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Britische Regierung kippt geplante KI-Ausnahme im Urheberrecht

24.04.2026 - 14:00:06 | boerse-global.de

London kippt Opt-out-Regel für KI-Training. Kreativbranche feiert Sieg, während neue Regeln für KI-Werke geplant sind.

Britische Regierung kippt geplante KI-Ausnahme im Urheberrecht - Foto: über boerse-global.de
Britische Regierung kippt geplante KI-Ausnahme im Urheberrecht - Foto: über boerse-global.de

London – Die britische Regierung hat ihre umstrittenen Pläne für eine weitreichende Ausnahme im Urheberrecht zugunsten von Künstlicher Intelligenz offiziell aufgegeben. Der Kurswechsel ist ein Sieg für die Kreativwirtschaft.

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Nach massivem Druck von Künstlern, Musikern und Rechtsexperten bestätigte das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie: Es wird kein Gesetzesmodell mehr verfolgen, das KI-Systemen erlaubt hätte, urheberrechtlich geschützte Werke standardmäßig zu nutzen – es sei denn, Rechteinhaber hätten explizit widersprochen.

Markt statt Gesetz: Lizenzpflicht bleibt bestehen

Grundlage der Kehrtwende ist ein umfassender Bericht zur wirtschaftlichen Folgenabschätzung von KI und Urheberrecht, der auf dem Data (Use and Access) Act 2025 basiert. Die Auswertung von über 11.500 Stellungnahmen beendet eine jahrelange Debatte. Indem die Regierung die „Opt-out“-Mechanismus fallen ließ, bleibt der rechtliche Status quo erhalten: KI-Unternehmen müssen in Großbritannien weiterhin kommerzielle Lizenzen für geschützte Inhalte erwerben.

Gewerkschaften und Branchenbeobachter feiern die Entscheidung als Triumph der Kreativbranche. Wissenschaftsministerin Liz Kendall betonte bereits im Frühjahr, die Regierung wolle die gesamte britische Wirtschaft unterstützen – ohne einen Keil zwischen Kreative und KI-Entwickler zu treiben. Das Konsultationsverfahren habe tiefe Meinungsverschiedenheiten offengelegt, weshalb man nun einen vorsichtigeren Kurs einschlage.

Branchenanalysten sehen darin eine „Abwarten-und-Tee-trinken“-Strategie: Die Verantwortung für den Datenzugang liegt nun beim Markt. Statt neuer Gesetze setzt die Regierung auf branchengeführte Lizenzvereinbarungen. Führende Anwaltskanzleien warnen: Jedes kommerzielle KI-Training ohne ausdrückliche Genehmigung bleibt ein Hochrisikogeschäft.

Die Künstlergewerkschaft Equity zeigte sich erleichtert. Die bisherigen Vorschläge hätten großen KI-Konzernen erlaubt, die Arbeit kleinerer Kreativer ohne faire Vergütung auszubeuten – ein Horrorszenario für die Branche.

Kein Urheberrecht mehr für reine KI-Werke

Während die Regierung neue Ausnahmen für KI-Training vermeidet, plant sie eine bedeutende Änderung des Copyright, Designs and Patents Act von 1988. Konkret soll der Schutz für Werke entfallen, die vollständig von Computern erzeugt wurden. Betroffen wäre Paragraf 9(3), der bisher eine Schutzform für „computergenerierte“ Werke ohne menschlichen Autor vorsah.

Begründung: Urheberrecht solle menschliche Kreativität fördern und schützen. Da es keine klaren Belege für den Wert des Schutzes rein KI-gesteuerter Ergebnisse gebe, solle dieser entfallen. Werke, die mit Hilfe von KI entstehen, bleiben geschützt – sofern ein ausreichendes Maß menschlicher Autorenschaft vorliegt.

Rechtsexperten warnen: Diese Änderung könnte den geistigen Eigentumswert von Unternehmen schwächen, die stark auf automatisierte Inhaltserstellung setzen. Die Anwaltskammer von England und Wales betont: Regulierung müsse sowohl ethische Nutzung als auch Innovation unterstützen und sicherstellen, dass menschliche Urheber die Kontrolle behalten.

Annäherung an EU-Standards

Der Rückzieher Großbritanniens gilt auch als Versuch, sich internationalen Trends anzupassen – insbesondere denen der Europäischen Union. Die Regierung erwartet, dass künftige Transparenzregeln mindestens den Anforderungen von Artikel 53 des EU AI Act entsprechen. Danach müssten KI-Entwickler die Quellen ihrer Trainingsdaten und die Länder, in denen das Training stattfand, offenlegen – bevor ihre Modelle in Großbritannien vermarktet werden dürfen.

Diese Annäherung kommt, während große KI-Entwickler wie OpenAI ihre Präsenz im Vereinigten Königreich ausbauen. OpenAI eröffnete Mitte April sein erstes festes Londoner Büro. Doch die rechtliche Lage bleibt unsicher. Gerichtsverfahren dienen weiterhin als primäres Mittel, um die Grenzen des KI-Trainings auszuloten. Hochkarätige Fälle, etwa von Getty Images, werden noch in diesem Jahr vor britischen Berufungsgerichten erwartet.

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Der Regierungsbericht räumt ein, dass die aktuelle Rechtsunsicherheit die Entwicklung eines robusten Lizenzmarktes behindert hat. Dennoch sei es besser, sich Zeit für den richtigen Rahmen zu nehmen, als überstürzt Gesetze zu erlassen, die unbeabsichtigte Folgen haben könnten.

Ausblick: Neue Konsultation im Sommer 2026

Für den Sommer 2026 hat die Regierung eine neue Konsultation angekündigt. Sie wird sich auf „digitale Replikate“ und die mögliche Schaffung eines neuen Persönlichkeitsrechts konzentrieren, um Schäden durch Deepfakes und die unbefugte Nutzung von Abbildern oder Stimmen zu bekämpfen.

Zudem soll eine Taskforce Vorschläge zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte erarbeiten. Ein Zwischenbericht wird für den Herbst erwartet. Für Unternehmen im KI-Bereich gilt: sorgfältige Dokumentation und ein vorsichtiger Umgang mit Trainingsdaten sind Pflicht. Ohne gesetzliche Ausnahmen in Sicht, setzen Entwickler auf vertragliche Lizenzen, um Rechtsrisiken zu managen – und bereiten sich auf ein regulatorisches Umfeld vor, das zunehmend Transparenz und den Schutz menschlicher Autorenschaft priorisiert.

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