Braskem-Aktie, Fokus

Braskem-Aktie im Fokus: Chemie-Übernahme, Schulden & Chance für deutsche Anleger

17.02.2026 - 10:33:57

Ein brasilianischer Chemieriese, ein geplatzter Mega-Deal, hohe Schulden – und trotzdem sehen Analysten weiter Kurspotenzial. Was hinter der Braskem-Aktie steckt und wie deutsche Anleger sie überhaupt handeln können.

Bottom Line zuerst: Die Aktie von Braskem SA (ISIN US10554K1025, Ticker u.a. an der NYSE: BAK) bleibt nach dem geplatzten Übernahmeprozess und anhaltenden Schulden­sorgen ein spekulativer industrieller Turnaround-Wert – aber Analysten sehen weiter zweistellige Aufholchancen, gerade für risikobereite Anleger aus Deutschland.

Für Ihr Depot bedeutet das: Wer nur auf DAX-Standardwerte setzt, ignoriert einen brasilianischen Chemieriesen mit globaler Aufstellung, signifikanter Euro- und Dollar-Verschuldung – und einem Kurs, der stark von Ölpreis, Kunststoffnachfrage und M&A-Fantasie getrieben wird. Was Sie jetzt wissen müssen...

Offizielle Infos zu Braskem direkt vom Unternehmen

Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs

Braskem SA ist der größte petrochemische Konzern Lateinamerikas. Das Unternehmen produziert Kunststoffe, Chemikalien und biobasierte Kunststoffe (u.a. auf Zuckerrohrbasis) und ist damit ein zentraler Player in globalen Lieferketten – von Verpackungen über Automobilteile bis hin zu Konsumgütern.

Die Aktie wird international vor allem in New York (BAK) und São Paulo (BRKM5/BRKM3) gehandelt und ist über verschiedene Broker auch für Privatanleger in Deutschland zugänglich. Damit steht sie zunehmend auf den Watchlists von Anlegern, die gezielt außerhalb des DAX diversifizieren wollen.

Der Kursverlauf zuletzt

Die vergangenen Monate waren für Braskem-Anleger volatil: Belastend wirkten vor allem das Ende der laufenden Übernahmegespräche, die weiterhin hohe Verschuldung, schwache Margen im Petrochemie-Sektor sowie geopolitische Unsicherheit und Konjunktursorgen.

Gleichzeitig stützten der hohe Asset-Wert der Produktionsanlagen, die teilweise an den Dollar gekoppelte Erlösstruktur und die Aussicht auf eine strukturelle Bereinigung des Geschäfts das Bewertungsniveau. Der Markt schwankt derzeit zwischen Pessimismus (Schulden, Zyklik) und Hoffnung (Restrukturierung, potenzielle neue M&A-Fantasie).

Kenngröße Einschätzung (qualitativ)
Marktstellung Führender Petrochemie-Konzern in Lateinamerika, global relevant
Geschäftsmodell Zyklisch, stark ölpreis- und nachfrageabhängig, mit wachsendem Anteil biobasierter Kunststoffe
Verschuldung Hoch, Refinanzierung und Zinsniveau sind zentrale Risiken
Ertragslage Unter Druck durch schwache Margen und globale Konjunkturabkühlung
M&A-Fantasie Frühere Übernahmeverhandlungen gescheitert, neuer Bedeutungsaufschlag aktuell begrenzt
Bewertung Aus Sicht vieler Analysten günstig im historischen Vergleich, aber mit hohem Risiko

Was ist zuletzt passiert?

Braskem stand über längere Zeit im Fokus möglicher Übernahmen, unter anderem durch internationale Energie- und Chemiekonzerne. Diese Gespräche haben sich im Laufe des vergangenen Jahres zerschlagen, was zu Enttäuschung bei spekulativen Anlegern führte und den Kurs aus M&A-Sicht entzauberte.

Parallel dazu belasten hohe Nettoverbindlichkeiten, steigende Zinskosten sowie die zyklische Schwäche im Chemiesektor die Erwartungen. Viele Investoren stellen sich die Frage, ob Braskem eher ein Value-Case oder eine „Value Trap“ ist – also ein scheinbar günstiger Wert, der aber fundamental festhängt.

Warum das für deutsche Anleger relevant ist

Für Investoren in Deutschland ist Braskem gleich aus mehreren Gründen spannend: Zum einen bietet die Aktie Zugang zum Chemiesektor, ohne an BASF oder Covestro gebunden zu sein. Zum anderen ist der Wert ein direkter Hebel auf den brasilianischen Markt, inklusive Währungseffekten zwischen Real, Euro und US-Dollar.

Gerade in Zeiten, in denen deutsche Chemiewerte unter hohen Energiekosten und strukturellem Druck in Europa leiden, sehen einige Anleger in exotischeren Märkten wie Brasilien ein alternatives Wachstumsfeld. Braskem kombiniert dieses regionale Exposure mit einem international verständlichen Geschäftsmodell (Petrochemie, Kunststoffe).

