CBAM, EU-Klimazoll

CBAM: EU-Klimazoll startet mit Verzerrungen und Notbremse-Debatte

13.02.2026 - 10:00:12

Der neue EU-Klimazoll CBAM zeigt erste Marktwirkung – und sorgt bereits für politische Zerreissproben. Während Importeure vor dem Start Hamsterkäufe tätigten, droht eine geplante Notfallklausel den grünen Preissignalen zu verwässern.

Der norwegische Düngemittelriese Yara International liefert eine erste konkrete Analyse der neuen Handelsrealität. In einer Bilanzkonferenz diese Woche bestätigten Manager einen deutlichen Import-Ansturm auf den europäischen Markt im vierten Quartal 2025. Händler brachten ihre Waren noch vor dem 1. Januar 2026 in die EU, um den neuen CO₂-Kosten zu entgehen.

„Marktteilnehmer haben ihre Lieferungen beschleunigt, um die Zollabfertigung vor der Deadline zu schaffen“, so Magnus Ankarstrand, Entwicklungsvorstand bei Yara. Diese vorgezogenen Importe haben vorübergehend hohe Lagerbestände geschaffen. Analysten gehen davon aus, dass sich die vollen CBAM-Kosten für Verbraucher deshalb erst im Frühjahr bemerkbar machen, wenn diese Vorratslager leer sind.

„Artikel 27a“: Notbremse spaltet Industrie

Parallel sorgt ein geplanter Gesetzeszusatz in Brüssel für hitzige Debatten. Die umstrittene Notfallklausel „Artikel 27a“ würde es der EU-Kommission erlauben, bestimmte Güter temporär von den CBAM-Abgaben zu befreien. Voraussetzung: Unvorhergesehene Preissprünge fügen dem Binnenmarkt „schweren Schaden“ zu.

Die scharfe Kritik kommt vor allem aus der Grundstoffindustrie. Stahl- und Stromproduzenten fürchten, dass vage Formulierungen politische Willkür fördern und die Lenkungswirkung des Instruments untergraben. „Welches Maß an Schaden ist denn ‚schwer‘?“, fragen Branchenvertreter. Sie warnen vor einem Ausverkauf der Klimaziele. Abnehmerindustrie und verarbeitende Betriebe begrüßen die Klausel hingegen als notwendigen Puffer gegen Lieferkettenrisiken.

Großbritannien schafft eigenen, parallelen Zoll

Während Brüssel feilt, baut London ein eigenes System auf. Die britische Regierung legte am 10. Februar Entwürfe für einen UK Carbon Border Adjustment Mechanism vor, der 2027 starten soll.

Das Ziel ist ähnlich, die Ausgestaltung weicht jedoch ab. Handelsexperten warnen vor einer doppelten Bürokratielast für Unternehmen, die über den Ärmelkanal handeln. Besonders betroffen wären die Aluminium-, Zement- und Düngemittelbranche. Eine Konsultationsphase soll nun technische Details klären und die Systeme annähern.

Vereinfachungen entlasten kleine Importeure

Für die Praxis bedeutend sind Vereinfachungen, die Ende 2025 beschlossen wurden. Zwar läuft die definitive Phase seit Januar, der Verkauf der CBAM-Zertifikate wurde jedoch auf den 1. Februar 2027 verschoben. Importeure können ihre CO₂-Kosten für 2026 also erst im Nachhinein begleichen.

Zudem gilt eine neue Bagatellgrenze: Sendungen mit weniger als 50 Tonnen CO₂-Emissionen per Jahr sind befreit. Diese Regelung entlastet schätzungsweise 90 Prozent der kleineren Importeure von administrativem Aufwand, deckt aber weiterhin über 99 Prozent der gesamten importierten Emissionen ab.

Zerrbild zwischen Klimapolitik und Wirtschaftsschutz

Die Entwicklungen der Woche zeigen das grundlegende Spannungsfeld der EU-Klimapolitik. Einerseits soll der CBAM Carbon Leakage verhindern – also die Verlagerung schmutziger Produktion in Länder mit lascheren Klimaregeln. Andererseits steht der Schutz der heimischen Industrie vor unlösbaren Kosten im Raum.

Die Debatte um die Notbremse offenbart diesen Konflikt. Werden die Kriterien für Ausnahmen zu weit gefasst, könnte der Druck auf internationale Produzenten sinken, in grüne Technologien zu investieren. Sie könnten auf regelmäßige Befreiungen in Hochpreisphasen hoffen.

Die Entscheidung über „Artikel 27a“ fällt in den kommenden Wochen im Europäischen Parlament und Rat. Eine Ablehnung oder deutliche Verschärfung der Klausel könnte volatile Reaktionen an den Märkten für CO₂-intensive Rohstoffe auslösen. Für Unternehmen heißt es jetzt: Importmengen prüfen und die ersten Quartalsberichte unter dem neuen Regime vorbereiten.

Anzeige

CBAM-Meldepflichten und Ausnahmeregeln sind komplex — besonders für Importeure von Düngemitteln, Stahl oder Zement. Ein praxisorientiertes E‑Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Reportingpflichten erfüllen, Ausnahmen prüfen und Strafrisiken vermeiden. Mit Checklisten für Importeure, Melde-Vorlagen und konkreten Handlungsempfehlungen zur Bestandsteuerung. Jetzt kostenlosen CBAM-Leitfaden herunterladen

@ boerse-global.de

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.