Bewegungsmangel kostet Milliarden und macht krank
26.02.2026 - 06:00:55 | boerse-global.deEine wachsende Zahl wissenschaftlicher Erkenntnisse zeichnet ein düsteres Bild der gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen von Bewegungsmangel. Aktuelle Analysen, darunter Auswertungen der großangelegten NAKO Gesundheitsstudie, Deutschlands größter epidemiologischer Bevölkerungsstudie, untermauern die dringende Notwendigkeit für ein Umdenken in Gesellschaft und Politik. Experten warnen, dass ein sitzender Lebensstil nicht länger als persönliche Entscheidung abgetan werden kann, sondern als ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko mit massiven Kosten für das gesamte System betrachtet werden muss. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt ebenfalls Alarm, da weltweit fast ein Drittel der Erwachsenen, rund 1,8 Milliarden Menschen, die empfohlenen Bewegungsziele nicht erreichen, was das Risiko für schwere Krankheiten drastisch erhöht.
Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate bis anstrengende Bewegung pro Woche, um die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Schätzungen für Deutschland zeigen jedoch, dass weniger als ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung dieses Ziel erreicht. Diese alarmierende Diskrepanz hat weitreichende Konsequenzen. Unzureichend aktive Menschen verursachen laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) signifikant höhere Gesundheitskosten. Die Analyse ergab, dass bei diesen Personen die durchschnittlichen jährlichen Gesundheitskosten um 188 Euro höher liegen; rechnet man indirekte Kosten wie Produktivitätsverluste hinzu, steigt die Summe sogar auf rund 482 Euro pro Person.
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Die schleichende Gefahr: Ein Katalog chronischer Krankheiten
Ein Mangel an körperlicher Aktivität ist ein wesentlicher Risikofaktor für eine Vielzahl nichtübertragbarer Krankheiten. Die Liste der gesundheitlichen Folgen ist lang und wissenschaftlich gut belegt. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes sowie bestimmte Krebsarten, darunter Brust- und Dickdarmkrebs. Auch ein erhöhtes Risiko für Demenz wird mit einem inaktiven Lebensstil in Verbindung gebracht.
Die biologischen Mechanismen dahinter sind komplex. Langes, ununterbrochenes Sitzen verlangsamt den Stoffwechsel erheblich. Nach Mahlzeiten bleibt der Blutzuckerspiegel länger erhöht, was die Ausschüttung von Insulin anregt und langfristig zu einer Insulinresistenz führen kann – einer Vorstufe von Typ-2-Diabetes. Gleichzeitig sinkt der Kalorienverbrauch, der Abbau von Blutfetten wird vermindert und die Aktivität von Enzymen, die für die Zellgesundheit wichtig sind, nimmt ab. Sportwissenschaftler warnen davor, dass der Körper bei langem Sitzen in eine Art "Koma" fällt, in dem Kreislauf und Durchblutung heruntergefahren werden, was die Funktion des gesamten Herz-Kreislauf-Systems schwächt.
Volkswirtschaftliche Last: Milliardenkosten für das Gesundheitssystem
Die Folgen des Bewegungsmangels sind nicht nur individuell spürbar, sondern stellen auch eine massive Belastung für die Volkswirtschaft dar. Die durch körperliche Inaktivität verursachten Krankheiten führen zu enormen direkten und indirekten Kosten. Direkte Kosten entstehen durch medizinische Behandlungen, Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen. Indirekte Kosten umfassen Produktivitätsverluste durch krankheitsbedingte Fehlzeiten und Frühverrentungen.
Bereits ältere Schätzungen bezifferten die jährlichen wirtschaftlichen Kosten durch Bewegungsmangel in Europa auf über 80 Milliarden Euro. Neuere Daten bestätigen diesen Trend und zeigen die finanzielle Dimension des Problems auf. Allein Rückenschmerzen, die oft durch eine sitzende Lebensweise begünstigt werden, verursachten in Deutschland im Jahr 2020 Krankheitskosten in Höhe von 11,6 Milliarden Euro. Die globale Schätzung der Kosten für die öffentlichen Gesundheitssysteme durch körperliche Inaktivität wird von der WHO auf rund 300 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum von 2020 bis 2030 beziffert, sollte der Trend nicht umgekehrt werden.