Handelbarkeit aus Deutschland

  • Die Braskem-Aktie (BAK) ist an der NYSE in US-Dollar notiert und kann über gängige Onlinebroker in Deutschland gehandelt werden.
  • Viele Neobroker (z.B. Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker) bieten BAK inzwischen über US-Handelsplätze oder via Lang & Schwarz an – konkrete Verfügbarkeit variiert je nach Anbieter.
  • Wichtig: Neben dem Unternehmensrisiko tragen deutsche Anleger zusätzlich ein Währungsrisiko (EUR/USD bzw. indirekt BRL), was die Volatilität im Depot erhöht.

Braskem versus deutsche Chemie-Werte

Für eine realistische Einordnung lohnt der Vergleich mit deutschen Branchenvertretern wie BASF oder Covestro. Während deutsche Konzerne stark mit Themen wie Energiepreisen, deutscher Standortpolitik und EU-Regulierung ringen, ist Braskem im Energie- und Rohstoffkontext stärker in Lateinamerika verankert und an internationale Öl- und Gaspreise gekoppelt.

Damit unterscheidet sich das Risikoprofil deutlich: Deutsche Werte sind stärker von europäischen Rahmenbedingungen abhängig, Braskem dagegen von lateinamerikanischer Politik, Währungsvolatilität und globalen Öl- sowie Kunststoffpreisen. Für diversifizierte Portfolios kann das ein bewusster Misch-Effekt sein.

Öko-Fantasie: Biobasierte Kunststoffe

Ein struktureller Hoffnungsträger im Braskem-Investment-Case sind die biobasierten Polyethylene („Green PE“) auf Basis von Zuckerrohr. Sie spielen bislang im Gesamtkonzern noch eine klar untergeordnete Rolle, dienen aber als ESG-Story und könnten langfristig höhere Margen rechtfertigen.

Gerade deutsche Investoren mit Nachhaltigkeitsfokus schauen auf diesen Teil des Geschäfts, da er in Europa bei Endkunden vermehrt nachgefragt wird. Trotzdem bleibt der Gesamtwert der Aktie aktuell von der klassischen Petrochemie dominiert.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Analysten großer Häuser sind sich einig: Braskem ist kein defensiver Dividendenwert, sondern ein hochzyklischer Titel mit Turnaround-Potenzial. Die Meinungsspanne reicht von vorsichtigem „Halten“ bis zu klaren „Kauf“-Empfehlungen – in jedem Fall mit dem Hinweis auf deutlich erhöhte Risiken.

Qualitatives Stimmungsbild der Analysten

  • Investmentbanken wie J.P. Morgan, Santander, Itaú BBA und andere lateinamerikaspezialisierte Research-Häuser sehen Braskem tendenziell als unterbewertet, verweisen aber immer wieder auf das hohe Leverage-Niveau und die zyklische Ertragslage.
  • Die Kursziele liegen – den zuletzt veröffentlichten Einschätzungen zufolge – im Durchschnitt oberhalb des aktuellen Kursniveaus, was auf ein statistisches Aufwärtspotenzial hindeutet, sofern sich Margen und Cashflows normalisieren.
  • Gleichzeitig mahnen Analysten, dass sich jede Verschlechterung der globalen Konjunktur oder des Zinsumfelds überproportional negativ auswirken könnte – insbesondere wegen der Verschuldung in harter Währung.

Für deutsche Privatanleger lassen sich die gängigen Research-Reports häufig über die Webseiten der jeweiligen Banken, professionelle Datenanbieter oder Broker-News abrufen. Ein genauer Blick lohnt sich, da Lateinamerika-Werte oft weniger im Fokus deutscher Medien stehen und damit Informationsvorsprünge entstehen können.

Wie professionelle Investoren Braskem einordnen

  • Value-orientierte Fonds schauen auf das Verhältnis von Unternehmenswert (Enterprise Value) zu EBITDA und kommen teilweise zu dem Schluss, dass Braskem im Branchenvergleich günstig erscheint – sofern sich die Profitabilität stabilisiert.
  • ESG-Fonds sind wegen der klassischen Petrochemie vorsichtig, beobachten aber die Entwicklung der biobasierten Kunststoffe genau.
  • Emerging-Markets-Strategen sehen Braskem als Proxy auf brasilianische Industrie- und Exportdynamik – inklusive Währungshebel.

Was heißt das für Ihr Portfolio?

Für Anleger in Deutschland ist die Schlussfolgerung klar: Braskem eignet sich eher als kleine, bewusst eingegangene Beimischung in einem diversifizierten Depot, nicht als Kerninvestment. Wer einsteigen will, sollte:

  • die hohe Zyklik des Geschäfts akzeptieren,
  • mit deutlichen Kursschwankungen (inkl. Währungseinfluss) rechnen,
  • das Schuldenprofil des Unternehmens aktiv im Blick behalten,
  • und die eigene Risiko- und Verlusttragfähigkeit kritisch prüfen.

Für Trader könnte die Aktie interessant bleiben, wenn sich neue Spekulationen rund um Übernahmefantasie, strukturelle Asset-Verkäufe oder eine stärkere Fokussierung auf profitablere Segmente ergeben. Für langfristige Investoren steht hingegen im Vordergrund, ob das Management in der Lage ist, Schulden abzubauen und die operative Ertragskraft durch den Zyklus hindurch zu stabilisieren.

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