Bitcoin: H.R. 8957 verankert 328.372 BTC staatlich
09.06.2026 - 11:52:56 | boerse-global.de
Ein starker US-Arbeitsmarktbericht hat Bitcoin in die tiefste Überverkauft-Zone dieses Zyklus gedrückt. Zur gleichen Zeit veröffentlichte der US-Kongress den vollständigen Gesetzestext eines Vorhabens, das Bitcoin dauerhaft als staatliche Reserve verankern würde. Zwei gegenläufige Kräfte — und der Markt weiß noch nicht, welche dominiert.
ARMA: 20 Jahre Haltefrist, null neue Schulden
H.R. 8957, der American Reserve Modernization Act of 2026 (ARMA), liegt nun im Wortlaut auf Congress.gov. Das Gesetz wurde von Rep. Nick Begich (R-AK) und Rep. Jared Golden (D-ME) eingebracht — biparteilich, mit mehr als 20 Mitsponsoren.
Der Kern: Alle BTC in der strategischen Reserve dürfen 20 Jahre lang weder verkauft, getauscht, versteigert noch belastet werden. Die Frist beginnt bei jeder neuen Einlage neu. BTC aus Strafverfolgungen wären damit für zwei Jahrzehnte unangreifbar.
Nach Ablauf der Haltefrist darf der Finanzminister maximal zehn Prozent der Bestände in einem Zwei-Jahres-Fenster abstoßen — unter Vorbehalt der Zustimmung des Kongresses. Hinzu kommt ein Proof-of-Reserve-System: vierteljährliche kryptografische Nachweise, unabhängige Prüfungen, Kontrolle durch den Comptroller General.
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Neue Schulden oder Steuern zur BTC-Beschaffung schließt das Gesetz ausdrücklich aus. Stattdessen sollen Finanzministerium und Handelsministerium innerhalb von 180 Tagen haushaltsneutrale Wege prüfen — etwa die Umwandlung anderer Staatsbestände oder Neubewertungen von Goldzertifikaten.
Die strategische Bitcoin-Reserve, per Exekutivorder vom 6. März 2025 gegründet, hält derzeit rund 328.372 BTC im Wert von etwa 25 Milliarden Dollar. Finanzminister Scott Bessent bekräftigte Anfang Juni vor dem Senatsfinanzausschuss, die Regierung wolle die Reserve ausbauen.
Der Makroschock und seine Folgen
Während das Gesetz Fahrt aufnimmt, hat Bitcoin eine der schärfsten makrogetriebenen Korrekturen dieses Zyklus hinter sich. Der Mai-Arbeitsmarktbericht zeigte 172.000 neu geschaffene Stellen — fast doppelt so viele wie die erwarteten 88.000. Das reichte, um Bitcoin an einem einzigen Handelstag 80 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung zu kosten.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung sprang von 40 auf 57 Prozent. Die Chance auf eine Zinssenkung im Juni kollabierte von 32 auf acht Prozent. Stärkerer Dollar, höhere Realzinsen — beides belastet Bitcoin strukturell.
Am 5. Juni fiel der Kurs kurzzeitig unter 60.000 Dollar. Die Liquidationen summierten sich auf 1,5 bis 1,6 Milliarden Dollar, davon rund 1,21 Milliarden in Long-Positionen. Kein Wunder, dass die Stimmung kippte.
Technisch am Boden — aber mit historischem Muster
Der RSI-14 lag am 7. Juni bei 15,5 — der niedrigste Wert seit März 2020. Aktuell notiert Bitcoin bei rund 63.250 Dollar mit einem RSI von 26, rund 16 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt.
Analyst Ali Martinez wies darauf hin, dass die Metrik „Bitcoin Supply In Loss" auf 10,46 Millionen BTC gestiegen ist. Historisch markierten Werte über zehn Millionen BTC im Verlust späte Kapitulationsphasen — jeweils kurz vor größeren Erholungen. Eine Garantie ist das nicht. Es beschreibt eine Zone, in der frühere Zyklen einen Boden gefunden haben.
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Das Wochenende brachte eine Erholung von 6,5 Prozent, vom Tief bei 59.100 Dollar auf knapp 62.950 Dollar. Der Kurs hielt die 200-Wochen-Linie als technische Unterstützung. Analysten werten das als klassisches Entlastungsrally-Verhalten in einer Korrekturphase.
Jetzt entscheidet die Fed
Zwei Ereignisse bestimmen die nächsten Tage. Am 10. Juni erscheint der US-Verbraucherpreisindex — er kann die Zinserwartungen bestätigen oder teilweise umkehren. Am 17. und 18. Juni tagt die Federal Reserve.
Zusätzlichen Druck erzeugte ein kleiner BTC-Verkauf durch Strategy, den JPMorgan als liquiditätshemmend und stimmungsbelastend einstufte. US-gelistete Bitcoin-ETFs verzeichneten seit dem 15. Mai 13 Handelstage in Folge mit Nettoabflüssen — insgesamt 4,4 Milliarden Dollar. Die kumulierten ETF-Zuflüsse des Jahres 2026 sind damit erstmals seit Auflegung ins Minus gerutscht.
Das Fed-Signal am 18. Juni dürfte darüber entscheiden, ob die gesetzgeberische Dynamik rund um ARMA und die technisch überverkaufte Lage ausreichen, um frisches Kapital anzuziehen — oder ob der Markt weiter auf Abwarten schaltet.
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