Centrais Elétricas de SC, BRCLSCACNPB2

Celesc-Aktie im Fokus: Stabiler Versorger mit Insider-Fantasie und Dividendenprofil

01.02.2026 - 12:18:14

Die Aktie von Centrais Elétricas de Santa Catarina (Celesc) bleibt ein Nischenwert mit solider Bilanz, attraktiver Dividendenhistorie – aber begrenzter Liquidität und erhöhtem politischen Risiko.

Während Technologiewerte weltweit die Schlagzeilen dominieren, läuft im Schatten der großen Indizes ein unscheinbarer, aber für Dividendenjäger interessanter Titel: die Vorzugsaktie von Centrais Elétricas de Santa Catarina (Celesc). Der Regionalversorger aus dem südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina notiert weit entfernt von den Börsenstars an der Wall Street, bietet aber ein für Versorger typisches Profil aus relativ berechenbaren Cashflows, Ausschüttungspotenzial – und einem deutlichen Schuss politischer Einflussnahme.

Aktuell wird die Celesc-Vorzugsaktie (ISIN BRCLSCACNPB2) an der B3 in São Paulo zu rund 18,3 bis 18,5 Brasilianischen Real gehandelt. Die letzten verfügbaren Kurse aus dem Handel zeigen eine eher ruhige Seitwärtsbewegung nach einem schwächeren Spätherbst. Auf Sicht weniger Tage verläuft die Aktie in einer engen Spanne, das Handelsvolumen ist überschaubar, und größere institutionelle Adressen aus Europa oder den USA finden sich kaum im Orderbuch. Dennoch signalisiert der Kursverlauf der vergangenen Quartale: Der Markt hat den starken Rebound nach der Pandemie weitgehend eingepreist, die Erwartungen sind weder euphorisch noch panisch – ein klassisches „Versorger-Sentiment“.

Nach Daten von mehreren Kursanbietern liegt die Titelentwicklung im kurzfristigen Bild leicht negativ, während der mittelfristige Trend über drei Monate durch eine breite Seitwärtszone gekennzeichnet ist. Das aktuelle Kursniveau bewegt sich spürbar unter dem 52?Wochen-Hoch, das in der Nähe von 22 Real markiert wurde, aber komfortabel über dem Jahrestief im Bereich von gut 15 Real. Börsianer sehen damit ein ausgewogenes Chance-Risiko-Profil: begrenztes Abwärtspotenzial durch den regulierten Geschäftscharakter, aber ebenso begrenzte Fantasie nach oben, solange keine strukturellen Veränderungen – etwa bei Regulierung, Eigentümerstruktur oder Dividendenpolitik – erkennbar werden.

Ein-Jahres-Rückblick: Das Investment-Szenario

Wer vor rund einem Jahr in die Celesc-Vorzugsaktie eingestiegen ist, muss sich mit einem moderaten Minus arrangieren. Die Schlusskurse vom Beginn des Vorjahres lagen nach Daten mehrerer Kursplattformen in einer Spanne um rund 19 Real. Auf dieser Basis ergibt sich im Vergleich zum aktuellen Kurs ein Rückgang im hohen einstelligen Prozentbereich.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Ein Anleger, der damals 10.000 Real in die Aktie investiert hat, hält heute – Kursbewegungen allein betrachtet – Wertpapiere im Gegenwert von etwa 9.000 bis 9.200 Real. Das entspricht einem Buchverlust von rund 800 bis 1.000 Real. Wird allerdings die Dividendenkomponente einbezogen, relativiert sich das Bild. Celesc hat in den vergangenen Jahren regelmäßig Ausschüttungen geleistet. Dividendenorientierte Investoren, die Erträge wiederangelegt haben, liegen deshalb nicht selten näher an der Nulllinie oder sogar leicht im Plus. Emotional bleibt die Bilanz dennoch zwiespältig: Vom schnellen Kursgewinn können Anleger nicht berichten, dafür aber von einer soliden, wenn auch schwankungsanfälligen Versorgerposition im Depot.

