Brent-Öl bricht über 100-Dollar-Marke: Nahost-Konflikt treibt Preise
14.03.2026 - 08:42:26 | ad-hoc-news.deBrent-Rohöl hat die 100-Dollar-Marke überschritten und notiert bei 103,7 US-Dollar pro Barrel, WTI bei 98,71 US-Dollar. Der Auslöser: Ein indischer Öltanker verließ Oman ohne Passage der Straße von Hormuz, was Ängste vor anhaltenden Störungen im Nahen Osten schürt.
Stand: 14. März 2026
Dr. Markus Lehmann, Rohöl-Marktanalyst. Aktuelle geopolitische Risiken bestimmen den Ölpreis mehr als je zuvor.
Der Trigger: Öltanker weicht Hormuz aus
Ein unter indischer Flagge fahrender Öltanker verließ Oman ostwärts, statt die Straße von Hormuz zu passieren. Dieses Gebiet gilt seit dem Ausbruch des Nahostkonflikts als blockiert. Der Markt interpretiert dies als Signal für wachsende Unsicherheit in der kritischen Schifffahrtsroute, durch die 20 Prozent des globalen Öls fließen. Brent reagierte mit einem Plus von 3,23 US-Dollar oder 3,22 Prozent, WTI mit 2,98 US-Dollar oder 3,11 Prozent.
Fakt ist: Die Preisanstiege erfolgten frühmorgens Ortszeit, getrieben von Reuters-Berichten. Die Risikoprämie für physische Lieferstörungen steigt damit spürbar. Für den Rohölmarkt bedeutet das unmittelbar höhere Versicherungskosten und Frachtraten, was den physischen Handel verteuert.
Nahost-Konflikt verschärft Supply-Risiken
Der Konflikt zwischen USA, Israel und Iran dominiert. Berichte sprechen von Angriffen auf iranische Einrichtungen, was die Zerstörung von Ölinfrastruktur wahrscheinlicher macht. Analysten wie Bjarne Schieldrop von SEB warnen: Der Markt fürchtet langwierige Engpässe. Historisch weitet sich in solchen Phasen der Brent-WTI-Spread, da Brent globaler auf Supply-Schocks außerhalb der USA reagiert.
Bestätigt: Keine unmittelbaren Produktionsausfälle, aber die Wahrnehmung eines eskalierten Risikos treibt Preise. OPEC+-Produktionskürzungen verstärken dies, da sie das verfügbare Angebot knapp halten. Der Markt preist nun eine höhere Wahrscheinlichkeit für Störungen ein, was die Backwardation in der Terminkurve unterstreicht – ein Zeichen latenter Knappheit.
US-Entscheidung zu russischem Öl: Nur begrenzter Effekt
Die Trump-Regierung genehmigte den Transport von rund 100 Millionen Barrel russischem Rohöl, das bereits auf See ist. Gültig bis 11. April für Ladungen bis 12. März. Ziel: Den Preisanstieg abmildern. US-Finanzminister Scott Bessent betonte den kurzfristigen Effekt auf gestrandetes Öl.
Interpretation: Experten wie Schieldrop sehen hier keinen echten Angebotszuwachs, da vieles vorverkauft ist. Es beseitigt Transaktionshürden, mehr nicht. Gleichzeitig gab das US-Energieministerium 172 Millionen Barrel aus der SPR frei, im Rahmen eines IEA-Plans für 400 Millionen Barrel. Der kühlende Effekt verpuffte jedoch schnell angesichts geopolitischer Eskalation.
Ausblick von Goldman Sachs: März über 100 Dollar
Goldman Sachs erwartet Brent-Durchschnittspreise über 100 US-Dollar im März, dann Rückgang auf 85 US-Dollar im April. Begründung: Hohe Volatilität durch Iran-Konflikt, Infrastrukturschäden und Hormuz-Unterbrechungen. Der Markt bleibt ein Pulverfass, mit OPEC+-Strategie als weiterem Faktor.
Für Rohöl konkret: Die Prognose impliziert kurzfristige Prämien, langfristig Druck durch mögliche Nachfragekorrekturen. OPEC+ hält Disziplin, US-Schieferöl bremst WTI, doch globale Risiken favorisieren Brent.
DACH-Perspektive: Auswirkungen auf Europa
In Deutschland, Österreich und der Schweiz drücken hohe Oelpreise auf Industrie und Transportkosten. Raffinerien wie Bayernoil oder Miro sehen steigende Rohstoffkosten, was Dieselpreise treibt. ECB beobachtet Energieinflation genau – anhaltend hohe Preise könnten Zinssenkungen verzögern.
Europäische Investoren profitieren von Brent-ETCs, leiden aber unter Input-Kosten in DAX-Konzernen wie BASF oder Lufthansa. Der starke US-Dollar verstärkt den Druck auf Euro-denominierte Käufer. Warum jetzt handeln? Volatilität bietet Chancen in Futures oder Optionen, aber Risiken steigen.
Risiken und Positionierung
Hauptrisiken: Eskalation in Hormuz mit physischen Ausfällen, Iranische Vergeltung oder OPEC+-Anpassung. Positiv: Robustes US-Schieferöl und SPR-Freigaben. Markt-Sentiment ist bullish kurzfristig, mit Fokus auf API/EIA-Lagerdaten nächste Woche.
Für DACH-Investoren: Brent Oel als Hedge gegen Inflation, aber Volatilität erfordert Stopps. WTI heute weniger relevant für Europa, doch Spread-Dynamik beeinflusst globale Arbitrage.
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