Charité-Studie testet Therapie gegen Essstörungen
25.02.2026 - 17:39:50 | boerse-global.deEine neue Studie der Berliner Charité erforscht eine telemedizinische Familientherapie für magersüchtige Jugendliche. Gleichzeitig warnen Experten anlässlich der internationalen „Eating Disorders Awareness Week“ vor der unterschätzten Gefahr durch krankhaftes Gesund-Essen, der Orthorexie.
Orthorexie: Wenn gesund essen krank macht
Was mit guter Absicht beginnt, kann in eine gefährliche Besessenheit umschlagen. Orthorexie beschreibt die zwanghafte Fixierung auf „reines“ und gesundes Essen. Betroffene verbannen ganze Lebensmittelgruppen, studieren ständig Nährwerttabellen und meiden soziale Essen-Situationen.
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Im Gegensatz zur Magersucht geht es hier primär nicht um Gewichtsverlust, sondern um die Qualität der Nahrung. Die Folgen sind dennoch schwerwiegend: Nährstoffmangel, soziale Isolation und psychische Belastung. Fachleute beobachten eine zunehmende Verbreitung, obwohl Orthorexie noch keine offizielle Diagnose ist.
FIAT-Studie: Familie als Schlüssel zur Heilung?
Ab sofort sucht die bundesweite „FIAT“-Studie nach besseren Wegen, Jugendliche mit Magersucht zu behandeln. An 23 Kliniken vergleichen Forscher die klassische stationäre Therapie mit einem neuen Ansatz: einer familienbasierten, telemedizinisch begleiteten Behandlung zu Hause.
Dabei werden 100 Jugendliche stationär behandelt, weitere 100 erhalten über zehn Monate Videotherapie mit ihrer Familie. Das Ziel ist klar: gesunde Essgewohnheiten direkt im Alltag etablieren. Bei Verschlechterung ist ein Wechsel in die Klinik jederzeit möglich. Dieser Ansatz ist in Ländern wie den USA bereits Standard und soll die hohen Rückfallquoten nach Klinikaufenthalten senken.
Social Media befeuert besorgniserregenden Trend
Die Dringlichkeit für neue Therapien wird durch alarmierende Zahlen untermauert. In England stiegen Klinikeinweisungen wegen Essstörungen zuletzt um 84 Prozent. Ein aktueller Report der DAK für Sachsen-Anhalt zeigt: Bei Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren haben sich die Behandlungsfälle seit 2019 mehr als verdoppelt.
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Paradigmenwechsel in der Therapie?
Die aktuelle Aufklärungswoche betont die Rolle der Gemeinschaft im Heilungsprozess. Die FIAT-Studie setzt genau hier an: Sie bindet die Familie aktiv ein und verlagert die Behandlung in den Lebensalltag. Dieser Wechsel von der Klinik ins Zuhause könnte die Therapielandschaft in Deutschland nachhaltig verändern.
Bis Ende 2026 werden noch Teilnehmer für die Studie gesucht. Erste Ergebnisse werden in den kommenden Jahren erwartet. Parallel wird die deutsche Leitlinie zur Behandlung von Essstörungen überarbeitet. Es bleibt abzuwarten, ob sich innovative Ansätze wie die Familientherapie – und vielleicht auch Erkenntnisse zur Orthorexie – darin wiederfinden werden.
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