Aktuelle Impulse und Nachrichten

Neue, kursbewegende Unternehmensnachrichten im internationalen Nachrichtenfluss sind zuletzt eher spärlich gewesen. Weder globale Wirtschaftsmedien noch die großen englischsprachigen Finanzportale berichten aktuell ausführlich über Celesc. Das liegt vor allem am Regionalcharakter des Unternehmens: Celesc ist ein stark lokal verankerter Energieversorger mit Fokus auf Stromverteilung und -erzeugung in Santa Catarina und damit für internationale Wachstums- und Technologiefonds nur bedingt von Interesse.

Auf lokaler Ebene in Brasilien stehen indes klassische Energiethemen im Vordergrund: die Diskussion um künftige Tarifanpassungen im regulierten Netzgeschäft, mögliche Investitionsprogramme zur Netzerneuerung, sowie die Rolle erneuerbarer Energien im Erzeugungsportfolio. Hinzu kommen immer wieder Spekulationen über Veränderungen in der Eigentümerstruktur, da der Bundesstaat Santa Catarina ein zentraler Aktionär ist. Politische Zyklen und Regierungswechsel können dabei Einfluss auf Dividendenpolitik, Investitionsentscheidungen und mögliche Privatisierungsschritte haben. Vor wenigen Wochen wurden in der brasilianischen Presse erneut Überlegungen laut, dass Regionalversorger künftig stärker auf Effizienzprogramme und Netzausbau setzen müssten, um regulatorischen Druck zu begegnen. Konkrete, den Kurs unmittelbar bewegende Beschlüsse speziell zu Celesc liegen aktuell aber nicht auf dem Tisch.

Aus technischer Sicht deutet der fehlende Nachrichtenfluss auf eine Phase der Konsolidierung hin. Charttechniker sprechen von einer „Seitwärtszone“: Die Kursschwankungen sind überschaubar, klare Trends fehlen. In solchen Phasen dominieren kurzfristig orientierte Händler und lokale Anleger, während langfristige Investoren die Zeit nutzen, um Bewertungsmodelle zu überprüfen – insbesondere im Hinblick auf die Zinsentwicklung in Brasilien. Sinkende Leitzinsen machen defensive Dividendentitel wie Versorgeraktien tendenziell attraktiver, steigende Zinsen dagegen belasten Bewertungsmultiplikatoren.

Das Urteil der Analysten & Kursziele

Im Gegensatz zu globalen Energieriesen wie Enel, Iberdrola oder E.ON wird Celesc nur von einer Handvoll lokaler Brokerhäuser und Research-Adressen in Brasilien systematisch gecovert. Bei den großen internationalen Investmentbanken wie Goldman Sachs, JPMorgan oder der Deutschen Bank finden sich derzeit keine prominenten, öffentlich zugänglichen aktuellen Studien oder Kursziele, die sich explizit auf die Celesc-Vorzugsaktie beziehen. Der Titel bleibt damit ein Nischenwert, der vor allem in Berichten brasilianischer Häuser auftaucht.

Die Stimmen, die vorhanden sind, lassen sich grob so zusammenfassen: Die Mehrheit der lokalen Analysten ordnet die Aktie in die Kategorie „Halten“ ein. Begründet wird dies mit dem regulierten Geschäftsmodell, soliden Erträgen und einer im Branchenvergleich akzeptablen Verschuldung, gepaart mit begrenzter Wachstumsdynamik und politischer Einflussnahme. Kursziele bewegen sich häufig in einer Spanne von knapp unter 20 bis knapp über 20 Real und liegen damit nur leicht über dem aktuellen Kursniveau. Der implizite Aufschlag nach oben fällt damit moderat aus – ein Hinweis darauf, dass Analysten kurzfristig keine explosionsartige Neubewertung erwarten.

Als positive Faktoren werden die stabile Nachfrage nach Strom, die regionale Marktstellung in einem wirtschaftlich vergleichsweise gut entwickelten Bundesstaat sowie eine Historie verlässlicher, wenn auch schwankender Dividendenzahlungen hervorgehoben. Negativ schlagen vor allem die begrenzte Handelstiefe der Aktie, die hohe Abhängigkeit von regulatorischen Entscheidungen und die politische Dimension der Beteiligung des Bundesstaats zu Buche. Für internationale Fondsmanager, die strengen Liquiditätskriterien unterliegen, ist die Aktie damit nur schwer skalierbar, was wiederum die Kursfantasie deckelt.

