Boeing Aktie: Jurysieg am 22. Mai in Seattle
25.05.2026 - 14:37:05 | boerse-global.deBoeing hat vor Gericht einen wichtigen Erfolg erzielt. Gleichzeitig bleibt der Druck im operativen Geschäft hoch, vor allem beim 777X-Programm. Genau dieser Mix macht die Aktie schwer berechenbar.
Die Papiere notieren bei 190,66 Euro und damit knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt. Auf Sicht von 30 Tagen liegt der Kurs aber noch 3,94 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn steht ein kleines Minus von 1,89 Prozent.
Jurysieg entlastet Boeing
Am 22. Mai entschied eine Jury in Seattle zugunsten von Boeing. Klägerin war LOT Polish Airlines, die Schadenersatz wegen der weltweiten 737-MAX-Stilllegung zwischen 2019 und 2020 gefordert hatte. Im Zentrum des Verfahrens standen Vorwürfe rund um das MCAS-Flugkontrollsystem.
Die Jury wies die Betrugsvorwürfe zurück. Boeing begrüßte das Urteil ausdrücklich. LOT prüft nach den bisherigen Berichten einen Einspruch.
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Für den Konzern ist das mehr als nur ein rechtlicher Etappensieg. Das Urteil nimmt einen Teil des juristischen Drucks aus einer Geschichte, die Boeing seit Jahren begleitet. Für den Börsenkurs zählt aber vor allem, ob der operative Betrieb nachzieht.
777X bleibt der Härtetest
Beim Langstreckenjet 777X sind die Probleme weiter nicht gelöst. Konzernchef Kelly Ortberg sagte, rund 30 bereits gebaute Maschinen müssten strukturell nachgearbeitet werden, damit sie die aktuellen Zulassungsvorgaben erfüllen. Boeing nennt diesen Schritt „change incorporation“.
Das Programm läuft seit 2013 und hat mehr als 15 Milliarden Dollar verschlungen. Die erste Auslieferung des 777-9 erwartet Boeing nun 2027. Der Jet befindet sich weiter in Phase 4A der FAA-Erprobung.
Für Kunden wie Emirates und Lufthansa ist das relevant. Beide Airlines warten seit Längerem auf Klarheit über Zeitplan und Verfügbarkeit. Die Verzögerung zeigt, wie teuer technische Nacharbeit bei Boeing werden kann.
Solide Zahlen, aber kein Durchbruch
Operativ liefert Boeing im ersten Quartal 2026 trotzdem bessere Zahlen als erwartet. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 22,22 Milliarden Dollar. Im Verteidigungsgeschäft legte der Erlös um 21 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zu.
Unter dem Strich blieb zwar ein Verlust je Aktie von 0,20 Dollar. Analysten hatten aber mit 0,68 Dollar Verlust gerechnet. Der Konzern schlägt sich damit besser als befürchtet, ohne den Turnaround schon sauber abzuschließen.
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Auch die Aktionärsstruktur wirkt stabil. Institutionelle Investoren halten rund 64,82 Prozent der Aktien. Der Auftragsbestand erreicht zudem 86 Milliarden Dollar.
Ein Insider kaufte am 20. Mai 1.370 Aktien zu je 218,50 Dollar. Analysten bleiben im Schnitt bei „Moderate Buy“ und sehen ein durchschnittliches Kursziel von 259,80 Dollar.
Boeing bekommt damit juristisch Rückenwind, operativ aber keinen Freifahrtschein. Am Markt wird nun vor allem wichtig, ob das 777X-Programm 2027 tatsächlich in die Auslieferung startet und ob die technischen Nacharbeiten den Zeitplan nicht erneut verschieben.
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