BundID-Wartung, Digitalisierung

BundID-Wartung zeigt: Digitalisierung der Verwaltung stockt

29.01.2026 - 10:15:12

Die digitale Verwaltung schreitet mit BundID und lokalen Initiativen voran, doch eine DIHK-Umfrage zeigt, dass Unternehmen die Umsetzung als zu langsam empfinden und mehr Integration fordern.

Die Digitalisierung der deutschen Verwaltung kommt voran, doch die Wirtschaft fordert mehr Tempo. Während der zentrale Nutzeraccount BundID heute für Wartungsarbeiten pausiert, zeigen neue Daten und lokale Beispiele die Fortschritte und Hürden bei der digitalen Gewerbeanmeldung.

Kritische Infrastruktur im Wartungsmodus

Am Donnerstagnachmittag, 29. Januar 2026, ist der Zugang zum BundID-Portal eingeschränkt. Zwischen 15 und 16 Uhr ist die Authentifizierung via europäischer eID nicht möglich. Das Bundesinnenministerium führt planmäßige Wartungsarbeiten durch. Dieser kurze Ausfall unterstreicht, wie zentral die Plattform inzwischen ist. Sie ist das Haupttor zu digitalen Verwaltungsdienstleistungen geworden – auch für Existenzgründer.

Die Abhängigkeit von BundID wächst rasant. Bereits Ende 2025 verzeichnete das System über zwei Millionen Logins pro Monat. Diese Zahl dürfte weiter gestiegen sein, denn immer mehr Kommunen setzen den „Digital First“-Ansatz des Onlinezugangsgesetzes (OZG 2.0) um. Für Gründer ist der BundID-Account der Schlüssel, um Gewerbeämter digital zu erreichen – ohne persönliches Erscheinen.

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Kommunen ziehen nach: Bad Soden als Beispiel

Die Stadt Bad Soden am Taunus hat ihr digitales Dienstleistungsangebot gerade erweitert. Seit Mittwoch stehen neue Online-Formulare für standesamtliche und gewerberechtliche Angelegenheiten bereit. Als Authentifizierungsmethode dient dabei ausdrücklich der BundID-Account.

Lokale Beamte betonen, dass etablierte Verwaltungsverfahren durch effiziente digitale Alternativen ergänzt werden sollen. Bad Soden steht exemplarisch für einen Trend in deutschen Kommunen Anfang 2026. Während Metropolen wie Berlin oder Hamburg digitale Gewerbeanmeldungen schon länger anbieten, entscheidet sich der Erfolg der OZG-Umsetzung in kleineren Städten und Landkreisen.

Die neuen Workflows ermöglichen eine Antragstellung rund um die Uhr. Das entlastet sowohl Antragsteller als auch Verwaltungsmitarbeiter. Doch die Voraussetzung – ein BundID-Konto – zeigt, wie wichtig die flächendeckende Verbreitung der digitalen Identität in der Bevölkerung ist.

Wirtschafts-Identifikationsnummer: Der nächste Schritt

Die Gewerbeanmeldung ist nur der erste Schritt. Danach folgt die Vergabe der Wirtschafts-Identifikationsnummer (W-IdNr). Sie ist zentral für das „Once-Only“-Prinzip. Unternehmen sollen ihre Daten nicht mehrfach bei verschiedenen Behörden einreichen müssen.

Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) rollt die Nummer derzeit etappenweise aus. Nach umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen Ende 2024 und 2025 richtet sich der Fokus nun auf die restliche wirtschaftlich aktive Bevölkerung. Rechtsexperten internationaler Kanzleien erwarten ab März 2026 eine beschleunigte Vergabe an kleinere Einheiten und solche ohne bisherige Steuernummer.

Die W-IdNr soll künftig Handelsregister, Finanzämter und Gewerbeämter verknüpfen. Im Idealfall löst eine digitale Gewerbeanmeldung via BundID automatisch die Generierung oder Zuordnung einer W-IdNr aus. Das würde den bürokratischen Aufwand nach der Gründung spürbar reduzieren.

DIHK-Umfrage: Wirtschaft drängt auf Tempo

Trotz der technischen Fortschritte bleibt die Wirtschaft kritisch. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte am Mittwoch eine neue Digitalisierungsumfrage mit dem Titel „Digitalisierung 2026: Unternehmen halten Kurs“.

