Carbios Aktie: 62 Prozent unter Dezember-Hoch
19.06.2026 - 02:07:31 | boerse-global.de
Das Recycling-Startup Carbios muss seinen wichtigsten Industrieschritt verschieben. Die erste PET-Biorecycling-Anlage in China startet später als geplant — und zieht eine Finanzierungsverschiebung nach sich.
Anlage in Haining kommt später
Carbios betreibt das China-Projekt gemeinsam mit dem Partner Wankai New Materials. Die Anlage im ostchinesischen Haining soll jährlich 50.000 Tonnen PET-Abfall verarbeiten. Ursprünglich war ein früherer Start vorgesehen. Nun rechnet das Unternehmen mit der Inbetriebnahme erst in der ersten Hälfte 2028.
Als Grund nennt Carbios zusätzliche technische Anpassungsarbeiten. Die enzymatischen Prozesse müssen auf die spezifischen Bedingungen des Standorts abgestimmt werden. Parallel läuft die Validierung lokal verfügbarer Abfallströme.
Kapitalerhöhung verschiebt sich
Die Verzögerung hat direkte Folgen für die Finanzierung. Wankai wollte ursprünglich in der ersten Jahreshälfte 2026 für fünf Millionen Euro neue Carbios-Aktien zeichnen. Dieser Schritt fällt nun auf spätestens 31. Dezember 2026 — vorbehaltlich chinesischer Behördengenehmigungen.
Carbios schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einer Kassenlage von 59 Millionen Euro ab. Das reicht nach eigenen Angaben, um die laufenden Kosten für mehr als zwölf Monate zu decken. Die Kapitalerhöhung ist damit keine Notfallmaßnahme, sondern ein strategisch vereinbartes Signal der Partnerschaft.
Kurs unter Druck
An der Börse spiegelt sich die schwierige Phase deutlich wider. Die Aktie notiert bei 6,00 Euro — rund 62 Prozent unter dem Dezember-Hoch von 15,79 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast die Hälfte seines Wertes verloren.
Jenseits des China-Projekts stützt sich Carbios auf weitere Standbeine. In Frankreich plant das Unternehmen die Longlaville-Anlage, für die es nicht verwässernde öffentliche Fördergelder gesichert hat. Rund die Hälfte der künftigen Produktionskapazität ist bereits durch Vorverträge abgedeckt. Zu den Partnern im Verpackungskonsortium zählen L'Oréal, Nestlé Waters, PepsiCo und Suntory Beverage & Food Europe.
Der nächste konkrete Meilenstein bleibt die Wankai-Kapitalzeichnung bis Jahresende — und damit ein erster Beweis, dass die Partnerschaft trotz Verzögerung trägt.
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