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Centuria Industrial REIT: Chance im Logistikboom – oder Value Trap?

23.02.2026 - 06:02:02 | ad-hoc-news.de

Australiens Logistik- und Industrie-REIT Centuria Industrial gerät nach der Zinswende wieder in Bewegung. Was deutsche Anleger jetzt über Bewertung, Ausschüttungen und Währungsrisiko wissen müssen – und wo noch Kurspotenzial lauern könnte.

Bottom Line zuerst: Centuria Industrial REIT ist ein spezialisierter Industrie- und Logistikimmobilienfonds aus Australien, der nach Jahren des Zinsdrucks wieder stärker auf den Radarschirmen institutioneller Investoren auftaucht. Für deutsche Anleger eröffnet sich damit eine Nischenchance im globalen Logistikboom – mit attraktiven Ausschüttungen, aber auch klaren Risiken bei Zins, Währung und Liquidität. Was Sie jetzt wissen müssen…

Während deutsche Immobilienwerte wie Vonovia oder LEG unter dem Zinsumfeld und dem schwachen Wohnungsmarkt leiden, positioniert sich Centuria Industrial REIT im wachstumsstarken Segment der Logistik- und Light-Industrial-Immobilien – also genau in dem Bereich, der vom E?Commerce- und Nearshoring-Trend strukturell profitiert.

Wer als deutscher Privatanleger über sein Depot bei Brokern wie Trade Republic, Scalable oder seinem Hausbank-Depot Zugang zu internationalen Börsen hat, kann den REIT als Beimischung in ein globales Immobilien- oder Dividenden-Portfolio prüfen – vorausgesetzt, man versteht die Besonderheiten des australischen Marktes und der Struktur eines REIT.

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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs

Centuria Industrial REIT (ISIN AU000000CIP9) ist ein an der Australian Securities Exchange (ASX) notierter Real Estate Investment Trust, der sich überwiegend auf Industrie-, Lager- und Logistikobjekte in Australien konzentriert. Das Portfolio besteht aus dutzenden Objekten, die an eine breite Basis von Mietern aus Industrie, Logistik und verarbeitendem Gewerbe vermietet sind.

Der Kursverlauf der vergangenen Jahre ist stark von der globalen Zinswende geprägt. Wie bei anderen REITs sank der Marktwert der Immobilien mit steigenden Renditen langfristiger Staatsanleihen; gleichzeitig stiegen die Finanzierungskosten. Das führte bei vielen Immobilienwerten zu einem deutlichen Abschlag auf den inneren Wert (Net Tangible Assets, NTA).

Im jüngsten Marktumfeld zeigt sich jedoch eine stabilisierende Tendenz: Die Inflation ist in vielen Industriestaaten rückläufig, die Notenbanken signalisieren das Ende des aggressiven Zinserhöhungszyklus. Das stützt weltweit REITs, auch in Australien. Centuria Industrial profitiert zusätzlich davon, dass Industrie- und Logistikflächen stärker nachgefragt werden als viele Büroimmobilien.

Für deutsche Anleger ist besonders relevant: Die Korrelation zu klassischen DAX-Werten ist begrenzt. Wer sein Portfolio geografisch und sektoral diversifizieren will, erhält mit einem australischen Industrie-REIT Renditetreiber, die nicht eins zu eins mit deutschen Immobilien- oder Zykliker-Aktien laufen.

Allerdings kommt eine zusätzliche Ebene ins Spiel: das Währungsrisiko. Der REIT notiert in australischen Dollar (AUD). Deutsche Anleger investieren in Euro, was bedeutet, dass sowohl Kursbewegungen der Aktie als auch Wechselkursschwankungen zwischen EUR und AUD auf die Gesamtrendite wirken. Ein fallender AUD kann eine positive Kursentwicklung teilweise oder ganz neutralisieren – umgekehrt kann ein starker AUD die Rendite hebeln.

Operativ ist Centuria Industrial REIT auf stabile Cashflows ausgerichtet. Typische Merkmale:

  • Lange Mietverträge mit Industrie- und Logistikmietern
  • Indexierte Mieten, häufig mit Kopplung an die Inflation
  • Hohe Auslastungsquote im Portfolio
  • Regelmäßige Ausschüttungen (Distributions) an Anleger

Diese Struktur macht den REIT insbesondere für einkommensorientierte Investoren interessant, die regelmäßige Ausschüttungen suchen. In Australien sind REITs steuerlich darauf ausgelegt, einen Großteil des Cashflows an die Anleger weiterzureichen.

Für deutsche Anleger gilt: Ausschüttungen sind grundsätzlich steuerpflichtig und können unter Umständen aus einem Mix aus Dividenden-ähnlichen Erträgen und Kapitalrückzahlungen bestehen. Doppelbesteuerungsabkommen und individuelle Steuersituation spielen eine zentrale Rolle. Wer nennenswerte Beträge investieren will, sollte die steuerliche Behandlung mit einem Steuerberater abklären.

