Bose, SoundTouch-Systemen

Bose gibt SoundTouch-Systemen eine zweite Chance

12.01.2026 - 10:43:11

Nach Nutzerprotesten gegen die Abschaltung stellt Bose offizielle Schnittstellen bereit, um SoundTouch-Geräte lokal weiterzubetreiben. Die Cloud-Dienste werden im Mai 2026 eingestellt.

Der Audio-Riese reagiert auf heftige Kundenproteste: Statt teure Lautsprecher zu entsorgen, stellt Bose nun Entwicklern die Werkzeuge zur Verfügung, um sie am Leben zu erhalten.

Die geplante Abschaltung der Cloud-Dienste für Bose SoundTouch hätte Tausende High-End-Lautsprecher zu einfachen Bluetooth-Boxen degradiert. Nach massivem Widerstand der Nutzergemeinschaft lenkt der Hersteller nun ein. Nicht nur wird die Unterstützung verlängert – Bose stellt auch offizielle Schnittstellen-Dokumentation bereit. Ein bemerkenswerter Kurswechsel in der Unterhaltungselektronik.

Vom Droh-Szenario zur Lösung

Eigentlich sollte am 18. Februar 2026 Schluss sein. Bose hatte angekündigt, die Cloud-Dienste für seine 2013 eingeführte SoundTouch-Produktlinie einzustellen. Die Konsequenz: Multiroom-Audio, App-Steuerung und Streaming-Integration wären über Nacht ausgefallen. Die teuren Systeme wären zu „dummen“ Empfängern geworden.

Doch der Sturm der Entrüstung zeigte Wirkung. In einer Erklärung vom vergangenen Freitag korrigierte Bose den Zeitplan radikal. Die Abschaltung verschiebt sich auf den 6. Mai 2026. Entscheidender ist jedoch der neue Software-Plan. Ein finales Firmware-Update wird die SoundTouch-App in einen „Nur-Lokal“-Modus versetzen.

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Was bedeutet das konkret? Zwar fallen cloudabhängige Features wie Internetradio-Presets weg. Kernfunktionen wie AirPlay und Spotify Connect – beide wurden ursprünglich als gefährdet eingestuft – bleiben jedoch erhalten. Sie funktionieren auch nach dem Stichtag weiter, da sie nicht auf Bose-Server angewiesen sind.

Der Schlüssel liegt bei der Community

Der vielleicht wichtigste Schritt: Bose veröffentlicht die offizielle SoundTouch Web API-Dokumentation. Dieses 31-seitige technische Handbuch gibt Entwicklern erstmals detaillierte Protokolle für die Netzwerksteuerung der Geräte an die Hand. Volumen, Zonengruppierung für Multiroom-Audio und Wiedergabe-Status – alles kann nun lokal verwaltet werden.

Damit sanktioniert Bose offiziell die „Community-Rettung“ seiner Hardware. Open-Source-Projekte, die SoundTouch-Systeme längst in Plattformen wie Home Assistant integrieren wollten, erhalten nun die benötigten Werkzeuge. Der Hersteller überlässt die Zukunft der Geräte ihren Besitzern und der Entwicklergemeinschaft.

„Das API-Release ist eine Maßnahme mit geringen Kosten, aber großer Wirkung für die Reputation“, kommentiert ein Hardware-Analyst. „Bose kann sich aus dem Wartungsgeschäft für diese Geräte zurückziehen, ohne einen Berg elektronischen Schrotts zu produzieren.“

Was bleibt, was fällt weg?

Nutzer müssen sich dennoch auf Veränderungen einstellen. Ab dem 6. Mai gilt eine klare Trennung:

  • Funktioniert weiter: Lokale Steuerung per App, Multiroom-Gruppierung im Heimnetz, AirPlay, Spotify Connect, Bluetooth sowie physische AUX-/HDMI-Anschlüsse.
  • Fällt weg: Alle cloudbasierten Presets (die physischen Tasten an den Lautsprechern lösen kein Internetradio mehr aus), Direkt-Streaming von Diensten wie Deezer über die Bose-App und die Fernsteuerung von außerhalb des Heimnetzes.

Die Entscheidung, Spotify Connect zu erhalten, ist besonders bemerkenswert. Das Protokoll ermöglicht eine direkte Übergabe vom Smartphone an den Lautsprecher – ganz ohne Bose-Cloud.

Ein Präzedenzfall für „Right to Repair“?

Der Schritt erinnert an den Sonos-Skandal von 2020, als der Konkurrent unter Kundenprotesten die Unterstützung für alte „S1“-Geräte verlängern musste. Bose geht jedoch weiter, indem es die technischen Grundlagen aktiv herausgibt.

Marktbeobachter sehen hier den Einfluss der wachsenden „Right to Repair“-Bewegung und verschärfter EU-Regularien zur Haltbarkeit digitaler Güter. Indem Bose sein Ökosystem öffnet, entgeht es möglicher regulatorischer Prüfung und bewahrt sein Image – bei gleichzeitiger Einsparung von Wartungskosten.

Für die durchschnittlichen Nutzer ist die akute Gefahr gebannt. Ihre Lautsprecher werden weiter Musik abspielen. Langfristig bleibt jedoch ein Sicherheitsrisiko: Bose wird nach Mai 2026 keine Sicherheits-Updates mehr bereitstellen. Experten raten deshalb, die Geräte in isolierten „IoT-Gastnetzwerken“ zu betreiben.

Bose betont, dass das finale Update automatisch an alle Geräte ausgeliefert wird, die vor dem Stichtag mit dem Internet verbunden sind. Die Devise für alle Besitzer lautet also: System anschalten und online gehen, um diesen Rettungsanker zu erhalten. Die Zukunft der SoundTouch-Hardware liegt nun in den Händen einer erleichterten und erfinderischen Community.

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PS: Bose stellt zwar lokale APIs bereit, liefert aber nach Mai 2026 keine Sicherheits‑Updates mehr. Wenn Sie Ihre SoundTouch‑Lautsprecher und andere Smart‑Home‑Geräte schützen wollen, hilft der kostenlose Cyber‑Security‑Leitfaden mit konkreten Checklisten, Sofortmaßnahmen und einer Schritt‑für‑Schritt‑Anleitung zum sicheren Heimnetz. Holen Sie sich den kostenlosen Report und richten Sie Ihr IoT‑Gastnetzwerk richtig ein. Kostenlosen Cyber‑Security‑Leitfaden herunterladen

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