Ausblick und Strategie

Für die kommenden Monate dürften drei Themen den Kurs der Celesc-Aktie maßgeblich beeinflussen: die Regulierung, die Zinslandschaft in Brasilien und der Umgang des Mehrheitsaktionärs mit Dividenden und Investitionen. Auf der Regulierungsseite steht die Frage im Raum, in welchem Umfang und in welchem Tempo mögliche Tarifanpassungen genehmigt werden. In Phasen hoher Inflation und politisch sensibler Strompreise ist der Spielraum der Aufsichtsbehörden begrenzt. Gelingt es Celesc, höhere Kosten – etwa für Netzausbau oder Modernisierung – angemessen in die Tarife zu übersetzen, stützt dies Margen und Bewertung.

Die Zinsentwicklung ist der zweite große Hebel. Sollte die brasilianische Notenbank ihren Zinssenkungszyklus fortsetzen, werden defensive Versorgerwerte attraktiver, da die Diskontierung zukünftiger Cashflows weniger stark ausfällt und alternative Anlagen in festverzinsliche Wertpapiere an Reiz verlieren. In einem Umfeld fallender Zinsen spielt die Dividendenrendite ihre Stärke aus: Für einkommensorientierte Anleger kann Celesc dann als Baustein eines lateinamerikanischen Dividendenportfolios interessant werden – vorausgesetzt, die Ausschüttungspolitik bleibt verlässlich.

Drittens rückt der Staat als Großaktionär in den Fokus. Jede Diskussion über mögliche Privatisierungsschritte, Beteiligungsverkäufe oder Governance-Reformen kann den Kurs kurzfristig deutlich bewegen. Bislang sind entsprechende Initiativen eher punktuell und vorsichtig formuliert. Gleichwohl bleibt das Szenario eines teilweisen Rückzugs des Staates oder einer strikteren Corporate Governance-Struktur eine mittel- bis langfristige Fantasie, die einen Bewertungsaufschlag rechtfertigen könnte. Umgekehrt bergen politische Eingriffe – etwa bei der Besetzung des Managements oder der Dividendenfestlegung – das Risiko, dass Minderheitsaktionäre an den Rand gedrückt werden.

Strategisch sollten Anleger daher klar definieren, welche Rolle Celesc im Portfolio spielen soll. Für kurzfristig orientierte Trader ist die Aktie aufgrund des geringen Volumens und der engen Spreads nur bedingt geeignet. Langfristinvestoren mit Fokus auf Dividenden und Infrastruktur können den Wert als Beimischung betrachten – allerdings unter Inkaufnahme politischer und regulatorischer Risiken sowie der Abhängigkeit von der brasilianischen Makrolage. Wer investiert, muss bereit sein, Kursschwankungen auszusitzen und die Position eher wie eine Beteiligung an einem regionalen Versorgungsnetz denn als spekulativen Wachstumswert zu betrachten.

Unter Bewertungsgesichtspunkten wirkt Celesc im Branchenvergleich nicht überzogen teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bewegt sich – je nach Gewinnschätzung – in einer moderaten Spanne, die für regulierte Versorger typisch ist. Der Abschlag gegenüber großen, liquiden Peer-Werten erklärt sich weniger aus der operativen Qualität als vielmehr aus der Kombination aus Marktenge, Regionalität und Staatseinfluss. Für Anleger in der D?A?CH-Region, die gezielt in Emerging-Markets-Infrastruktur investieren wollen, bleibt Celesc damit ein Spezialwert für Kenner – kein breiter Marktliebling, aber eine interessante Option für jenes Segment, das politisch geprägte Versorgerstrukturen nicht scheut.

Die Summe der Faktoren spricht für ein nüchternes Fazit: Celesc ist derzeit kein Titel für spektakuläre Kursfeuerwerke, sondern ein Kandidat für vorsichtige Optimisten mit langem Atem. Wer auf stabile Cashflows, potenzielle Dividenden und eine gewisse Insider-Fantasie durch mögliche Veränderungen in der Eigentümerstruktur setzt, findet hier eine Nische im brasilianischen Energiemarkt – mit Chancen, aber auch mit klar umrissenen Risiken.

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