CES 2026: KI-Geräte gewinnen Anti-Preise für Überwachung
09.01.2026 - 18:39:12KI im Smart Home wird zur Datenfalle – das ist das vernichtende Urteil von Verbraucherschützern auf der Technikmesse CES in Las Vegas. Während Hersteller künstliche Intelligenz als Allheilmittel feiern, zeichnen Watchdog-Organisationen die bedenklichsten Produkte mit den „Worst in Show“-Preisen aus.
Den Titel als Cybersicherheits-Desaster sicherte sich das MERACH Ultra Tread. Der intelligente Laufband-Hersteller aus China räumt in seiner Datenschutzerklärung selbst ein, die Sicherheit der gesammelten Informationen „nicht garantieren“ zu können. Ein fatales Eingeständnis, denn das Gerät zeichnet nicht nur Biometrie und Trainingsgewohnheiten auf, sondern speichert auch Sprachinteraktionen mit dem KI-Coach.
„Das ist ein grundlegendes Versagen im Internet der Dinge“, urteilt Paul Roberts von Secure Repairs, einer der Preisrichter. Die Kombination aus sensiblen Gesundheitsdaten und einer unsicheren Large Language Model (LLM)-Integration mache das Gerät zum idealen Ziel für Cyberkriminelle. Besonders brisant: Die Sprachaufnahmen entstehen im privaten Wohnbereich.
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Kühlschrank als Werbeplattform, KI als „Seelenverwandter“
Den Gesamtsieg als „Overall Worst in Show“ errang Samsungs neuer Bespoke AI Family Hub Kühlschrank. Kritiker sprechen von „Smart Washing“ – dem Aufpropfen unnötiger KI-Funktionen, um höhere Preise und Datenextraktion zu rechtfertigen. Das Gerät mit Google’s Gemini 3 KI überwacht den Lebensmittelvorrat und dient als Marketing-Werkzeug, das Konsumgewohnheiten in Echtzeit analysiert.
Noch intimere Überwachung bietet „Ami“, der „People’s Choice“-Gewinner. Der Desktop-Begleiter des Beleuchtungsherstellers Lepro analysiert via Eye-Tracking und Stimmlage den emotionalen Zustand von Heimarbeitskräften. Preisrichter brandmarken das als „Überwachung als Dienstleistung“. Im Gegensatz zu passiven Sprachassistenten ist Ami ständig aktiv und normalisiert so biometrische Dauerüberwachung im Homeoffice.
Bosch und Amazon: Wie Alltagsgegenstände entmündigen
Der Trend zur „Enshittification“ – der systematischen Verschlechterung von Produkten für mehr Profit – zeigt sich bei deutschen Herstellern. Bosch erhielt gleich zwei Negativ-Auszeichnungen: für eine Kaffeemaschine, deren Premium-Funktionen nur per Abo freigeschaltet werden, und für eine E-Bike-App, die mittels „Parts Pairing“ Reparaturen mit Drittanbieterteilen blockiert.
„Hier geht es nicht um bessere Funktionen, sondern um Kontrolle“, analysieren die Verbraucherschützer. Die Software-Sperre beim E-Bike zerstört den unabhängigen Reparaturmarkt, während das Abo-Modell bei der Kaffeemaschine Eigentum in eine Dauermiete verwandelt.
Auch Amazon steht in der Kritik. Neue KI-Funktionen für Ring-Türkammern sollen „ungewöhnliche Situationen“ wie herumstreunende Kojoten oder verdächtige Personen erkennen. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) warnt vor ausgeweiteter Nachbarschaftsüberwachung und algorithmischer Voreingenommenheit. Was die KI als Anomalie einstuft, könnte alltägliches Nachbarschaftsleben in einen Strom falscher Sicherheitswarnungen verwandeln.
KI-Erschöpfung als Wendepunkt?
Die Botschaft der Anti-Preise ist deutlich: Der Hype um generative KI überholt bei weitem die Entwicklung von Sicherheitsstandards und Datenschutzregularien. „Die Sorge gilt nicht mehr nur dem Datendiebstahl, sondern der Verhaltensmanipulation und dem Verlust von Autonomie“, erklärt EFF-Geschäftsführerin Cindy Cohn.
Branchenbeobachter sehen 2026 als möglichen Wendepunkt. Die wachsende KI-Erschöpfung bei Verbrauchern, die Abo-Müdigkeit und Datenschutzrisiken leid sind, könnte Hersteller zum Umdenken zwingen. Doch ohne strenge, bundesweite Datenschutzgesetze bleibt die Last beim Verbraucher.
Der Rat der Preisrichter ist einfach: Jeden „Smart“-Kauf kritisch hinterfragen. Nicht nur, was das Gerät für einen tut, sondern welche Daten es im Gegenzug nimmt. In einer Welt, in der sich „intelligent“ und „sicher“ immer weiter voneinander entfernen, könnte das dümmste Gerät im Raum am Ende das sicherste sein.
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