbei, eine Phase gezielter industrieller Abschottung und nationaler Selbstversorgung beginnt. Für europäische Exporteure bedeutet das eine doppelte Zwickmühle: Sie sehen sich im Heimatmarkt mit subventionierten chinesischen Importen konfrontiert, während ihnen in China selbst eine Mauer aus protektionistischen Maßnahmen den Zugang erschwert.

Zollplan 2026: Subvention durch die Hintertür

Der am 29. Dezember 2025 angekündigte und zum Jahreswechsel in Kraft getretene Zollplan senkt die Einfuhrzölle für 935 Produktkategorien. Auf den ersten Blick eine Liberalisierung. Die Analyse zeigt jedoch ein anderes Bild: Die Reduzierungen zielen präzise auf Vorprodukte ab – Rohstoffe, Hochtechnologie-Komponenten und Spezialmaschinen, die chinesische Hersteller für ihre eigene Produktion benötigen.

Durch die verbilligte Einfuhr dieser Güter subventioniert Peking seine heimische Industrie indirekt. Das ermöglicht es chinesischen Unternehmen, fertige Waren wie Elektroautos, Medizintechnik oder saubere Energietechnik zu Preisen zu produzieren, mit denen europäische Konkurrenten nicht mithalten können. Gleichzeitig bleiben Zölle auf fertige Konsumgüter hoch oder werden durch neue bürokratische Hürden ergänzt. Diese „Angebotsseiten“-Strategie zielt darauf ab, die Marktanteile europäischer Industrieführer auszuhöhlen – besonders in der Automobil- und Maschinenbaubranche.

Milchstreit: Vergeltung trifft europäische Landwirte

Die langfristige strategische Einkreisung wird durch einen akuten Handelskonflikt verschärft. Als direkte Vergeltung für die Anti-Subventionszölle der EU auf chinesische Elektroautos hat das chinesische Handelsministerium vorläufige Strafzölle auf EU-Milchimporte verhängt.

Die seit Anfang Januar geltenden Abgaben liegen zwischen 22 und 42,7 Prozent und treffen wichtige Exportprodukte wie Sahne, Frischkäse und verarbeitete Milcherzeugnisse. Besonders betroffen sind Mitgliedstaaten, die die EU-EV-Zölle unterstützt haben, darunter Frankreich und Italien. Branchenvertreter warnen, die Margen für hochwertige Exporte wie französischen Roquefort oder italienische Käsesorten könnten wegbrechen. Die Europäische Kommission will die Maßnahmen vor der Welthandelsorganisation (WTO) anfechten, doch vorerst stehen Exporteure vor sofortigen Zollhürden.

Grüne Technologie im Kreuzfeuer des CBAM

Die Handelsspannungen werden durch die volle Einführung des europäischen Grenzausgleichssystems für CO2-Emissionen (CBAM) verschärft, das seit dem 1. Januar 2026 endgültig gilt. Peking kritisiert den CBAM wiederholt als „grüne Handelsbarriere“. Chinesische Staatsmedien und Beamte haben in den ersten Januartagen die Rhetorik verschärft und mit weiteren „notwendigen Maßnahmen“ gedroht.

Das nährt Befürchtungen, China könne als Vergeltung die Ausfuhr kritischer Mineralien für Europas grünen Wandel beschränken. Ein beunruhigender Trend zeichnet sich bereits ab: Die EU-Importe chinesischer Seltenerdmagnete schossen Ende 2025 um fast 60 Prozent in die Höhe, als europäische Unternehmen aus Furcht vor Exportkontrollen Vorräte anlegten. Würde Peking die Exportlizenzen für diese Schlüsselrohstoffe beschränken, könnte das die europäische Produktion von Windturbinen und E-Auto-Motoren lahmlegen.

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Ausblick: Ein Jahr der defensiven Handelspolitik

Die Perspektiven für die EU-China-Handelsbeziehungen bleiben 2026 turbulent. Die Europäische Kommission wird voraussichtlich im ersten Quartal ein WTO-Verfahren zu den Milchzöllen einleiten. Europäische Autobauer dürften weiter Marktanteile in China verlieren.

Unternehmen werden ihre „China Plus One“-Strategien beschleunigen und Produktion nach Vietnam, Indien oder Mexiko verlagern, um dem regulatorischen Sumpf zu entkommen. Droht eine weitere Eskalation, etwa durch neue EU-Untersuchungen zu chinesischen Windturbinen, hat Peking bereits ein ganzes „Werkzeugkasten“ an Vergeltungsmaßnahmen parat – der nächste Schritt könnten EU-Luxusgüter oder Schweinefleischexporte sein.

Für europäische Exporteure ist die Botschaft der ersten Tage des Jahres klar: Das „goldene Zeitalter“ des mühelosen Wachstums in China ist vorbei. Erfolg erfordert jetzt die Navigation durch ein Minenfeld aus Zöllen, Sicherheitsüberprüfungen und staatlich geförderter Konkurrenz.

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