Ein weiterer Punkt, der im Kursbild erkennbar ist: Der Markt preist bei vielen internationalen REITs aktuell noch immer einen Sicherheitsabschlag ein – aus Sorge vor weiter steigenden Zinsen, sinkenden Immobilienbewertungen oder Rezessionsrisiken. Für Centuria Industrial bedeutet das, dass der Kurs im Verhältnis zum Nettovermögen des Portfolios (NTA je Anteil) nicht voll bewertet ist. Für Value-orientierte Anleger kann genau dieser Abschlag den Investment-Case ausmachen – vorausgesetzt, die Immobilienwerte bleiben stabil oder erholen sich.

Auf der Risiko-Seite stehen insbesondere:

  • Zinsrisiko: Weitere Zinserhöhungen oder länger hoch bleibende Leitzinsen könnten Bewertungen erneut unter Druck setzen.
  • Refinanzierungsrisiko: Auslaufende Kredite müssen zu möglicherweise höheren Konditionen prolongiert werden.
  • Marktrisiko: Ein Abschwung der australischen Wirtschaft oder des globalen Warenverkehrs könnte die Nachfrage nach Logistikflächen dämpfen.
  • Liquiditätsrisiko: Im Vergleich zu DAX- oder S&P-500-Werten ist die Handelsliquidität geringer – Spreads können für Privatanleger sichtbar sein.

Für Anleger in Deutschland ist damit klar: Centuria Industrial REIT ist keine „Basisanlage“ wie ein globaler ETF, sondern eine spezialisierte Beimischung, die Diversifikation und Renditechance bietet – aber im Gegenzug stärkeres Einzelwertrisiko, Währungsschwankungen und Komplexität bei Steuern und Handel mit sich bringt.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Australische Immobilien-REITs werden regelmäßig von spezialisierten Research-Häusern und lokalen Niederlassungen internationaler Banken gecovert. In den jüngsten Einschätzungen zu Centuria Industrial REIT zeigt sich ein vorsichtig konstruktives Bild: Analysten verweisen auf die relativ defensive Natur von Logistik- und Industrieimmobilien, warnen aber gleichzeitig vor den Unwägbarkeiten der Zinsentwicklung.

Die Tendenz der letzten Research-Updates lässt sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:

  • Bewertung: Viele Analysten sehen den aktuellen Kurs im unteren bis mittleren Bereich der fairen Wert-Spanne, wobei der Abschlag zum NTA als Puffer interpretiert wird.
  • Ausschüttung: Die Dividenden- bzw. Distributionsrendite wird als attraktiv eingeschätzt, sofern die Cashflows aus Vermietung stabil bleiben und keine größeren Leerstände auftreten.
  • Ausblick: Die Prognosen gehen meist von stabilen bis moderat steigenden Mieteinnahmen aus, dank indexierter Verträge und solider Nachfrage nach Logistik- und Industrieflächen.

Für deutsche Investoren ist besonders interessant, wie sich Centuria Industrial im Vergleich zu europäischen und deutschen Immobilienwerten positioniert. Während hierzulande viele Wohnimmobilien-Konzerne stark verschuldet sind und sich mit politischen Eingriffen (Mietendeckel, Regulierung) auseinandersetzen müssen, sieht das regulatorische Umfeld in Australien derzeit vergleichsweise planbar aus.

Die implizite Botschaft der Analysten: Wer bereit ist, über den heimischen Markt hinauszuschauen, kann mit einem Industrie-REIT wie Centuria Industrial Zugang zu einem anderen Konjunkturzyklus und einem anderen immobilienwirtschaftlichen Umfeld erhalten. Doch ohne genaue Betrachtung von Verschuldung, Zinsbindung, Laufzeitenstruktur und Mietverträgen sollte kein Investment-Entscheid getroffen werden.

Wichtig für Anleger in Deutschland: Research-Empfehlungen aus Australien sind nicht immer leicht zugänglich, die Tiefe der Analysen auf deutschen Finanzportalen kann variieren. Entsprechend ist es sinnvoll, mehrere Quellen zu konsultieren – etwa internationale Finanzinformationsdienste, den Investor-Relations-Bereich von Centuria sowie unabhängige Analysen in Form von Videos oder Blogs.

Beim Blick auf den Gesamtmarkt fällt zudem auf: Internationale Immobilien-ETFs gewichten australische REITs häufig nur marginal. Wer Centuria Industrial REIT ins Depot holt, trifft also eine aktive, bewusste Abweichung von der passiven Benchmark – mit der Chance auf Outperformance, aber auch mit dem Risiko, dass sich eine solche Wette nicht auszahlt.

Für eine fundierte Entscheidung sollten deutsche Anleger schließlich drei Fragen für sich beantworten: Passt das Währungsrisiko in mein Profil? Kann ich mit der Volatilität eines spezialisierten REITs leben? Und bin ich bereit, mich mit den Besonderheiten des australischen Marktes auseinanderzusetzen?

Wer diese Fragen mit Ja beantwortet und Diversifikation abseits des eurozentrierten Portfolios sucht, findet in Centuria Industrial REIT einen spannenden Baustein im globalen Logistik- und Industrieimmobilien-Segment – allerdings nur als gezielte Beimischung, nicht als Ersatz für breit gestreute Immobilien- oder Welt-ETFs.

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