BP Aktie: Drittes Führungschaos in drei Jahren
26.05.2026 - 20:50:58 | boerse-global.deDer dritte Vorstandsvorsitzende. Der dritte Aufsichtsratschef. Alles in unter drei Jahren. BP liefert heute eine weitere Episode einer anhaltenden Führungskrise — und der Markt quittiert es mit einem deutlichen Kursrutsch.
Verwaltungsratschef Albert Manifold wurde heute mit sofortiger Wirkung entlassen. Der Verwaltungsrat stimmte einstimmig dafür und begründete den Schritt mit „schwerwiegenden Bedenken" rund um Führungsstandards, Aufsicht und Verhalten. Was genau hinter den Vorwürfen steckt, bleibt offen. Als Interimsvorsitzender übernimmt Ian Tyler.
Manifold als Architekt der Wende
Dabei war Manifolds Rolle keine kleine. Erst 2025 angetreten, hatte er maßgeblich dazu beigetragen, den glücklosen Vorgänger-CEO Murray Auchincloss abzulösen und Meg O'Neill als neue Konzernchefin zu installieren — die erste Frau an der BP-Spitze und die erste externe Besetzung des Postens überhaupt. Er trieb zudem die strategische Neuausrichtung voran: Abkehr von fehlgeschlagenen Erneuerbaren-Investitionen, stärkerer Fokus auf fossile Brennstoffe, systematische Überprüfung unrentabler Assets.
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Für viele Investoren war Manifold genau deshalb der entscheidende Vertrauensanker. Citi-Analyst Alastair Syme bringt es auf den Punkt: Manifold war Teil der Aktien-Story. Zahlreiche Anleger hätten sich nach Jahren der Turbulenzen gerade wegen ihm wieder für BP interessiert. Ob sein achtmonatiges Wirken — insbesondere die Bestellung O'Neills — ausreicht, um den Investitionspfad des Konzerns stabil zu halten, ist nun offen.
Strategie-Kontinuität unter Fragezeichen
RBC Capital Markets hält fest: Wer Manifold kannte, der sah ihn als den Treiber des Wandels. Ohne konkrete Details zu den Vorwürfen sei eine Bewertung schwer, der negative Kursreaktion aber nachvollziehbar. TD-Cowen-Analyst Jason Gabelman fragt, ob neue CEO O'Neill nun auch strategisch das Steuer übernimmt — inklusive eines erwarteten Strategie-Updates in der zweiten Jahreshälfte 2026, das Manifold maßgeblich hätte prägen sollen.
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren. Die BP-Aktie fiel zeitweise um mehr als neun Prozent auf 500 Pence, stabilisierte sich am Nachmittag aber bei einem Minus von rund 4,6 Prozent — noch immer einer der schlechtesten Werte im FTSE 100 an diesem Tag.
Morningstar-Direktorin Lindsey Stewart fasst zusammen, was viele denken: BP hat das volatilste Führungsgremium unter den Öl-Supermajors. Der Interimsvorsitzende Ian Tyler und sein künftiger Nachfolger stehen nun vor der dringenden Aufgabe, Governance-Fragen zu bereinigen und das Vertrauen zurückzugewinnen — bevor die nächste Führungsrochade die Geduld der Investoren endgültig strapaziert.
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