Brandenburger Arbeitsschutz: 2.000 Betriebskontrollen in einem Jahr
28.04.2026 - 23:23:37 | boerse-global.deFast 2.000 Unternehmen wurden im vergangenen Jahr überprüft – mit gemischten Ergebnissen.
Mehr Kontrollen, mehr Mängel – aber weniger Verfahren
Die Bilanz des Arbeitsschutzberichts 2025, den Landesministerien am heutigen Dienstag in Eisenhüttenstadt vorstellten, zeigt ein Paradox: Die Zahl der Beanstandungen stieg deutlich, die der formellen Bußgeldverfahren sank. Das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) kontrollierte 1.949 Betriebe – ein Plus von 73 gegenüber dem Vorjahr. Dabei stellten die Prüfer 7.390 Mängel fest, 1.040 mehr als 2024.
Da das Landesamt für Arbeitsschutz die Kontrollen massiv verschärft hat, müssen Unternehmen ihre Dokumentation präzise vorbereiten. Dieser kostenlose Report liefert Vorlagen und Checklisten für Gefährdungsbeurteilungen, die von Aufsichtsbehörden sofort anerkannt werden. Gefährdungsbeurteilungen rechtssicher erstellen
Dennoch gingen die eingeleiteten Ordnungswidrigkeitenverfahren von 444 auf 368 zurück. Auch die Zahl förmlicher Anordnungen halbierte sich nahezu – von 149 auf 87. Die Behörde setzt offenbar verstärkt auf sofortige Korrekturen statt langwieriger Rechtsstreitigkeiten.
Baugewerbe bleibt Schwerpunkt
Ein Drittel aller Kontrollen entfiel auf die Baubranche – der risikoreichste Sektor des Landes. Die Zahl der Baustellenbesuche stieg von 522 auf 652. Besonders in der boomenden Region Dahme-Spreewald mit ihren Logistik- und Technologiezentren wächst der Kontrolldruck.
Die personellen Kapazitäten bleiben jedoch begrenzt: Nur 51 Gewerbeaufsichtsbeamte sind für rund 63.700 bis 64.000 Betriebe in Brandenburg zuständig. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt bei etwa einem Prüfer pro 1.200 Unternehmen. Brandenburger Firmen geben im Schnitt 2,4 Prozent ihrer Gesamtkosten für Arbeitssicherheit aus.
Tesla unter Dauerbeobachtung
Die Tesla-Fabrik in Grünheide steht weiterhin unter besonderer Beobachtung. Das Ministerium bestätigte vierteljährliche Kontrollen – und spricht von sichtbaren Verbesserungen in den vergangenen Monaten. Die Anlage war nach mehreren Sicherheitsvorfällen in den Fokus der Öffentlichkeit geraten.
Als positives Beispiel führte Staatssekretär Dr. Johannes Wagner die Unitechnik Automatisierungs GmbH in Eisenhüttenstadt an. Das Unternehmen erhielt bei der aktuellen Prüfung das Prädikat „mängelfrei".
Psychische Belastung: Die unterschätzte Gefahr
Der Bericht widmet sich erstmals ausführlich der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. Eine Umfrage der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) unter über 2.000 Beschäftigten zeigt alarmierende Werte:
- 50 Prozent fühlen sich durch Arbeitsorganisation (ständige Unterbrechungen, hohe Intensität) belastet
- 35 Prozent leiden unter dem Arbeitsinhalt
- 29 Prozent nennen soziale Konflikte als Stressfaktor
Besonders brisant: 45 Prozent der Befragten sehen hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck als direkte Unfallursache. Die DGUV fordert, psychische Belastungen systematisch in die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung zu integrieren.
Die DAK-Krankenkasse bestätigt den Trend: Psychische Erkrankungen sind inzwischen der häufigste Grund für Langzeitausfälle. Die Universität Heidelberg fand zudem heraus, dass 67,2 Prozent der Beschäftigten schon krank zur Arbeit gegangen sind (Präsentismus). Rund ein Drittel meldete sich gelegentlich arbeitsunfähig, obwohl sie arbeiten könnten – oft als Reaktion auf Überlastung oder Rollenkonflikte.
Angesichts steigender Fehlzeiten durch psychischen Druck am Arbeitsplatz sollten Verantwortliche Belastungen frühzeitig erkennen. Mit diesen einsatzbereiten Mustern und Vorlagen können Überlastungsgefahren nach § 5 ArbSchG rechtssicher dokumentiert und minimiert werden. Muster-Vorlagen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen sichern
Bund plant Teilkrankschreibung
Die Brandenburger Ergebnisse fallen in eine Zeit bundesweiter Reformdebatten. Die Krankenstände erreichten 2025 laut DAK-Daten durchschnittlich 19,5 Fehltage pro Person. Gesundheitsminister Warken plant die Einführung der Teilkrankschreibung: Bei Ausfällen über vier Wochen könnten Beschäftigte schrittweise – zu 25, 50 oder 75 Prozent – zurückkehren, sofern Arzt, Patient und Arbeitgeber zustimmen.
Digitalisierung verändert Arbeitsrecht
Bis Ende 2026 müssen alle EU-Staaten eine digitale Brieftasche (Digital ID Wallet) einführen. In Deutschland ist die „BundID" seit Oktober 2025 aktiv, die volle Funktionalität wird bis Juli 2026 erwartet. Zusammen mit dem EU AI Act, der ab August 2026 weitgehend gilt, wird sich die Verwaltung von Arbeitsdaten grundlegend wandeln.
Laut Bitkom sind 54 Prozent der Deutschen bereit, den digitalen Ausweis für Führerschein oder Personalausweis zu nutzen. Das geplante „Once-Only"-Prinzip soll Bürokratie abbauen – doch für die 51 Brandenburger Prüfer bleibt die Realität vorerst analog: Sie müssen die Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und dem Schutz der Beschäftigten finden.
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