Cellebrite: Wie Regierungen Aktivisten-Handys knacken
19.02.2026 - 09:00:12 | boerse-global.deEin aktueller Bericht des Citizen Lab zeigt, wie Regierungen zunehmend kommerzielle Spionage- und Forensik-Werkzeuge einsetzen, um die Kommunikation von Aktivistinnen und Menschenrechtsverteidigern zu kompromittieren. Der Fall eines prominenten kenianischen Dissidenten, dessen Smartphone mit Technologie der israelischen Firma Cellebrite ausgelesen wurde, rückt die wachsende Bedrohung durch physischen Gerätezugriff in den Fokus und erzwingt eine Neubewertung der Sicherheitsstrategien für zivilgesellschaftliche Akteure weltweit.
Kenianischer Aktivist wurde Ziel von Cellebrite-Software
Die Sicherheit von Aktivisten und Journalisten steht erneut auf dem Prüfstand. Diese Woche veröffentlichte das renommierte Forschungsinstitut Citizen Lab einen alarmierenden Bericht. Die Untersuchung dokumentiert, wie kenianische Behörden ein forensisches Extraktionswerkzeug der israelischen Firma Cellebrite nutzten, um das Smartphone des bekannten Aktivisten Boniface Mwangi zu knacken.
Der Vorfall ereignete sich, nachdem Mwangi im Juli 2025 verhaftet worden war. Sein Samsung-Smartphone wurde beschlagnahmt. Als er es fast zwei Monate später zurückerhielt, war der Passwortschutz entfernt. Eine forensische Analyse fand Spuren von Cellebrite-Technologie auf dem Telefon.
Solche Werkzeuge kopieren den gesamten Dateninhalt eines Geräts. Sie stellen eine massive Verletzung der Privatsphäre dar und gefährden das gesamte Netzwerk der Zielperson.
Ein beunruhigendes globales Muster
Der Einsatz in Kenia ist kein Einzelfall. Citizen Lab und andere Organisationen dokumentieren ähnliche Vorfälle weltweit. Erst im Vormonat deutete ein Bericht darauf hin, dass jordanische Behörden die gleiche Software gegen Israel-kritische Aktivisten nutzten.
Weitere Berichte weisen auf den Einsatz in Serbien, Myanmar, Botswana und Belarus hin. Der Markt für kommerzielle Überwachungstechnologie floriert. Er gibt autoritären wie auch demokratischen Regierungen mächtige Werkzeuge an die Hand, um Protest zu unterdrücken.
Wie können sich Aktivisten schützen?
Angesichts dieser Bedrohung müssen Sicherheitsstrategien erweitert werden. Verschlüsselung und sichere Messenger bleiben grundlegend, reichen aber nicht mehr aus. Experten betonen die Wichtigkeit des sogenannten „Bedrohungsmodells“ (Threat Modeling).
Dabei analysieren Nutzer, welche Daten besonders schützenswert sind und von wem die größte Gefahr ausgeht. Für Demonstrationen wird ein separates Telefon mit minimalen Daten empfohlen. Biometrische Entsperrmethoden wie der Fingerabdruck sollten deaktiviert werden – Behörden können sie rechtlich leichter umgehen als ein Passwort.
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Private Firmen als Enabler der Überwachung
Die Verbreitung wird durch ein Ökosystem privater Unternehmen wie der NSO Group und Cellebrite ermöglicht. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit langem, dass diese Firmen ihre Produkte an Regierungen mit schlechter Menschenrechtsbilanz verkaufen.
Der Einsatz hat einen „Chilling Effect“ auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Wenn Aktivisten fürchten müssen, dass ihre digitale Existenz bei einer Verhaftung offengelegt wird, führt das zu Selbstzensur. Es kann zivilgesellschaftliches Engagement im Keim ersticken.
Ein technologisches Wettrüsten
Die Entwicklung schreitet rasant voran. Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Überwachungssysteme könnte die Analysefähigkeiten von Staaten weiter verstärken. Gleichzeitig arbeiten Organisationen daran, Aktivisten mit Wissen und Werkzeugen auszustatten.
Die Rufe nach einer strengeren internationalen Regulierung des Handels mit Überwachungstechnologie werden lauter. Für Aktivisten bleibt es unerlässlich, sich ständig weiterzubilden und ihre Sicherheitsvorkehrungen anzupassen. Die Enthüllungen aus Kenia sind eine deutliche Mahnung: Der Schutz der digitalen Sphäre ist ein zentraler Bestandteil des Kampfes für Menschenrechte im 21. Jahrhundert.
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