BP Aktie: Ölpreis fällt auf 78,96 Dollar
17.06.2026 - 04:44:51 | boerse-global.de
Der US-Iran-Friedensdeal hat den Ölmärkten in dieser Woche einen Schlag versetzt — und BP trifft es besonders hart. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz und die sofortige Aufhebung der Iran-Sanktionen haben den geopolitischen Risikoaufschlag aus den Energiemärkten herausgenommen, der die Branche monatelang gestützt hatte.
Ölpreise brechen ein
Brent-Rohöl fiel am Dienstag um rund fünf Prozent auf etwa 78,96 Dollar je Barrel — das niedrigste Niveau seit März 2026. WTI folgte auf 76,05 Dollar. Zum Vergleich: Anfang des Jahres notierte Brent noch nahe 110 Dollar, getrieben von regionaler Instabilität.
Das Abkommen erlaubt Iran die sofortige Wiederaufnahme von Öl- und Kraftstoffexporten. Ferner umfasst es Sanktionserleichterungen im Banken- und Versicherungssektor. Goldman Sachs und Morgan Stanley haben ihre Ölpreisprognosen bereits nach unten korrigiert. Einige Analysten erwarten Brent im vierten Quartal nahe 80 Dollar.
BP zwischen Rekordgewinn und neuem Gegenwind
Das Timing ist ungünstig. BP hatte für das erste Quartal 2026 einen starken Gewinnsprung gemeldet: Der Nettogewinn mehr als verdoppelte sich auf 3,2 Milliarden Dollar. Treiber war vor allem die Sparte „Customers & Products", die ihren Gewinn von 103 Millionen auf 2,5 Milliarden Dollar steigerte — profitiert hatte sie von volatilen Märkten und gestörten Lieferketten.
Genau diese Bedingungen normalisieren sich nun. Für die neue Konzernchefin Meg O'Neill, die im April 2026 das Ruder übernahm, bedeutet das: Die hohen Handels- und Upstream-Margen der ersten Monate dürften sich in den kommenden Quartalen deutlich einengen.
Intern setzt BP auf Kostendisziplin. Ein Einstellungsstopp läuft, neue Offshore-Windprojekte liegen auf Eis. Bis Ende 2026 will der Konzern zwei Milliarden Dollar einsparen. Außerdem hat BP sein Langfristziel für die Reduktion der Öl- und Gasförderung von 40 auf 25 Prozent bis 2030 zurückgeschraubt.
Aktie nähert sich überverkauftem Terrain
Die BP-Aktie schloss am Dienstag bei 5,92 Euro — rund neun Prozent unter dem Niveau vor 30 Tagen und gut 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 7,01 Euro. Der Kurs liegt klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,37 Euro. Der RSI steht bei 36,7 und nähert sich damit überverkauftem Terrain, ohne bisher ein Umkehrsignal zu zeigen.
Analysten sind gespalten. UBS bestätigte am 16. Juni eine Kaufempfehlung. Technische Einschätzungen der Traders Union sehen hingegen eine 62-prozentige Wahrscheinlichkeit für weitere Verluste in Richtung 496 Pence.
Hinzu kommt ein Governance-Problem. Die Anwaltskanzlei Pomerantz untersucht möglichen Wertpapierbetrug — ausgelöst durch die Entlassung von Aufsichtsratschef Albert Manifold am 26. Mai 2026 wegen „ernsthafter Bedenken hinsichtlich der Governance-Standards". Dieser Schatten dürfte die Aktie belasten, solange das Verfahren läuft.
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