Brent-Rohöl nähert sich 119 Dollar: Iranische Angriffe und Irak-Force Majeure treiben Oelpreis in die Höhe
22.03.2026 - 19:16:09 | ad-hoc-news.deBrent-Rohöl hat sich am Freitag der Marke von 119 US-Dollar pro Barrel genähert, getrieben durch iranische Angriffe auf Schlüsselanlagen im Persischen Golf und Force Majeure im Irak. WTI-Rohöl überschritt zeitweise 100 US-Dollar. Diese Eskalation bedeutet einen direkten Risikoprämien-Anstieg für den globalen Oelpreis, da die Straße von Hormus mit 20 Prozent der Weltölversorgung bedroht ist.
Stand: 22. März 2026
Dr. Markus Lehmann, Rohstoffexperte und Energiemarkt-Analyst. Spezialist für geopolitische Risiken im Oelmarkt mit Fokus auf DACH-Relevanz.
Der Auslöser: Iranische Angriffe am 18. März
Der unmittelbare Trigger war der iranische Raketenangriff auf das gemeinsame Gasfeld South Pars am 18. März, das Iran und Katar teilen. Qatar Energy bestätigte Schäden am benachbarten Industriekomplex Ras Laffan. Diese Anlagen sind zentral für die globale Gas- und Öllieferkette. Parallel erklärte der Irak Force Majeure für ausländisch betriebene Ölfelder im Süden: Die Produktion brach von 3,3 auf 0,9 Millionen Barrel pro Tag ein.
Für den Rohoel-Markt ist das entscheidend, weil der Irak als OPEC+-Mitglied rund 4,5 Millionen Barrel täglich liefert. Die Reduktion schafft einen echten Supply Shock, der Brent als europäischen Benchmark stärker belastet als WTI. Experten wie John Kilduff warnen vor einem Worst-Case-Szenario durch verstärkte US-Militärpräsenz.
Preisentwicklung: Volatil mit klarem Aufwärtstrend
Bis Freitag schwankte Brent zwischen 108 und 119 US-Dollar pro Barrel, WTI zwischen 94 und 100 US-Dollar – 50 bis 70 Prozent über Vorkriegsniveaus. Der russische Urals-Preis kletterte auf 110,73 US-Dollar, ein Monatsplus von 90 Prozent. Frühere Rückgänge um 3 Prozent durch stabilen Hormus-Verkehr wurden durch iranische Drohungen umgekehrt.
Die Volatilität zeigt, wie sensibel der Markt auf geopolitische News reagiert. Brent profitierte stärker, da Europa 25 Prozent seines Öls aus dem Golf importiert. In Deutschland stiegen Dieselpreise auf 2,301 Euro, Super E10 auf 2,083 Euro pro Liter – nah am Allzeithoch.
Fatih Birol von der IEA warnte: Eine Störung der Hormus-Straße könnte Lieferungen bis zu sechs Monate blockieren. Das ist kein Sentiment, sondern ein bestätigtes Risiko für 20 Prozent des globalen Öls.
US-Reaktionen mildern, ändern aber nichts Grundlegendes
Die Trump-Regierung erließ eine 60-tägige Ausnahmeregelung vom Jones Act: Ausländische Schiffe dürfen nun Öl zwischen US-Häfen transportieren, um das Angebot zu sichern. Die IEA koordinierte eine Freigabe von 400 Millionen Barrel Reserven, USA steuern 172 Millionen bei – erste Tranche 45,2 Millionen Barrel.
EIA-Daten für die Woche bis 13. März zeigen jedoch einen Bestandsanstieg um 6,2 Millionen Barrel auf 449,3 Millionen. Benzin- und Destillatbestände sanken, was starke Nachfrage signalisiert. US-Benzinpreise plus 30 Prozent auf 3,20 Dollar pro Gallone.
Diese Maßnahmen dämpfen kurzfristig, beheben aber nicht das Golf-Risiko. WTI bleibt unter Brent, da US-Produktion bei 13 Millionen Barrel täglich stabil ist. Der Abschlag WTI zu Brent erreichte den höchsten Stand seit 11 Jahren.
DACH-Perspektive: Höhere Kosten für Industrie und Verbraucher
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist der Brent Oel-Anstieg kritisch. Europa importiert 25 Prozent seines Öls aus dem Persischen Golf; Störungen treiben Raffineriekosten. Deutsche Raffinerien wie Bayernoil oder Miro melden höhere Rohstoffpreise, die sich in Dieselpreisen widerspiegeln.
Die Industrie – Autozulieferer, Chemie, Logistik – spürt direkten Kostendruck. Inflationsprognosen für die Eurozone steigen: ECB beobachtet Energiepreise eng. Ein Brent über 110 Dollar könnte die EZB-Zinsen belasten und den Euro schwächen. DAX-Unternehmen mit Energieabhängigkeit wie BASF oder Continental sind exponiert.
In der Schweiz drücken höhere Heizölpreise Haushalte; Österreichs OMV als Golf-Produzent profitiert kurzfristig, leidet aber unter globaler Volatilität. DACH-Investoren in Rohöl-ETCs oder Futures sollten die Risikoprämie abwägen: Potenzial für 120+ Dollar, aber Deeskalationsrisiko.
Geopolitische Risiken und OPEC+-Kontext
Iranische Revolutionsgarden drohen mit weiteren Angriffen als Vergeltung. Der Konflikt weitet sich aus, vergleichbar mit 1973. OPEC+ reagiert nicht sofort: Saudi-Arabien und UAE erhöhen Kapazitäten, aber Irak-Kürzung ist real. Ohne Koordination droht ein nicht eingepreister Supply Shock.
Chinas Ölimporte steigen trotz stagnierender Produktion, was Nachfrage stützt. Globale Nachfrage liegt bei 103 Millionen Barrel täglich; ein Golf-Minus von 5 Millionen würde Preise explodieren lassen. Experten sehen anhaltende Volatilität, solange Hormus unsicher ist.
Ausblick: Supply Shock oder Deeskalation?
Trumps 48-Stunden-Ultimatum an Iran könnte eskalieren oder dämpfen – Märkte preisen 50/50 ein. Brent könnte 120 Dollar testen, wenn Produktion weiter fällt. EIA nächste Woche wird entscheidend: Erwarteter Bestandsrückgang könnte den Trend verstärken.
Für DACH-Investoren: Positionieren in Brent-ETFs bei Breakout über 115 Dollar, aber Hedging gegen US-Reserven. Der Oelpreis bleibt geopolitik-dominiert – Nahost dominiert OPEC+- und Inventar-News.
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