BZI: Bayerns neues Zentrum für digitale Infektionsmedizin startet
09.01.2026 - 20:24:13München/Brüssel – Mit dem Start des Bayerischen Zentrums für präventive Infektionsmedizin (BZI) erreicht der Spagat zwischen Datenschutz und medizinischem Fortschritt einen Durchbruch. Kern ist eine neue Anonymisierungstechnik, die Patientendaten für KI-Analysen nutzbar macht.
Ein Netzwerk für die digitale Prävention
Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hat heute das Bayerische Zentrum für präventive Infektionsmedizin (BZI) offiziell eröffnet. Der landesweite Forschungsverbund vernetzt sechs Universitätskliniken, darunter Erlangen, München und Würzburg. Ziel ist die frühzeitige Erkennung von Infektionsrisiken und die schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Versorgung.
Herzstück des BZI ist das Bayerische Surveillancezentrum (BaySurv), eine Datenplattform zur kontinuierlichen Überwachung von Krankheitserregern. Sie nutzt „moderne molekulare Analytik und datenbasierte Auswertung“, um Infektionsverläufe in Echtzeit zu verfolgen. Diese institutionsübergreifende Datennutzung ist nur durch hochentwickelte Anonymisierungsverfahren möglich, die mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) konform sind.
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Ein weiterer Baustein ist das Bayerische Long-COVID-Register (BAY-LCR). Es soll Post-COVID-Syndrome systematisch erfassen. Für digitale Gesundheits-Apps wird dieses Register zentral: Patienten können Symptome melden, Forscher anonymisierte Langzeitdaten auswerten.
Die Technik hinter dem Datenschutz
Der Start des BZI fällt mit einem technologischen Durchbruch zusammen: der nutzungserhaltenden Anonymisierung. Bislang machte das Entfernen personenbezogener Daten diese oft für komplexe KI-Analysen unbrauchbar. Neue Algorithmen lösen dieses Dilemma nun.
Anbieter wie ZEISS Digital Innovation haben bereits Software-Lösungen für 2026 vorgestellt, die genau diese Lücke schließen. Sie ermöglichen es, bestehende Datensätze – ob lokal oder in der Cloud – so zu verarbeiten, dass ihre statistische Aussagekraft für die Forschung erhalten bleibt. Hersteller können Daten so für Zweitnutzungen, etwa das Training von KI-Modellen, aufbereiten, ohne Datenschutzvorgaben zu verletzen.
Diese Fähigkeit ist entscheidend für die nächste Generation von MedTech-Apps. Sie nutzen zunehmend KI für personalisierte Gesundheitsempfehlungen. Hochwertige, anonymisierte Real-World-Daten ermöglichen es, Diagnose-Algorithmen schneller und präziser zu trainieren.
Rückenwind aus Brüssel
Die Entwicklung wird von der Politik unterstützt. Ende Dezember 2025 begrüßte der Branchenverband MedTech Europe den Vorschlag der EU-Kommission, die Medizinprodukte-Verordnungen (MDR/IVDR) zu überarbeiten. Die geplanten Vereinfachungen sollen Bürokratie abbauen und die Digitalisierung beschleunigen – ein klares Signal für datengetriebene Innovationen.
Die Änderungen zielen auf ein effizienteres, innovationsfreundliches Zulassungssystem ab. Durch strafferes Änderungsmanagement und mehr digitale Berichtspflichten ebnet die EU den Weg für Apps, die ihre KI-Modelle kontinuierlich aktualisieren können. Voraussetzung ist ein robustes Daten-Governance-Konzept.
Parallel werden die Anforderungen der geplanten KI-Verordnung (AI Act) mit den Medizinprodukte-Regeln abgestimmt. Diese Harmonisierung soll Rechtssicherheit schaffen. Sie klärt, wie „hochriskante“ KI-Systeme im Gesundheitswesen große, anonymisierte Datensätze nutzen dürfen.
Was bedeutet das für den Markt?
Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Das Berliner Klinikunternehmen Vivantes gab diese Woche die erfolgreiche Restrukturierung seiner Compliance- und Einkaufsabteilungen bekannt. Dies reflektiert einen Branchentrend zu strengerer interner Governance. Sie soll sicherstellen, dass neue digitale Tools auf sicheren und transparenten Prozessen aufsetzen.
Für MedTech-Unternehmen wird die Fähigkeit, Innovation und Datenschutz in Einklang zu bringen, zur Wettbewerbsvoraussetzung. Mit der schrittweisen Verpflichtung der EUDAMED-Datenbank ab Mai 2026 drängt die Zeit. Die sichere und anonyme Verknüpfung von Patientendaten mit App-generierten Informationen ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern operative Notwendigkeit.
Blaupause für Europa?
Das BZI und seine BaySurv-Plattform werden 2026 zum Praxistest für großflächige, anonymisierte Datensurveillance. Gelingt das Modell, könnte es zur Blaupause für den geplanten Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) werden. Dieser muss öffentliche Gesundheitsinteressen und individuelle Privatsphäre austarieren.
Experten rechnen im dritten Quartal 2026 mit einer Welle neuer „medizinischer“ Verbraucher-Apps. Sie könnten anonymisierte Analysen nutzen, um klinikähnliche Einsichten für zu Hause zu bieten. Die Weichen sind gestellt: Die Regulierung wird klarer, die Technologie ist ausgereift. Die datengetriebene Transformation des europäischen Gesundheitswesens hat begonnen.
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