Cerebras, Kernmarge

Cerebras: Kernmarge fällt von 47 auf 36 Prozent

24.06.2026 - 11:50:02 | boerse-global.de

KI-Chip-Hersteller Cerebras meldet 94 Prozent mehr Umsatz, senkt aber die Margenprognose. Anleger reagieren verunsichert auf den Ausblick.

Cerebras Systems: Rekordumsatz, doch Margenausblick enttäuscht
Cerebras - Nahaufnahme eines Mikrochips mit komplexen Schaltkreisen und einer subtilen Grafik, die einen Abwärtstrend darstellt, in einem Rechenzentrum. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die KI-Chip-Schmiede Cerebras Systems liefert starke Quartalszahlen ab – und enttäuscht zugleich mit einem schwachen Margenausblick. Die Aktie fällt im After-Hours-Handel.

Rekordumsatz, aber Fehlstart bei Gewinnen

Cerebras hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 193,4 Millionen Dollar erzielt. Das sind 94 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Kernumsatz lag bei 191,3 Millionen Dollar.

Doch der Gewinn blieb negativ. Das Unternehmen meldet einen operativen Kernverlust von 3,5 Millionen Dollar und einen Nettoverlust von 2,5 Millionen Dollar. Kein Wunder, dass Anleger verunsichert reagieren.

Der eigentliche Schocker sitzt tiefer. Cerebras rechnet für das zweite Quartal mit einer Kernmarge von nur 36 bis 38 Prozent. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwartet der Konzern 38 bis 41 Prozent.

Zum Vergleich: Im ersten Quartal lag die Kernmarge noch bei 47 Prozent. Das langfristige Ziel sind 60 Prozent – davon ist Cerebras meilenweit entfernt.

Warum die Marge schrumpft? Das Unternehmen leiht sich von einem Bestandskunden seine eigenen Systeme zurück. Grund: Cerebras fehlt die nötige Rechenzentrumskapazität, um die Nachfrage zu bedienen. Das drückt vorübergehend auf die Margen.

Rechenzentren als neue KI-Nadelöhre

CEO Andrew Feldman sieht eine grundlegende Verschiebung in der KI-Branche. Der Engpass sei nicht länger die Chip-Produktion oder die Kundennachfrage. Sondern der Zugang zu Rechenzentren.

Cerebras treibt daher den Ausbau massiv voran. Das Unternehmen führt Gespräche über mögliche Standorte in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Australien. Auch Singapur, Indien und Indonesien stehen auf der Liste.

Gigantischer OpenAI-Deal und AWS-Partnerschaft

Trotz der Margenschwäche hat Cerebras strategisch Großes erreicht. Der Konzern bestätigt eine mehrjährige Vereinbarung mit OpenAI. Der Deal hat ein Volumen von über 20 Milliarden Dollar.

OpenAI wird 750 Megawatt Rechenleistung des Cerebras-Systems nutzen. Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf OpenAIs Modell GPT-5.4, GPT-5.5 ist bereits in Planung.

Parallel dazu startet Cerebras eine Partnerschaft mit Amazon Web Services. Die Einnahmen daraus sollen ab 2027 fließen.

Ein weiterer Meilenstein: Im zweiten Quartal 2026 sammelte Cerebras 6,4 Milliarden Dollar bei seinem Börsengang ein. Das ist der größte Halbleiter-IPO der Geschichte.

Ausblick: Wachstum bleibt, Druck auch

Für das zweite Quartal 2026 erwartet Cerebras einen Kernumsatz von 194 Millionen Dollar – ein Plus von 88 Prozent zum Vorjahr. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern mit 855 bis 865 Millionen Dollar Kernumsatz. Das entspricht einem Wachstum von rund 69 Prozent.

Doch die Margenprognose bleibt der Schatten über der glänzenden Umsatzentwicklung. Solange Cerebras nicht beweist, dass die Profitabilität mit dem Wachstum Schritt hält, dürfte die Aktie unter Druck bleiben. Der OpenAI-Deal und die AWS-Partnerschaft sind vielversprechend. Aber der Bau neuer Rechenzentren braucht Zeit – und kostet Geld.

Am 10. Juli legt Cerebras die detaillierten Quartalszahlen vor. Dann zeigt sich, ob die Margenprognose nur eine Vorsichtsmaßnahme war oder zum Dauerproblem wird.

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