CBAM: EU-Klimazoll steckt in der Umsetzungskrise fest
09.02.2026 - 13:16:11Die neue CO₂-Grenzabgabe der EU droht an bürokratischen Hürden zu scheitern. Nur wenige Wochen nach dem Start der entscheidenden Phase klafft eine riesige Lücke zwischen Theorie und Praxis.
BERLIN/NEW DELHI – Der europäische Klimazoll CBAM ist in seiner Umsetzung festgefahren. Obwohl die endgültige Phase seit dem 1. Januar 2026 läuft, fehlt es an der nötigen Infrastruktur zur Überprüfung der Emissionsdaten. Diese Woche wurde das Problem akut: Ein neues Handelsabkommen zwischen der EU und Indien ließ die kritischen CBAM-Fragen unbeantwortet. Exporteure stehen vor unklaren Kosten und bürokratischen Bergen.
Das große Daten-Chaos: Wer soll das prüfen?
Das Kernproblem ist ein akuter Mangel an zugelassenen Prüfern. Unternehmen müssen zwar erstmals reale Emissionsdaten liefern, doch die Stellen, die diese Daten verifizieren sollen, gibt es kaum. Die deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS will das Bewerbungsverfahren für Prüfer erst im laufenden Quartal öffnen.
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Diese Verzögerung schafft ein gefährliches Vakuum. Importeure sammeln bereits CO₂-Verpflichtungen für 2026 an, haben aber niemanden, der ihre Zahlen offiziell bestätigen kann. Die deutsche Emissionshandelsstelle DEHSt deutet an, dass eine Überprüfung möglicherweise erst rückwirkend vor der Frist im September 2027 erfolgt. Marktbeobachter warnen vor einem gewaltigen Engpass, wenn Tausende Importeure dann gleichzeitig die Daten eines ganzen Jahres nachweisen müssen.
Handelskonflikt verschärft sich: Indien-Deal ignoriert Klimazoll
Die politischen Spannungen traten am Montag offen zutage. Ein gerade unterzeichnetes Handelsabkommen zwischen der EU und Indien senkte zwar Zölle, umging aber bewusst den CBAM. Damit bleiben die Hürden für wichtige Exportgüter wie Stahl bestehen.
„Trotz des neuen Pakts bleiben unsere Stahlexporte verwundbar“, sagte Indiens Stahlstaatssekretär Sandeep Poundrik in Neu-Delhi. Rund zwei Drittel der indischen Stahlausfuhren gehen nach Europa. Die „Praxisprobleme“ bei der Einhaltung der EU-Vorschriften behinderten weiterhin den Handel, so Poundrik. Indische Exporteure stehen vor einer doppelten Belastung: den Kosten der Abgabe selbst und dem bürokratischen Aufwand für die EU-konforme Datenerfassung.
Versteckte Kosten und der Kampf um echte Daten
Der Wechsel von pauschalen Schätzwerten zu tatsächlichen Emissionsdaten wird teuer. Neben den direkten Kosten für CBAM-Zertifikate kommen erhebliche indirekte Aufwände hinzu. Unternehmen müssen neue Messsysteme aufbauen, die den EU-Methodiken entsprechen.
Doch was passiert, wenn die echten Daten mangels Prüfer nicht verifiziert werden können? Importeure müssten auf Strafwerte zurückgreifen – pauschale Standardsätze, die abschreckend hoch angesetzt sind. Die Komplexität wird weiter zunehmen: Großbritannien plant einen eigenen CBAM ab 2027. Exporteure müssen sich dann auf ein zersplittertes Geflecht unterschiedlicher Vorschriften einstellen.
Systematisches Versagen mit Ansage
Die aktuelle Lage offenbart eine grundlegende Fehlplanung. Der Start der endgültigen Phase am 1. Januar sollte einen reibungslosen Übergang bedeuten. Stattdessen herrscht sechs Wochen später Unsicherheit darüber, wie und von wem die Daten überprüft werden sollen.
Experten sehen in der EU-Entscheidung, die Zahlungspflicht auf 2027 zu verschieben, ein stilles Eingeständnis dieser Probleme. Doch die Verzögerung löst die akuten Schwierigkeiten bei der Datenerfassung nicht. Importeure horten Emissionsdaten, ohne zu wissen, ob sie den späteren Prüfstandards standhalten. Es ist ein systemisches „Praxisproblem“: Die Pflicht zu zahlen und die Fähigkeit zu prüfen, was geschuldet wird, sind nicht synchronisiert.
Wettlauf gegen die Zeit
Das erste Quartal 2026 wird entscheidend. Alle Blicke richten sich auf DAkkS und andere nationale Akkreditierungsstellen. Schaffen sie es, schnell genug Prüfer zu zertifizieren? Falls nicht, könnte die EU-Kommission unter Druck geraten, Übergangslösungen wie „Vorab-Verifizierungen“ zuzulassen.
Auch auf diplomatischer Ebene bleibt die Lage angespannt. Während große Handelsdeals den CBAM aussparen, könnten technische Gespräche zwischen der EU und Indien im ersten Halbjahr 2026 starten. Solche Foren wären die letzte Chance, die praktischen Hindernisse zu beseitigen, bevor der Klimazoll 2027 finanziell voll zuschlägt. Die Uhr tickt.
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