Chinas Lkw-Offensive bedroht Europas Autoindustrie
02.02.2026 - 21:34:12Chinesische Nutzfahrzeughersteller drängen dreimal schneller nach Europa als erwartet. Eine neue IG-Metall-Studie warnt vor massiven Folgen für Jobs und Wertschöpfung.
Die europäische Automobilindustrie sieht sich mit einer neuen, massiven Welle chinesischer Konkurrenz konfrontiert. Nach dem bereits angespannten Handelskonflikt um Elektro-Pkw rücken nun chinesische Lkw-Hersteller in den Fokus. Eine aktuelle Warnung der IG Metall, gestützt auf eine Fraunhofer-Studie, zeigt: Die Expansion verläuft mit beispielloser Geschwindigkeit. Das stellt die gesamte europäische Wertschöpfungskette vor eine historische Herausforderung.
Dreimal schneller als je zuvor
Die Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Chinesische Nutzfahrzeughersteller wie SANY und Foton dringen rund dreimal schneller in den europäischen Markt vor als bei früheren Expansionen in andere Regionen. Sie setzen auf eine aggressive Mehrfachstrategie: lokale Partnerschaften, eigene Produktionsstandorte und den raschen Aufbau von Service-Netzwerken.
„Im Lkw-Sektor dürfen nicht die gleichen Fehler wie im Pkw-Bereich gemacht werden“, warnt die IG Metall Baden-Württemberg. Die Gewerkschaft sieht nicht nur Marktanteile in Gefahr, sondern direkt industrielle Kompetenz, Wertschöpfung und zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland und der EU.
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Zölle allein sind kein Schutzschild
Die EU hatte bereits 2024 mit Strafzöllen von bis zu 35,3 Prozent auf chinesische Elektroautos reagiert. Doch die Bilanz dieser Maßnahme fällt durchwachsen aus. Berichte von Anfang 2026 zeigen: Die Expansion chinesischer Marken wurde nicht nachhaltig gebremst.
Stattdessen passen sich die Hersteller flexibel an. Sie weichen auf Hybridmodelle aus, die niedrigeren Zollsätzen unterliegen, und forcieren Pläne für Produktionsstätten direkt in Europa. Das Umgehen von Handelsbarrieren durch lokale Fertigung – eine Strategie, die den eigentlichen Schutzgedanken der Zölle unterläuft.
Globaler Trend, europäisches Dilemma
Der Druck durch Chinas Autoexporte ist ein weltweites Phänomen. Südafrika prüft aktuell ebenfalls höhere Importzölle. Für die EU ergibt sich daraus ein politischer Spagat.
Einerseits will Brüssel Schlüsselindustrien vor als unfair empfundener Konkurrenz schützen. Andererseits ist die europäische Autoindustrie stark vom chinesischen Markt abhängig und befürwortet grundsätzlich offene Märkte. Diese Ambivalenz zeigte sich erst kürzlich: Während man sich gegenüber China abschottet, wurde die Öffnung des indischen Marktes durch ein neues Handelsabkommen euphorisch begrüßt.
Trügerische Heimatmarkterholung
Die deutschen Marktzahlen für 2025 unterstreichen die Verletzlichkeit der heimischen Hersteller. Zwar erholte sich der Markt für reine Elektroautos von dem Förderungsende-Schock und erreichte mit rund 545.000 Neuzulassungen einen neuen Höchststand. Doch das Wachstum gegenüber dem Rekordjahr 2023 fiel verhalten aus.
Ein nur leicht wachsender Heimatmarkt bei gleichzeitig massivem Importdruck durch kostengünstigere chinesische Modelle – diese Kombination macht europäische Konzerne besonders anfällig. Die verhaltene Nachfrage gibt wenig Spielraum für Gegenoffensiven.
Wettlauf gegen die Zeit beginnt
Die Industrie steht vor einer entscheidenden Phase. Analysten sind sich einig: Zölle kaufen nur Zeit, sind aber keine Lösung. Der entscheidende Faktor wird sein, ob europäische Hersteller ihre Kostenstrukturen, Produktionsflexibilität und Innovationsgeschwindigkeit bei Schlüsseltechnologien wie Software und Batterien drastisch verbessern können.
Ohne eine massive Investitionsoffensive der Unternehmen und entschlossene politische Rahmenbedingungen für fairen Wettbewerb droht ein schleichender Verlust. Nicht nur von Marktanteilen, sondern vom technologischen Vorsprung, der die Branche über Jahrzehnte definiert hat. Die Uhr tickt.
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