Die Ergebnisse zeigen: Deutsche Unternehmen investieren zwar kräftig in ihre eigene digitale Transformation. Das Tempo der öffentlichen Verwaltung bewerten sie jedoch als zu langsam. Die befragten Betriebe fordern ein vollständig vernetztes „Plattform-Ökosystem“ für die Verwaltung. Digitale Souveränität und Cybersicherheit seien wichtig, betonen die Unternehmensvertreter. Genauso entscheidend seien aber „konsequente und unkomplizierte Verfahren“ in allen Bundesländern.

Die Umfrage legt nahe: Während sich das Nutzererlebnis (wie der BundID-Login) verbessert, bleibt die Backend-Integration zwischen verschiedenen Behörden ein Engpass. Diese „Registermodernisierung“ bremst den Prozess aus. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen bei der Gründung vor höheren Hürden als große Konzerne.

Politische Ziele und die OZG-Uhr tickt

Der politische Druck, die digitalen Versprechen einzulösen, ist hoch. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat die Modernisierung der Landesverwaltung zur Priorität für 2026 erklärt. Seit Inkrafttreten des OZG 2.0 im Juli 2024 tickt die Uhr: Bis 2028 haben Bürger einen Rechtsanspruch auf digitale Verwaltungsdienstleistungen.

Anfang Januar zeigte sich Minister Wildberger optimistisch. Er verwies auf über 200 aktive Projekte zur Bürokratieabbau. Der Fokus liege nicht mehr darauf, PDF-Formulare online zu stellen. Stattdessen gehe es um echte Ende-zu-Ende-Digitalprozesse. Mehrere Bundesbehörden testen zudem den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), um Sachbearbeiter zu unterstützen. Das könnte Bearbeitungszeiten für Gewerbeanmeldungen verkürzen.

Kritiker monieren jedoch die weiterhin fragmentierte Umsetzung. Deutschlands föderale Struktur führt dazu, dass 16 Bundesländer oft unterschiedliche Softwarelösungen für die Gewerbeanmeldung nutzen. Ein Flickenteppich an Nutzererlebnissen ist die Folge. Die Standardisierungsbemühungen des IT-Planungsrats laufen, doch von echter Einheitlichkeit ist man noch weit entfernt.

BundID vs. Mein Unternehmenskonto: Wer macht was?

Ein häufiger Stolperstein für Gründer ist die Unterscheidung zwischen BundID und „Mein Unternehmenskonto“ (MUK).

  • BundID: Primär für Bürger gedacht. Es ist das richtige Werkzeug für eine natürliche Person (Gründer), die ein neues Einzelunternehmen anmeldet oder die Erstpapiere für eine neue Kapitalgesellschaft einreicht.
  • Mein Unternehmenskonto (MUK): Basierend auf der ELSTER-Zertifikatstechnik ist dieses Konto für etablierte organisationen konzipiert. Es dient laufenden Verwaltungsaufgaben wie Steuererklärungen oder Meldungen zur Sozialversicherung.

Anfang 2026 verbessert sich die Interoperabilität zwischen den Systemen. Die langfristige Vision: Ein Gründer startet mit BundID für die Gewerbeanmeldung. Sobald das Unternehmen etabliert und Steuernummern vergeben sind, wechselt er nahtlos zu MUK. Die aktuellen BundID-Updates bereiten diesen flüssigeren Übergang vor.

Ausblick: Die digitale Brieftasche kommt 2027

Der nächste große Sprung in der digitalen Identifikation ist bereits in Sicht. Die Bundesregierung bereitet die Einführung der „ID-Wallet“ (Digitale Brieftasche) vor. Starttermin ist der 2. Januar 2027. Diese europäische Lösung soll es Bürgern ermöglichen, Identitätsdaten, Führerschein und möglicherweise auch Unternehmenszertifikate sicher und EU-standardisiert auf dem Smartphone zu speichern.

Für die Gewerbeanmeldung könnte die ID-Wallet künftig Kartenleser und komplexe Login-Prozeduren überflüssig machen. Bis dahin bleibt BundID die zentrale Säule. Der heutige Wartungsstopp zeigt: Die digitale Verwaltung steht – aber ihr reibungsloser Lauf ist noch keine Selbstverständlichkeit.

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