BVG-Streik: Verdi legt Berliner Nahverkehr lahm
30.01.2026 - 14:09:12Ein 24-stündiger Warnstreik der Gewerkschaft Verdi bringt den Berliner Nahverkehr am Montag zum Erliegen. Im Tarifkonflikt um bessere Arbeitsbedingungen wehren sich die Beschäftigten gegen Kürzungen beim Krankengeld.
Ab 3 Uhr am Montag, dem 2. Februar, fahren für 24 Stunden weder U-Bahnen noch Straßenbahnen und kaum Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Gewerkschaft Verdi erhöht damit massiv den Druck in den laufenden Manteltarifverhandlungen. Hunderttausende Pendler müssen sich auf einen chaotischen Start in die Woche einstellen – ausgerechnet bei anhaltendem Frost und Eisglätte. Die S-Bahn fährt zwar weiter, doch Experten rechnen mit drangvoller Enge in den Zügen.
Der Streikaufruf folgte unmittelbar auf die gescheiterte zweite Verhandlungsrunde am 29. Januar. Verdi wirft den Arbeitgebern eine „Blockadehaltung“ vor. Die nächste Verhandlungsrunde ist erst für den 18. Februar angesetzt.
Streitpunkt: Wer zahlt für bessere Arbeitszeiten?
Im Zentrum des Konflikts steht nicht das Grundgehalt, sondern die Finanzierung besserer Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeberseite – der Kommunale Arbeitgeberverband Berlin (KAV) und die BVG – fordert eine „Eigenfinanzierung“ aller Verbesserungen. Konkret soll der Krankengeldzuschuss gekürzt werden. Diese Zuzahlung des Arbeitgebers zum gesetzlichen Krankengeld der Krankenkasse ist für viele Beschäftigte existenziell.
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Verdi lehnt diesen Tausch kategorisch ab. „Soziale Sicherheit darf nicht gegen bessere Schichten eingetauscht werden“, so ein Gewerkschaftssprecher. Die Forderung nach einer Kürzung sei eine rote Linie und stelle einen sozialen Rückschritt dar.
BVG: „Unverhältnismäßige Eskalation“
Die BVG reagierte scharf auf den Streikaufruf und sprach von einer „unverhältnismäßigen Eskalation“. Die Verhandlungen seien noch in einer frühen Phase, ein Streik daher nicht gerechtfertigt. Das Unternehmen verweist auf die finanziellen Belastungen durch den „historisch hohen“ Tarifabschluss von 2025, der jährliche Personalkosten von rund 140 Millionen Euro verursache. Für weitere kostenintensive Maßnahmen im Manteltarifvertrag sei daher kaum Spielraum ohne Gegenfinanzierung.
Ein besonderes Risiko sieht die BVG in der winterlichen Witterung. Bei einem 24-stündigen Stillstand könnten die Oberleitungen der Straßenbahnen einfrieren. Technische Störungen und Verzögerungen würden dann weit über das Streikende hinausreichen. Die BVG prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte, um den Streik möglicherweise noch abzuwenden.
Verdi fordert konkrete Entlastungen
Neben der Verteidigung des Krankengeldzuschusses geht es Verdi um eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Nur so ließe sich dem Personalmangel begegnen. Die zentralen Forderungen sind:
* Schichtbegrenzung auf maximal 12 Stunden
* Mehr Urlaub: 33 statt 30 Tage Jahresurlaub
* Bessere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit
* Einhaltung einer Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen den Schichten
Die Gewerkschaft betont, diese Maßnahmen seien für den Gesundheitsschutz und die langfristige Bindung von Personal unverzichtbar.
Konflikt um soziale Grundrechte
Anders als im Vorjahr geht es diesmal nicht um Prozentpunkte bei der Lohnforderung, sondern um die strukturellen Rahmenbedingungen der Arbeit. Die Forderung nach „Eigenfinanzierung“ durch Kürzung sozialer Leistungen trifft einen neuralgischen Punkt im deutschen Tarifsystem. Der Krankengeldzuschuss gilt als eine wesentliche soziale Errungenschaft. Indem die Arbeitgeber genau hier ansetzen, haben sie ein hochsensibles Thema berührt, das die Belegschaft wohl stärker mobilisiert als eine reine Lohnfrage.
Der Streik am Montag ist ein deutliches Warnsignal. Er zeigt, dass die Gewerkschaft die Infrastruktur der Hauptstadt lahmlegen kann – und stellt die Argumentation der Arbeitgeber, die finanziellen Grenzen seien erreicht, infrage. Sollte sich bis zur nächsten Runde am 18. Februar keine Lösung abzeichnen, drohen weitere und möglicherweise längere Arbeitsniederlegungen.
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