Keine Altersfrage: Auch junge Menschen zunehmend betroffen
Besorgniserregend ist, dass Bewegungsmangel längst kein Problem mehr ist, das nur ältere Bevölkerungsgruppen betrifft. Im Gegenteil, gerade junge Menschen verbringen immer mehr Zeit im Sitzen – sei es bei den Hausaufgaben, vor dem Fernseher oder an der Spielkonsole. Laut einer Studie sitzen die 18- bis 23-Jährigen in Deutschland an einem Werktag durchschnittlich fast elf Stunden. Dies hat gravierende Folgen für die motorische und gesundheitliche Entwicklung.
Daten einer Krankenkasse zeigten, dass im Jahr 2023 über 311.000 Schüler zwischen sechs und 18 Jahren von einer motorischen Entwicklungsstörung betroffen waren, ein Anstieg von rund 64 Prozent im Vergleich zu 2008. Die WHO-Empfehlung von mindestens 60 Minuten Bewegung täglich wird von über 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland nicht erreicht. Dieser Mangel an Aktivität in jungen Jahren kann nicht nur zu Haltungsschäden und Übergewicht führen, sondern legt auch den Grundstein für chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter.
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Kontext und Analyse: Ein gesellschaftliches Problem erfordert breite Lösungen
Die vorliegenden Daten machen deutlich, dass individuelle Appelle an die Vernunft nicht ausreichen, um das Problem des Bewegungsmangels zu lösen. Experten fordern einen sektorenübergreifenden Ansatz, der Politik, Gesundheitswesen, Städteplanung und Arbeitgeber in die Pflicht nimmt. Die Förderung von aktiver Mobilität, wie Radfahren und Zufußgehen, durch eine entsprechende Infrastruktur ist ebenso entscheidend wie die Schaffung von bewegungsfreundlichen Umgebungen in Schulen und an Arbeitsplätzen.
Während Deutschland im weltweiten Vergleich der körperlichen Aktivität relativ gut dasteht und laut einer WHO-Untersuchung nur zwölf Prozent der Bevölkerung als unzureichend aktiv gelten, warnen nationale Erhebungen wie die des Robert Koch-Instituts (RKI) vor einer zu optimistischen Sichtweise. Demnach erreichen drei Viertel der Erwachsenen in Deutschland nicht die kombinierte Empfehlung für Ausdauer- und Muskelkräftigungsübungen. Es besteht also weiterhin dringender Handlungsbedarf, um effektive Maßnahmen zur Bewegungsförderung zu etablieren.
Zukunftsausblick: Prävention als Schlüssel zum Erfolg
Um die gesundheitliche und wirtschaftliche Zeitbombe zu entschärfen, rückt die Prävention verstärkt in den Fokus. Initiativen wie das "Rezept für Bewegung", das es Kinder- und Jugendärzten ermöglicht, gezielte Bewegungsempfehlungen auszusprechen, sind ein Schritt in die richtige Richtung. Solche Maßnahmen zielen darauf ab, Bewegung als festen Bestandteil eines gesunden Lebensstils zu verankern.
Wissenschaftliche Studien untersuchen zudem, wie sich die negativen Effekte langen Sitzens am effektivsten kompensieren lassen. Eine aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass bei einer täglichen Sitzdauer von acht oder mehr Stunden mindestens fünf Stunden körperliche Aktivität pro Woche notwendig sind, um das gesundheitliche Risiko auszugleichen. Künftige politische und gesellschaftliche Anstrengungen müssen darauf abzielen, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass jeder Mensch, unabhängig von Alter und sozialem Status, die Möglichkeit hat, diese Empfehlungen im Alltag umzusetzen. Andernfalls droht die Belastung für das Gesundheitssystem weiter zu steigen und die Lebensqualität vieler Menschen nachhaltig zu sinken.
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