Bloom Energy Aktie: Skandium-Streit vor Q2-Zahlen
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 15:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bloom Energy verliert weiter an Boden. Am Mittwoch fällt die Aktie um 3,92 Prozent auf 191,00 Euro. Damit liegt der Kurs jetzt fast 38 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, das der Brennstoffzellen-Hersteller erst Ende Juni erreicht hatte.
Der Rückgang ist kein Ausrutscher. In den vergangenen sieben Tagen verlor die Aktie über 8 Prozent, auf Monatssicht sogar knapp 37 Prozent. Trotzdem bleibt der Kurs auf Jahressicht ein Ausreißer nach oben: Binnen zwölf Monaten hat sich der Wert mehr als versiebenfacht.
Analysten werden vorsichtiger
Kurz vor den Quartalszahlen mehren sich kritische Stimmen von der Wall Street. TD Cowen bestätigt seine Hold-Einstufung mit einem Kursziel von 235 US-Dollar. Die Bank hält die Aktie angesichts der KI-getriebenen Volatilität für fair bewertet.
Truist-Analyst Christopher Souther zieht nach. Er vergibt ebenfalls ein Hold-Rating, sieht aber mit einem Kursziel von 250 US-Dollar noch gut 16 Prozent Potenzial. Seine Begründung: Die Bewertung sei nach der starken Neubewertung anspruchsvoll geworden. Für Ausführungsfehler oder ein schwächeres Makroumfeld bleibe kaum noch Spielraum. Dennoch hält Souther Bloom als führenden Anbieter von Festoxid-Brennstoffzellen für "einzigartig positioniert", um von der steigenden Stromnachfrage der KI-Rechenzentren zu profitieren.
Nicht alle teilen die Skepsis. Bei 9 Kauf- und 11 Halte-Empfehlungen ergibt sich ein moderat positives Gesamtbild. Das durchschnittliche Kursziel von 285,45 US-Dollar impliziert ein Aufwärtspotenzial von rund 41 Prozent. Baird, UBS und RBC bleiben bullish. UBS-Analyst Manav Gupta bezeichnete den jüngsten Rückschlag Berichten zufolge sogar als "attraktive Kaufgelegenheit".
TD Cowen verweist zudem auf mögliche neue Aufträge in Texas und Spanien als positives Signal. Problematischer sind die Verzögerungen bei den Vorzeigeprojekten mit Oracle und AEP – sie könnten die Schätzungen für 2027 und 2028 belasten.
Zwei Großprojekte geraten ins Stocken
Beim Oracle-Projekt geht es um einen vollständig autarken Ausbau mit 2,45 Gigawatt Leistung. Eine genehmigte Luftreinhaltungserlaubnis fehlt bis heute. Die Erdgaspipeline, die den Standort versorgen soll, steckt in einem Streit mit Bundesregulierern fest.
Bei AEP sieht es nicht besser aus. Der Zeitplan für den Standort nahe Cheyenne, Wyoming, hat sich in weniger als 90 Tagen um zwei Jahre nach hinten verschoben. Für ein Unternehmen, dessen Bewertung stark auf künftigem Wachstum im KI-Infrastrukturgeschäft fußt, sind solche Verzögerungen kein Nebenschauplatz.
Der Skandium-Streit als Kernproblem
Hinter dem Analysten-Hin-und-Her steckt ein ungelöstes Rohstoffproblem. Skandium stabilisiert den keramischen Elektrolyten in jeder einzelnen Bloom-Brennstoffzelle. China verlangt inzwischen Exportlizenzen für das Metall – und wirft damit die Frage auf, wie stark Peking die Produktionskapazitäten von Bloom tatsächlich kontrolliert.
Die Debatte eskalierte in diesem Monat, nachdem Leerverkäufer-Berichte die Offenlegungen des Unternehmens zur Lieferkette ins Visier nahmen. Das Management reagierte mit einer öffentlichen Gegendarstellung. Investoren erwarten nun bei den Quartalszahlen endlich Klarheit.
Die Bewertungsfrage bleibt derweil im Raum stehen: Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 66,35 gilt die Aktie nach Einschätzung von InvestingPro als überbewertet gegenüber ihrem fairen Wert – sie taucht in entsprechenden Listen stark überbewerteter Werte auf.
Entscheidender Termin am 28. Juli
Bloom Energy veröffentlicht seine Zahlen zum zweiten Quartal nach Börsenschluss am 28. Juli. Optionshändler preisen einen möglichen Kurssprung von 32,4 Prozent in beide Richtungen ein – ein außergewöhnlich hoher Wert.
TD Cowen selbst rechnet mit 837 Millionen US-Dollar Umsatz, leicht über dem Konsens von 833 Millionen. Beim bereinigten EBITDA erwartet die Bank mit 127 Millionen US-Dollar jedoch einen Wert, der rund 15 Prozent unter der Konsensschätzung von 149 Millionen liegt. Für das Gesamtjahr modelliert TD Cowen einen Umsatz von etwa 3,75 Milliarden US-Dollar.
Mit einem RSI von 41,9 und einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 122 Prozent steht die Aktie unter Spannung. Der Quartalsbericht dürfte zeigen, ob die Wachstumswette der Optimisten oder die Bedenken zu Bewertung und Lieferkette der Skeptiker die Oberhand behalten.
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